Bischof Gerhard Feige
Magdeburger Bischof gegen Unterscheidung von "Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen"

Feige: Verständnis für Wirtschaftsflüchtlinge

Bischof Gerhard Feige ist gegen eine Unterscheidung von "Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen". Gleichzeitig macht er die DDR-Vergangenheit Ostdeutschlands für den größeren Widerstand gegen die Aufnahme von Flüchtlingen verantwortlich.

Magdeburg - 08.12.2015

"Nach heutigen Kriterien wäre die DDR 1989 zweifellos als ein sicheres Herkunftsland eingestuft worden", betonte Feige. Die alte Bundesrepublik wäre berechtigt gewesen, viele Flüchtlinge aus der DDR zurückzuschicken und sich "durch Stacheldraht und Mauern vor solchen Personen zu schützen, die es nur auf ihren Wohlstand abgesehen hatten und ihr Sozialsystem ausnutzen wollten".

"Wer kann es Menschen, die in notvollen Verhältnissen - bitterer Armut, unerträglich werdendem Klima, autoritären Diktaturen oder verschiedenster Diskriminierung - leben, eigentlich verdenken, wenn sie sich aufmachen, um anderswo ihr Heil zu suchen?", fragte der Bischof des Bistums Magdeburg. Er räumte zugleich ein, dass nicht alle Flüchtlinge auf Dauer aufgenommen werden könnten und die Integration anstrengend sei. "Wir sollten aber nicht meinen, mit Abschreckungsmethoden, Pauschalurteilen und Diffamierungen Probleme lösen zu können", warnte Feige. Jeder Flüchtling müsse in seiner Menschenwürde geachtet werden und habe ein Recht auf ein individuelles und faires Asylverfahren.

Ausländer waren "höchstens kontrollierte Fremdkörper"

Den größeren Widerstand in den neuen Bundesländern gegen die Aufnahme von Flüchtlingen führte der katholische Bischof auf die DDR-Vergangenheit zurück. Im SED-Staat seien Ausländer "höchstens kontrollierte Fremdkörper" gewesen. Zudem wirkten die sozialen Verwerfungen nach dem Ende der DDR bis heute nach. So mindere die Abwanderung junger Menschen aus bestimmten Regionen dort die Fähigkeit, "die neue Situation aktiv mitzugestalten".

Feige warf auch die Frage auf, "ob die verbreitete Religionslosigkeit im Osten und die zurückgegangene Christlichkeit im Westen Deutschlands mit ein Grund dafür sind, dass manche Bürger und Bürgerinnen sich durch die Zuwanderung von Menschen mit religiöser Überzeugung - wie Muslimen oder Christen - bedroht fühlen und abwehrend reagieren". Feige sprach bei einem "Magdeburger Ökumenischen Neujahrsgespräch" zum Beginn des Kirchenjahrs im ersten Advent. (KNA)

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Ob Naturkatastrophen, Armut oder Terror: Täglich verlassen Menschen ihre Heimat, um anderswo ein neues, ein besseres Leben zu beginnen. Die Flüchtlinge kommen auch nach Deutschland. Das bedeutet eine große Herausforderung für Politik, Gesellschaft und Kirche.