Französischer Koma-Patient Vincent Lambert gestorben
Nach Einstellung der künstlichen Ernährung

Französischer Koma-Patient Vincent Lambert gestorben

Seit einem Motorradunfall 2008 lag der Franzose Vincent Lambert in einer Art Wachkoma – Jahre lang wurde um seine weitere Behandlung gestritten. Am Donnerstagmorgen ist der 42-Jährige gestorben.

Reims - 11.07.2019

Der Koma-Patient Vincent Lambert ist tot. Wie französische Medien berichten, starb der 42-Jährige am Donnerstagmorgen in der Universitätsklinik von Reims. Zuvor hatte das behandelnde Ärzteteam vor einer Woche zum zweiten Mal angekündigt, die künstliche Ernährung einzustellen.

Ende Juni hatte Frankreichs oberstes Gericht nach jahrelangem Rechtsstreit den Weg für einen weiteren Stopp der Behandlung freigemacht. Zuvor waren im Mai die lebenserhaltenden Maßnahmen nach einem vorübergehenden Abbruch wieder aufgenommen worden. Lambert lag seit einem Motorradunfall 2008 in einer Art Wachkoma. Die Ärzte hatten entschieden, die künstliche Ernährung des früheren Krankenpflegers Mitte Mai zu beenden. Während seine Ehefrau den Schritt befürwortete, wollten die katholischen Eltern dies verhindern. Diese hatten zu Wochenbeginn die gerichtliche Auseinandersetzung um seine Weiterbehandlung beendet. "Vincents Tod ist jetzt unvermeidlich", schrieben sie in einem Offenen Brief. Lamberts Vater Pierre bezeichnete den Behandlungsstopp als "eine getarnte Ermordung, eine Sterbehilfe".

Sarah: Opfer des furchterregenden Wahnsinns der Menschen

Der Vatikan reagierte bestürzt auf den Tod Lamberts. Vatikansprecher Alessandro Gisotti sprach von einem "schmerzhaften Fall" und zitierte Papst Franziskus mit den Worten, Herr über das Leben sei allein Gott: "Es ist daher unsere Pflicht, es immer vom Anfang bis zum natürlichen Ende zu bewahren und keiner Wegwerfkultur zu erliegen." Im Vatikan werde für den Verstorbenen und seine Familie gebetet, sowie für alle "die sich bis zum Schluss mit Liebe und Entschiedenheit um ihn kümmerten", so Gisotti. Die Päpstliche Akademie für das Leben sprach auf Twitter von einer "Niederlage für die Menschlichkeit".

Kurienkardinal Robert Sarah schrieb am Donnerstag auf Twitter, Lambert sei "als Märtyrer und Opfer des furchterregenden Wahnsinns der Menschen unserer Zeit" gestorben. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz verwies auf die rund 10.000 Wachkoma-Patienten in Deutschland. Diese seien "keine Sterbenden", sondern hätten Anspruch auf medizinische und pflegerische Versorgung, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Der einzig sichere Weg, Einfluss auf die Behandlung zu nehmen, sei die Patientenverfügung. "Andernfalls kann es zu jahrelangen Streitigkeiten kommen, die nicht selten von Gerichten entschieden werden müssen", so Brysch. Ein automatisches Mitspracherecht von Eltern oder Ehepartnern gebe es nicht.

Am Mittwoch hatte der Pariser Erzbischof Michel Aupetit noch zum Gebet für den sterbenden Lambert aufgerufen. "Jetzt ist die Zeit für Erinnerung, Mitgefühl und Gebet für Vincent Lambert", twitterte Aupetit. Daher sollten in diesen Tagen Gottesdienste für den 42-Jährigen gefeiert werden. Auch Papst Franziskus hatte zuvor über Twitter zum Gebet aufgerufen "für die Kranken, die im Stich gelassen und dem Tod ausgeliefert werden". Eine Gesellschaft sei menschlich, "wenn sie jedes Leben schützt, ohne bestimmen zu wollen, wer würdig ist zu leben und wer nicht", schrieb der Papst, ohne konkret auf den Fall des Franzosen einzugehen, und weiter: "Ärzte sollen dem Leben dienen und es nicht nehmen." (tmg/KNA)

11.7., 11:45 Uhr: Ergänzt um weitere Details und Stellungnahmen. 12:30 Uhr: Ergänzt um neue Stellungnahme des Vatikan.