Papst Franziskus schaut lächelnd in die Kamera.
Am Mittwoch beginnt die erste Afrika-Reise des Papstes

Franziskus im Krisengebiet

Auf diesem Kontinent wächst die katholische Kirche, und die Hingabe der Gläubigen sucht ihresgleichen. Doch Franziskus wird auch die Schattenseiten erleben. Am Mittwoch reist der Papst nach Afrika.

Von Jürgen Bätz und Miriam Schmidt (dpa) |  Bonn - 24.11.2015

"Die Reise nach Afrika wollte der Papst unbedingt", sagt Papst-Sprecher Federico Lombardi. "Er will die Liebe Gottes in einen Kontinent bringen, der von der Kirche dringend gebraucht wird, der aber Probleme, Konflikte, Hass und Gewalt erlebt." Der Argentinier wolle vor allem auch in die leidgeprüften afrikanischen Länder "Barmherzigkeit und die Liebe Gottes" bringen. In Afrika gibt es schätzungsweise 180 Millionen Katholiken - Tendenz rasant steigend.

Mit seiner elften Auslandsreise bleibt Franziskus seinem Leitgedanken treu, an die Ränder der Kirche zu gehen, arme und oft vergessene Länder zu besuchen. Der 78-Jährige Argentinier Jorge Mario Bergoglio war auch vor seiner Wahl im Frühjahr 2013 noch nie in Afrika. Nun nimmt er sich von Mittwoch an sechs Tage Zeit, um Kenia, Uganda und den Krisenstaat Zentralafrikanische Republik zu besuchen.

Dem Zyklus der Gewalt ein Ende setzen

Franziskus ist für seine unkonventionellen Gesten bekannt, aber der geplante Besuch in einem Krisengebiet mit dürftigster Infrastruktur und wackliger Sicherheitslage hat viele überrascht. "Die Entscheidung über die Reise liegt allein beim Heiligen Vater, der die Situation im Blick hat", sagt Lombardi. Die Zentralafrikanische Republik, einem UN-Index zufolge das drittärmste Land der Welt, wird seit 2013 von einem Konflikt erschüttert, bei dem sich muslimische Rebellen und christliche Milizen gegenüberstehen. Tausende wurden getötet, etwa jeder fünfte Bewohner ist vor der Gewalt geflohen.

"Ich appelliere an die beteiligten Seiten, damit dem Zyklus der Gewalt ein Ende gesetzt wird", forderte Franziskus zuletzt. Der Pontifex hofft, mit seiner Reise etwas zur Befriedung des Landes beitragen zu können. Manche Experten befürchten jedoch, dass der Besuch die Spannungen zwischen den Religionsgruppen erneut anheizen könnte. "Extremisten auf beiden Seiten werden in ihrem eigenen Interesse versuchen, ihre Gruppen zu Gewalttaten anzustacheln", sagt Ben Payton, Afrika-Analyst bei der Risikoberatung Verisk Maplecroft.

Themenseite: Papstreisen

Als Oberhaupt der katholischen Kirche absolviert Papst Franziskus regelmäßig Reisen innerhalb Italiens und in andere Länder. Diese Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zu den Reisen des Heiligen Vaters.

Erst im Oktober führte ein kleiner Zwischenfall in der Hauptstadt Bangui zu einer neuen Gewaltwelle - 79 Menschen wurden getötet, 414 nach UN-Angaben schwer verletzt. Den Sicherheitsleuten des Papstes dürfte diese Reiseetappe sicher Schweißperlen auf die Stirn treiben. Denn von gepanzerten Fahrzeugen und anderen Sicherheitsvorkehrungen hält Franziskus wenig. Papst-Sprecher Lombardi sagt, der Papst habe keine Angst und wolle auch in Bangui sein offenes Papamobil nutzen.

