Ein Plakat mit dem Staatspräsident von China, Xi Jinping, hängt an einer Wand.
Kommunistische Partei will so die Armut bekämpfen

Für Geld: Chinesen ersetzen Jesus mit Xi Jinping

Im Kampf gegen Religionen ist China kreativ: Eine Kampagne soll arme Christen zu Partei-Anhängern machen. Sie erhalten Geld, wenn sie ihre religiösen Poster durch Porträts von Präsident Xi Jinping ersetzen.

Von Johanna Heckeley |  Yugan - 17.11.2017

Hunderte Chinesen haben ihre christlichen Poster gegen die Porträts von Staatspräsident Xi Jinping getauscht, um staatliche Unterstützung zu erhalten. Mit dieser Kampagne gegen Armut in Gemeinden in der südöstlichen Provinz Jiangxi habe die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) "die Anhänger einer Religion in die Anhänger der Partei" konvertieren wollen. So zitieren mehrere Medien aus einer Nachricht in einem beliebten chinesischen Chat-Programm, die inzwischen nicht mehr abrufbar ist.

Demnach hätten die Einwohner einer Gemeinde im Landkreis Yugan "freiwillig" 624 Poster mit christlichen Darstellungen und Versen abgenommen und mit 453 Porträts des Staatspräsidenten ersetzt. Dazu seien Parteimitglieder am vergangenen Wochenende durch die Dörfer gereist und hätten darüber berichtet, wie die KPCh die Landwirtschaft unterstützt und die Armut bekämpft. Sie "mit Wärme das Eis in den Herzen der Christen korrigiert", heißt es wörtlich in der Nachricht, und sie zu Anhängern der Partei gemacht. Diese Verehrung von Xi erinnert an den Personenkult um Mao Zedong, dessen Porträt bis in die 1970er Jahre in jedem chinesischen Haushalt zu finden war. Die Partei hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 die Armut in China zu besiegen.

"Viele Menschen auf dem Land sind unwissend. Sie denken, dass Gott ihr Retter ist", sagte Qi Yan, verantwortlich für die Kampagne, der South China Morning Post. Dieser Einsatz laufe seit März und ziele darauf ab, christlichen Familien zu lehren, wieviel die KPCh getan habe, um Armut abzuwenden, und wieviel Interesse Staatspräsident Xi an ihrem Wohlergehen habe. "Nach der Arbeit unserer Kader werden sie ihre Fehler bemerken und denken, dass sie sich nicht länger auf die Hilfe von Jesus, sondern auf die der Partei verlassen sollen", so Qi. Nach seiner Aussage seien mehr als 1.000 Poster von Xi ausgeteilt und aufgehängt wurden. "Viele arme Haushalte sind in Bedrängnis geraten, weil ein Familienmitglied krank wurde. Manche nahmen in den Glauben an Jesus Zuflucht, um ihre Krankheiten zu heilen", erklärte Qi weiter. "Aber wir haben versucht, ihnen beizubringen, dass Krankwerden eine physikalische Angelegenheit ist und dass die Menschen, die ihnen wirklich helfen können, die Kommunistische Partei und ihr Staatspräsident Xi ist."

Evangeliums-Sprüche abgerissen

Ein Einwohner berichtete der Zeitung jedoch, dass auch in seinem Dorf viele Christen in den letzten Monaten dazu aufgefordert worden seien, religiöse Gegenstände aus ihren Wohnungen zu entfernen. Dazu gehörten vor allem die roten Poster mit Segenssprüchen, die in China zur Neujahrfeier traditionell rechts und links neben die Eingangstür geklebt werden. Christen verwenden dazu oft Verse aus dem Evangelium und religiöse Zeichnungen. Diese seien alle abgerissen worden, viele davon nicht freiwillig, zitiert die Zeitung den Mann. "Sie haben alle ihren Glauben und wollten sie natürlich nicht abnehmen. Aber es gibt keinen Ausweg. Wenn sie es nicht getan hätten, hätten sie nicht ihren Anteil aus der Armenkasse bekommen."

Kampagnen-Verantwortlicher Qi streitet jedoch diese Bedingung für die Auszahlung der Unterstützung ab. Die Christen seien nur gebeten worden, die Poster im Zentrum ihrer Häuser abzunehmen, sie könnten sie unbescholten woanders aufhängen. "Was wir von ihnen verlangen, ist, dass sie nicht die Güte der Partei im Zentrum ihrer Wohnzimmer vergessen", sagte er der Zeitung nach. "Sie haben immer noch die Freiheit, religiös zu sein, aber in ihrer Seele sollten sie der Partei vertrauen."

Nicht nur in Yugan konkurriert die Partei mit dem Christentum um Einfluss. Die Regierung schränkt immer wieder die Religionsausübung ein: Unter anderem wurden in Ostchina Kreuze an Kirchen abgehängt und es verschwanden wiederholt katholische, romtreue Geistliche, wie der von Papst Franziskus ernannte Bischof von Wenzhou, Peter Shao Zhumin. Schätzungen des Hilfswerks Open Doors zufolge gibt es inzwischen etwa 97 Millionen Christen unter rund 1,37 Milliarden Chinesen – damit wären es mehr als die Mitglieder der KPCh (rund 90 Millionen).

Von Johanna Heckeley