Eucharistische Liturgie: Zwischen Wandlung und Kommunionempfang
Teil 5 der Serie "Die Feier der Eucharistie"

Eucharistische Liturgie: Zwischen Wandlung und Kommunionempfang

Katholisch.de stellt die Elemente der Heiligen Messe vor. Im fünften Teil der Serie werden die verschiedenen Hochgebete, der Friedensgruß und das Agnus Dei erklärt - und es geht um die Frage, auf welche Art die Kommunion zu sich genommen werden sollte.

Von Fabian Brand |  Bonn - 06.04.2019

Die unterschiedlichen Hochgebete

In der gegenwärtigen Ausgabe des deutschen Messbuchs gibt es vier Hochgebete. Diese können zur Auswahl für die Feier der Eucharistie verwendet werden.

Das I. Hochgebet ist der sogenannte "Canon Romanus", der römische Messkanon. Bis zur Liturgiereform durch das Zweite Vatikanische Konzil war dies das einzige Hochgebet im Messbuch. Vom Textkorpus her ist es relativ umfangreich; vor den Einsetzungsworten betet man besonders für die ganze Kirche und die einzelnen Amtsträger. Interessant ist, dass ebenfalls bereits vor den Einsetzungsworten das Gedächtnis der Heiligen thematisiert wird, das gegen Ende des Hochgebets ein weiteres Mal folgt. Entgegen der anderen Hochgebete wird eine Reihe von Aposteln und frühchristlichen römischen Märtyrern namentlich angeführt. Vermutlich hat es sich beim jetzigen I. Hochgebet ursprünglich um einen speziellen Gebetstext aus der Stadt Rom gehandelt.

Das II. Hochgebet ist mitunter das bekannteste Hochgebet – vielleicht auch deswegen, weil es das Kürzeste ist. Die Textbasis des Gebets findet sich bereits in frühchristlicher Zeit, in der "Traditio Apostolica", einer Kirchenordnung aus dem frühen 3. Jahrhundert, die dem heiligen Hippolyt von Rom zugeschrieben wird. Gerade durch seine Knappheit besitzt es eine große Stringenz. Auffallend ist, dass nach dem Sanctus relativ schnell die Bitte um die Heiligung der Gaben durch den Heiligen Geist erfolgt.

Das III. Hochgebet sollte vor allem an den Sonn- und Feiertagen verwendet werden. Sein Gebetstext entstand erst im Umfeld des Zweiten Vatikanischen Konzils, es ist somit eines der jüngeren Hochgebete. Da in diesem Hochgebete bestimmte optionale Texteinschübe in Messen für bestimmte Verstorbene vorgesehen sind, wird es mancherorts auch besonders beim Requiem verwendet.

Das IV. Hochgebet ist ebenfalls erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entstanden. Vom Textumfang ist es deutlich länger als die beiden vorhergehenden Hochgebete, es besitzt auch eine eigene Präfation, die nicht ausgetauscht werden kann. Der Text dieses Hochgebetes ist angelehnt an Gebete aus der ostkirchlichen Tradition. Mit dem langen "Vorspann" vor den Einsetzungsworten rückt es die gesamte Heilgeschichte in den Blick: Beginnend mit der Schöpfung, über die göttlichen Bundesschlüsse und das Wirken der Propheten, führt das Hochgebet schließlich zu Christus. Den Abschluss des Gebetes bilden der eschatologische Ausblick und die Bitte um Heiligung und Vollendung der Welt in der Kraft des Heiligen Geistes.

Neben diesen vier Hochgebeten, die im Messbuch abgedruckt sind, wurden auch noch andere Hochgebetstexte für die Verwendung in der Feier der Eucharistie zugelassen. Dies sind Hochgebete für besondere Anliegen, etwa "Jesus unser Weg" oder "Die Kirche auf dem Weg zur Einheit", aber auch besondere Hochgebete für Kinder oder für Gehörlose.

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Das Vaterunser ist das meistgesprochene Gebet der christlichen Welt.

Das Vaterunser

Das "Tischgebet" der christlichen Gemeinde schlechthin ist das Gebet, das Jesus selbst seine Jünger zu beten gelehrt hat. Um den Tisch des Herrn versammelt, sind die christlichen Gläubigen eingeladen, das Herrengebet zu sprechen. Ab dem 4. Jahrhundert hat es Eingang in die Liturgie gefunden, mit Papst Gregor dem Großen ist es an die jetzige Stelle im Anschluss an das Hochgebet gerückt. Die Gemeinde bittet um das "tägliche Brot" und um die "Vergebung der Sünden", blickt aber zugleich in die Zukunft und erfleht die "Erlösung von dem Bösen".