Der Papst will den Menschen in Afrika Hoffnung bringen und ihnen nahe sein, vor allem den Armen und Benachteiligten. Daher will er in Kenia, dem ersten Stopp seiner Reise, am Freitag in Nairobi auch das Armenviertel Kangemi besuchen, wo rund 100.000 Menschen auf engstem Raum leben. "Wir hätten uns nie erträumen können, dass der Papst nach Kangemi kommt", sagt Slumbewohner Patrick Kamau. Sein Besuch sei auch ein Signal an viele afrikanische Politiker, die die Armen einfach ignorierten. "Er zeigt der Welt, dass arme Menschen wichtig sind." In Nairobi wird der Papst auch am Donnerstag die größte Messe der Reise zelebrieren; der Vatikan erwartet bis zu 500.000 Gläubige.

"Werdet Zeugen der Barmherzigkeit und der Versöhnung"

In Uganda, der zweiten Etappe, wird der Papst auf den Pfaden seiner Vorgänger wandeln: Wie schon Paul VI. 1969 und später Johannes Paul II. besucht er am Samstag einen Schrein für ugandische Märtyrer. In Namugongo bei Kampala ließ König Mwanga vor 130 Jahren 22 Katholiken und 10 Anglikaner foltern und hinrichten, da sie sich geweigert hatten, dem Christentum abzuschwören. Viele wurden bei lebendigem Leib verbrannt. Franziskus wird dort vor rund 100.000 Gläubigen eine Messe feiern. Später wird er laut Vatikan bei einer Begegnung mit Jugendlichen den Bericht eines früheren Kindersoldaten und auch den von einer HIV-positiven Katholikin anhören.

Kurz vor dem Ende seiner Afrika-Reise will der Papst am Sonntag noch in der Kathedrale von Bangui eine Heilige Pforte öffnen - als eine Art Vorpremiere des Heiligen Jahres, des "Jubiläums der Barmherzigkeit", das am 8. Dezember in Rom eingeläutet wird. "Ich will die betende Nähe der ganzen Kirche zu dieser so leidgeprüften, gequälten Nation zeigen und alle Zentralafrikaner dazu aufrufen, immer mehr Zeugen der Barmherzigkeit und der Versöhnung zu sein", begründete Franziskus den ungewöhnlichen Schritt.

Papst Franziskus besteigt ein Flugzeug zum Beginn einer Reise.
Bild: © dpa

Als Oberhaupt der katholischen Kirche besucht Papst Franziskus auf großen Reisen regelmäßig Gläubige in aller Welt.

Das Programm der Papstreise nach Afrika

Papst Franziskus besucht ab Mittwoch die afrikanischen Länder Kenia, Uganda und die Zentralafrikanische Republik. Katholisch.de dokumentiert das vatikanische Reiseprogramm. Alle Angaben in Ortszeit sowie (in Klammern) in Mitteleuropäischer Zeit (MEZ).

Mittwoch, 25. November

  • 7.45 Uhr: Abflug vom römischen Flughafen Fiumicino nach Nairobi/Kenia
  • 17.00 (15.00) Uhr: Landung auf dem Internationalen Flughafen "Jomo Kenyatta" in Nairobi, Begrüßungszeremonie im State House
  • 18.00 (16.00) Uhr: Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten der Republik im State House in Nairobi
  • 18.30 (16.30) Uhr: Treffen mit kenianischen Autoritäten und dem Diplomatischen Corps, Rede des Papstes

Donnerstag, 26. November

  • 8.15 (6.15) Uhr: Interreligiöses und ökumenisches Treffen in der Apostolischen Nuntiatur, Papstrede
  • 10.00 (8.00) Uhr: Heilige Messe auf dem Campus der Universität Nairobi, Papstpredigt
  • 15.45 (13.45) Uhr: Begegnung mit Klerikern, Ordensleuten und Seminaristen auf dem Sportfeld der St. Mary's-Schule, Rede des Papstes
  • 17.30 (15.30) Uhr: Besuch beim Büro der Vereinten Nationen in Nairobi, Papstrede

