Kolumbiens Präsident Santos empfängt Papst Franziskus bei dessen Ankunft in Bogota.
Papst landet in der Nacht in Bogota

Franziskus beginnt Besuch in Kolumbien

Papst Franziskus ist in der Nacht in Kolumbiens Hauptstadt Bogota gelandet. Auf dem Programm des ersten Tages der Papstreise steht ein Großgottesdienst - und eine ehemalige "Miss Germany".

Bonn/Bogota - 07.09.2017

Papst Franziskus ist in der Nacht zu einem sechstägigen Besuch in Kolumbien eingetroffen. Nach gut zwölf Stunden Flug wurde er kurz vor Mitternacht deutscher Zeit auf dem Flughafen der Hauptstadt Bogota von Staatspräsident Juan Manuel Santos und dessen Ehefrau sowie Papstbotschafter Erzbischof Ettore Balestrero empfangen. Wegen des Hurrikans Irma über der Karibik hatte die Maschine der Alitalia einen südlicheren Kurs nehmen müssen.

Unter den rund 1.000 Menschen, die den Papst begrüßten, waren etliche Spitzenpolitiker und Bischöfe des Landes. Besonders herzlich fiel die Begrüßung mit Bogotas Erzbischof aus, Kardinal Ruben Salazar Gomez. Der Argentinier und der Kolumbianer, der auch Vorsitzender des Lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM ist, umarmten sich.

In der kolumbianischen Hauptstadt erwarteten den Papst auf rund 2.600 Metern Höhe einige dunkle Regenwolken, böige Winde und kühle Temperaturen. Zum Empfang hatte die kolumbianische Regierung unter anderen die Teilnehmer der Friedensverhandlungen mit den Guerilla-Organisationen FARC und ELN, Vertreter der indigenen Verbände, sozialer Stiftungen, Künstler, Sportler, Gouverneure und Bürgermeister eingeladen.

Themenseite: Papstreisen

Als Oberhaupt der katholischen Kirche absolviert Papst Franziskus regelmäßig Reisen innerhalb Italiens und in andere Länder. Diese Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zu den Reisen des Heiligen Vaters.

Eines der Kinder, die den Papst begrüßten, war Emmanuel Rojas, Sohn der über Jahre entführten Politikerin Clara Rojas, einer ehemaligen Mitstreiterin der mit ihr entführten Grünen-Politikerin und Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt. Emmanuel wurde in der Gefangenschaft von Rojas und einem Guerillero gezeugt. Er wurde von der FARC unter bis heute ungeklärten Umständen an ein Hospital und an die staatliche Fürsorge übergeben. Erst nach ihrer Freilassung 2008 konnte Rojas ihren Sohn wiedersehen. Sohn Emmanuel übergab als Geschenk eine Friedenstaube der Künstlerin Ana Gonzalez Rojas.

Papst umgeht Protokoll für Kriegsversehrte

Nach der Zeremonie am Flughafen ging es für Franziskus im Papamobil durch die Stadt zur 15 Kilometer entfernten päpstlichen Nuntiatur, wo er während seines Aufenthalts übernachten wird. Der Abfahrt verzögerte sich, als der Papst das Protokoll umging, um Kriegsversehrte des Bürgerkriegs persönlich zu treffen. Bei dem ungeplanten Zusammentreffen kam es zu emotionalen Szenen. Franziskus begrüßte die ehemaligen Soldaten mit Umarmungen und schüttelte ihre Hände. Seine Weiterfahrt zur päpstlichen Nuntiatur in Bogota verzögerte sich.

Der Papst habe ihn gefragt, ob es möglich sei, die Verwundeten persönlich zu treffen, berichtete Staatspräsident Juan Manuel Santos noch am Mittwoch (Ortszeit). Er habe Franziskus geantwortet: "Bitte, Heiliger Vater, das sind unsere Helden, die uns erlaubt haben, dass wir heute feiern können, dass wir Frieden haben."



Auf dem Flug hatte Franziskus vor mitreisenden Journalisten von einer "etwas speziellen Reise" gesprochen. Vor allem wolle er Kolumbien helfen, auf seinem Friedensweg voranzugehen. Zugleich erinnerte Franziskus an die angespannte Lage im Nachbarland Venezuela: "Wir werden über Venezuela fliegen, deshalb bitte ich Euch, auch für Venezuela zu beten, damit es mehr Dialog gibt und das Land mittels des Dialogs aller Seiten eine gute Stabilität wiedergewinnt", sagte er den mitreisenden Journalisten, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Papst ermahnt Präsident

Während des Überflugs über Venezuela hatte sich der Papst in einem Grußtelegramm an Präsident Maduro gewandt und ihn zu nationaler Einheit und Rechtsstaatlichkeit ermahnt. Er bete, "dass alle im Land Wege der Solidarität, Gerechtigkeit und Eintracht ebnen".

In Bogota will der Papst zudem mit fünf venezolanischen Bischöfen zusammentreffen. Die Begegnung soll im Anschluss an den geplanten Großgottesdienst in einem Park der Hauptstadt Bogota stattfinden. Für den ersten Besuchstag stehen darüber hinaus Gespräche mit Staatspräsident Juan Manuel Santos und eine Rede vor Vertretern aus Politik und Gesellschaft auf dem Programm.

Auch eine Deutsche wird am Donnerstag eine zentrale Rolle beim Papstbesuch spielen. Die gebürtige Düsseldorferin Natalie Ackermann (32) moderiert das Rahmenprogramm vor erwarteten 800.000 Zuschauern bei der Messe im Parque Simon Bolivar. Die deutsche Kandidatin bei der Miss-Universe-Wahl 2006 arbeitet heute als Schauspielerin und TV-Moderatorin überwiegend in Kolumbien und Mexiko. Sie ist die Tochter einer Kolumbianerin aus Barranquilla sowie eines Deutschen aus Düsseldorf und besitzt sowohl die kolumbianische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Seit einigen Wochen wohnt Ackermann wieder in Bogota.

Ehemalige Schönheitskönigin will "informieren und unterhalten"

Sie sei geehrt, ihren Teil "zum Gelingen des Papstbesuchs beitragen zu dürfen", so Ackermann. Ihr Arbeitstag beginnt um 09.00 Uhr Ortszeit (16.00 Uhr deutscher Zeit), wenn viele tausend Besucher zum Freiluftgottesdienst in den Park strömen. "Ich werde die Besucher begrüßen und sie über den Ablauf informieren. Die Wartezeit bis zum Eintreffen des Papstes am Nachmittag ist ja sehr lang; umso wichtiger wird es sein, die Menschen zu informieren und zu unterhalten." Ackermanns Aufgabe endet mit dem Eintreffen des Papstes und dem Beginn des Gottesdienstes. (kim/KNA/dpa)