Interessant ist der Einschub, durch den das Vaterunser scheinbar zweigeteilt wird. Der Priester spricht die Worte: "Erlöse uns, Herr, von allem Bösen und gib Frieden in unseren Tagen." Dass diese Einfügung in das Herrengebet schon uralt ist, bezeugen früheste altkirchliche Liturgieordnungen. Die Einfügung, die "Embolismus" ("Einschub" oder "Einschaltung") genannt wird, hat eine doppelte Funktion: Einerseits weitet sie den Blick von der "Erlösung von dem Bösen" auf "alles Böse" und lässt die Bitte um Frieden anklingen. Andererseits rückt sie die eschatologische Dimension in den Blick, indem sie auf das "Kommen unseres Erlösers Jesus Christus" verweist. Gerade die verstärkte Bitte um Erlösung von allem Bösen scheint dringend angebracht in einer Zeit, in der wir immer wieder mit Krieg und Terror, Gewalt und Hass konfrontiert werden. Deshalb ist es gut, dass sie noch einmal explizit aufgegriffen und thematisiert wird.

Der Friedensgruß

"Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch" (Joh 14,27) verheißt Jesus den Jüngern in den johanneischen Abschiedsreden. Das Gebet um den Frieden knüpft an diese Worte an. Die Kirche erfleht "Frieden und Einheit für sich selbst und für die ganze Menschheitsfamilie" (GORM, Nr. 82); der Blick weitet sich von der konkret versammelten Gemeinde hin auf die ganze Erde. Das Friedenszeichen, das anschließend ausgeteilt wird, ist sichtbarer Ausdruck des Willens zur Versöhnung und zur Einheit.

Wie dieses Friedenszeichen auszusehen hat, ist der Verantwortung der Bischofskonferenzen anvertraut und richtet sich nach örtlichen Bräuchen. Ob es nötig ist, zum Friedensgruß allen zum Gottesdienst versammelten Gläubigen die Hand zu schütteln, bleibt fraglich. Schließlich kommt es auch hier nicht nur auf das Zeichen an, sondern auf die gelebte Praxis.

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Beim Brechen des Brotes wird das Agnus Dei in der heiligen Messe gebetet. Doch was bedeutet es? Pater Daniel Hörnemann von der Benediktinerabtei Gerleve über das "Lamm Gottes".

Das Agnus Dei

Meist wird bereits während der Austeilung des Friedensgrußes mit dem Gesang oder Gebet des Agnus Dei begonnen. Wie Gloria und Sanctus besitzt es einen festen Text: "Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünde der Welt, erbarme dich unser" und beim dritten Mal "gib uns deinen Frieden".

Unterdessen bricht der Priester das Brot in mehrere Teile und erinnert dadurch an das Tun Jesu im Abendmahlssaal. Dieser Gestus hat der Eucharistiefeier auch ihren ursprünglichen Namen gegeben: "Brotbrechen". So heißt es in der Apostelgeschichte über die ersten Gläubigen: "Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten" (Apg 2,42). Das Brechen des Brotes ist ein Zeichen der Einheit: Alle Gläubigen essen von dem einen Brot und werden so zu einem Leib Christi zusammengefügt. Freilich rückt dieses sinnenfällige Zeichen dort in den Hintergrund, wo der Priester die Hostie nur einmal bricht und diese anschließend selbst kommuniziert. Und auch die landläufige Praxis, an die Gottesdienstgemeinschaft eigene kleine "Laienhostien" auszuteilen, verstellt die Aussagekraft dieses Gestus.

Die Kommunion

Die versammelte Gottesdienstgemeinde ist eingeladen, am Tisch des Herrn den Leib und das Blut Christi zu empfangen. Jesus selbst hat den Jüngern Brot und Wein gereicht und ihnen aufgetragen, diese Feier zu seinem Gedächtnis fortzusetzen. Die Gläubigen sind nicht nur zum gemeinsamen Gebet und Gesang zusammengekommen, sondern auch, um mit dem auferstandenen Herrn Mahl zu halten. Der Empfang von Leib und Blut Christi ist die innigste Vereinigung mit dem Herrn. Schon der Apostel Paulus ermahnt daher die Gläubigen, mit aufrichtigem Herzen zum Tisch des Herrn zu treten, um sich nicht selbst das Gericht zu essen (etwa 1 Kor 11).

Vielerorts hat es sich eingebürgert, den Gläubigen die Kommunion nur unter der Gestalt des Brotes zu reichen. Doch dies ist eigentlich eine Mangelform der Kommunionspendung. Denn das Trinken aus dem einen Kelch gehört ebenso zum Herrenmahl dazu, wie das Essen von dem einen Brot. Auch die mancherorts gängige Praxis, dass die Gläubigen die Hostie in den Kelch eintauchen, entspricht nicht der Zeichenhaftigkeit. Denn der Auftrag Jesu lautet ja explizit "Nehmet und trinket alle daraus" – das Eintunken ist hier nicht inbegriffen.

Von Fabian Brand