Freitag, 27. November

  • 8.30 (06.30) Uhr: Besuch im Armenviertel Kangemi, Rede des Papstes
  • 10.00 (08.00) Uhr: Treffen mit Jugendlichen im Stadion Kasarani, Papstrede
  • 11.15 (09.15) Uhr: Treffen mit den kenianischen Bischöfen im VIP-Saal des Stadions
  • 15.10 (13.10) Uhr: Abschiedszeremonie auf dem Internationalen Flughafen von Nairobi
  • 15.30 (13.30) Uhr: Abflug nach Entebbe/Uganda
  • 16.50 (14.50) Uhr: Landung auf dem Internationalen Flughafen von Entebbe, Begrüßungszeremonie
  • 17.30 (15.30) Uhr: Höflichkeitsbesuch im State House in Entebbe
  • 18.00 (16.00) Uhr: Treffen mit Autoritäten und dem Diplomatischen Corps im Konferenzsaal des State House, Papstrede
  • 19.15 (17.15) Uhr: Treffen mit Katechisten und Lehrern im Munyonyo-Center in Kampala, Grußwort des Papstes

Samstag, 28. November

  • 8.30 (06.30) Uhr: Besuch des anglikanischen Heiligtums der Märtyrer von Namugongo bei Kampala
  • 9.00 (07.00) Uhr: Besuch des katholischen Heiligtums der Märtyrer von Namugongo bei Kampala
  • 9.30 (07.30) Uhr: Heilige Messe für die Märtyrer Ugandas auf dem Gelände des katholischen Heiligtums, Predigt des Papstes
  • 15.15 (11.15) Uhr: Treffen mit Jugendlichen auf dem Kololo Air Strip in Kampala, Rede des Papstes
  • 17.00 (15.00) Uhr: Besuch eines Caritas-Hauses im Stadtviertel Nalukolongo/Kampala, Grußwort des Papstes
  • 18.00 (16.00) Uhr: Begegnung mit den Bischöfen Ugandas in der Residenz des Erzbischofs von Kampala
  • 19.00 (17.00) Uhr: Treffen mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen in der Kathedrale von Kampala, Rede des Papstes

Sonntag, 29. November

  • 9.00 (07.00) Uhr: Abschiedszeremonie auf dem Flughafen Entebbe
  • 9.15 (07.15) Uhr: Weiterflug nach Bangui/Zentralafrikanische Republik
  • 10.00 Uhr: Ankunft auf dem Internationalen Flughafen "M'Poko" von Bangui, Begrüßungszeremonie
  • 11.00 Uhr: Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten der Übergangsregierung im Präsidentenpalast
  • 11.30 Uhr: Treffen mit Führungsmitgliedern und dem Diplomatischen Corps, Rede des Papstes
  • 12.15 Uhr: Besuch eines Flüchtlingslagers
  • 13.00 Uhr: Treffen mit den Bischöfen der Zentralafrikanischen Republik
  • 16.00 Uhr: Treffen mit der Evangelischen Gemeinschaft in der Evangelisch-Theologischen Fakultät von Bangui, Rede des Papstes
  • 17.00 Uhr: Heilige Messe mit Priestern, Ordensleuten, Katechisten und Jugendlichen in der Kathedrale von Bangui, Predigt des Papstes
  • 19.00 Uhr: Beichte mit Jugendlichen und Beginn einer Gebetswache auf dem Platz vor der Kathedrale, Rede des Papstes

Montag, 30. November

  • 8.15 Uhr: Treffen mit der muslimischen Gemeinschaft in der Zentralmoschee in Koudoukou in Bangui, Rede des Papstes
  • 9.30 Uhr: Heilige Messe im Stadion Barthelemy Boganda, Papstpredigt
  • 12.15 Uhr: Abschiedszeremonie auf dem Internationalen Flughafen "M'Poko" von Bangui
  • 12.30 Uhr: Abflug nach Rom
  • 18.45 Uhr: Ankunft auf dem römischen Flughafen Ciampino

Von Jürgen Bätz und Miriam Schmidt (dpa)