Ein roter Pin markiert den Irak auf der Landkarte.
Irakischer Caritas-Direktor erläutert die Lage vor Ort

Falschmeldung über geschlossene Kirchen im Irak

Seit der vergangenen Woche geht die Meldung um, im Irak seien acht Gotteshäuser wegen Gläubigenmangels geschlossen worden. Ein Mitarbeiter der irakischen Caritas erklärt: Die Sachlage ist anders.

Bonn - 08.08.2017

Die Nachricht, dass der Vatikan im Irak acht katholische Kirchen wegen eines Mangels an Gläubigen geschlossen haben soll, ist falsch. "Es ist ein Missverständnis, dass die Kirchen ihre Türen geschlossen haben, in Wahrheit sind sie gegenwärtig noch offen", sagte der Direktor von Caritas Irak, Nabil Nissan, auf Anfrage. In der vergangenen Woche hatte "International Christian Concern", eine US-Organisation, die sich für verfolgte Christen einsetzt, berichtet, die Kirchen im Süden Bagdads hätten bereits im Mai "ihre Türen für immer geschlossen". Das wurde als "symbolische Niederlage für die Kirche" in der irakischen Hauptstadt gewertet.

Die Sachlage ist jedoch anders, wie Nissan jetzt erklärte. Einige Kirchen seien aus bestimmten Gründen "zusammengelegt" worden, so der Caritas-Direktor. Dazu zähle zum einen "der Mangel an Klerikern" in der Region. Die Menschen mehrerer Gemeinden an einem gemeinsamen Ort zusammenzubringen, würde zudem "den Vorteil von Treffen einer großen Gemeinschaft von Gläubigen" bringen. Schließlich solle die Zusammenlegung auch das "Angebot von spirituellen, sozialen und moralischen Diensten" des Klerus gegenüber der Gemeinde erleichtern, sagte Nissan.

Christentum vor dem Neubeginn

In den vergangenen Jahren sind Zehntausende irakische Christen vor der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in die umliegenden Nachbarländer geflohen. Nach der Befreiung der nordirakischen Stadt Mossul und der Vertreibung des IS aus der christlich geprägten Ninive-Ebene, steht das Christentum im Irak nun vor einem Neubeginn. Langsam kehren christliche Familien in die von der Terrormiliz zerstörten Ortschaften zurück. Für den Wiederaufbau der Dörfer und eine Wiedererstarkung des Christentums im Irak setzen sich kirchliche Hilfsorganisationen wie "Kirche in Not", Caritas international und Missio ein. (tmg)

Linktipp: Christen im Irak: Sie wollen einfach nur weg

Nachdem christliche Dörfer im Irak vom "Islamischen Staat" befreit wurden, kehrten einige der Bewohner zurück. Angela Gärtner von der Caritas ist Irak-Expertin und spricht im Interview über die Situation. (Interview von Juni 2017)