Papst Benedikt XVI. winkt fröhlich den Gläubigen zu.
Bild: © KNA
Bracksiek __amp__ Hemmelskamp ist Deutschlands einziger Hersteller von Priester-Mode

Für Benedikt aus Bielefeld

Der Papst trägt Mode aus Bielefeld. Jedenfalls um den Hals. Wenn römische Schneider Kleidung in den Vatikan liefern, gehören Priesterkragen aus Ostwestfalen dazu. Genauer gesagt aus einem unscheinbaren Gründerzeithaus in einem Wohngebiet am Rand der Bielefelder Innenstadt. Dort ist die Firma Bracksiek __amp__ Hemmelskamp zu Hause.

Bielefeld - 26.01.2013

Der Papst trägt Mode aus Bielefeld. Jedenfalls um den Hals. Wenn römische Schneider Kleidung in den Vatikan liefern, gehören Priesterkragen aus Ostwestfalen dazu. Genauer gesagt aus einem unscheinbaren Gründerzeithaus in einem Wohngebiet am Rand der Bielefelder Innenstadt. Dort ist die Firma Bracksiek __amp__ Hemmelskamp zu Hause.

Seit 1888 gibt es den Familienbetrieb bereits. Auf die Idee, Priesterkragen und die dazu passenden Hemden zu schneidern, seien seine Vorfahren eher zufällig gekommen, sagt Firmenchef Klaus H. Bracksiek. Früher seien im Unternehmen vornehmlich für Krankenschwestern Hauben hergestellt worden. Da diese aber nach und nach aus der Mode kamen, musste man sich etwas anderes einfallen lassen, erklärt der Chef: "Man muss mit der Zeit gehen, oder man geht mit der Zeit."

So habe sich das Geschäft zunehmend von Hauben auf Priesterhemden und die dazugehörigen Kragenmodelle mit Namen wie "Urban", "Pius" oder "Gregor" verlagert. Nischenprodukte zwar, allerdings auch eine Marktlücke, in der sich die Firma nach eigenen als einziges Unternehmen seiner Art in Deutschland etabliert hat.

Priestermode ist zeitlos

Obgleich immer noch Hauben und mittlerweile auch Textilien für Tänzer und fürs Theater auf der Produktpalette stehen, bildet die Priestermode den Schwerpunkt der Produktion. Jährlich neue Kollektionen, wie man sie von anderen Modefirmen kennt, gibt es bei den Ostwestfalen aber nicht. Die Hemden seien vom Schnitt her zeitlos, sagt Bracksiek: "Im Laufe der Jahre sind neben schwarz nur andere Farben wie blau oder violett hinzugekommen."

Man muss mit der Zeit gehen, oder man geht mit der Zeit

Zitat: Klaus H. Bracksiek

Ein Betrieb mit Zukunft also? Wirtschaftlich sieht Bracksieck keine Probleme. Mit Umsatzeinbußen aufgrund sinkender Priesterzahlen rechnet er nicht. "Die Pfarrer achten heute mehr auf ihr Äußeres als früher", sagt er. Immerhin schreibt die katholische Kirche ihren Klerikern vor, "eine geziemende kirchliche Kleidung zu tragen", wie es im Kirchenrecht heißt. Außerdem liefert Bracksiek __amp__ Hemmelskamp nicht nur an katholische Geistliche.

Maßanfertigung für den Bauchumfang

Viel Ware gehe beispielsweise an die anglikanische Kirche, so Bracksiek. Bis nach Amerika oder Hong Kong verkaufen die Bielefelder ihre Konfektion. Auf Wunsch auch als Maßanfertigung. Schließlich hat nicht jeder Geistliche Durchschnittsmaße. "Einmal wurde bei uns ein Hemd mit einem Bauchumfang von sage und schreibe 196 Zentimetern bestellt", weiß Bracksiek zu berichten, lacht und sagt weiter: "Den Priester hätte ich gerne mal gesehen."

Den Vatikan als Kunden haben die Bielefelder übrigens eher zufällig bekommen – und zwar mit geistlichem Beistand. Ein Pfarrer fragte an, warum Bracksiek __amp__ Hemmelskamp ihre Kragen nicht auch in Rom verkauften. Kurzerhand reisten Produzent und Priester in die italienische Hauptstadt, um bei den Vatikan-Schneidern vorstellig zu werden. Mit Erfolg. Dass Bracksiek selbst evangelisch ist, habe dabei überhaupt keine Rolle gespielt, sagt er: "Die Zeiten, in denen das für das Geschäft von Bedeutung war, sind längst vorbei."

Von Christoph Meurer