Bundespräsident Joachim Gauck hält eine Rede.
Altbundespräsident moniert das Fehlen exakter Zahlen

Gauck: Christentum am stärksten verfolgte Religion

"Open Doors" spricht von über 200 Millionen verfolgten Christen weltweit. Andere Hilfswerke setzen deutlich niedriger an. Altbundespräsident Joachim Gauck kritisiert das Fehlen exakter Zahlen.

Hamburg - 23.11.2017

Altbundespräsident Joachim Gauck hat dazu aufgerufen, aufmerksamer zu registrieren, dass das Christentum weltweit die am stärksten verfolgte Religion sei. Er monierte, dass es darüber keine exakten Zahlen gebe. Das frühere Staatsoberhaupt betonte am Mittwochabend vor mehreren hundert Teilnehmern eines Gottesdienstes zum Buß- und Bettag in der Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg, die 1948 formulierten Menschenrechte seien "nicht verhandelbar" und sie beinhalteten sowohl das Recht, religiös als auch Atheist zu sein. Es gebe eine gemeinsame Verbindlichkeit von Glaubenden und nicht religiösen Menschen, die sie dazu befähige, dafür einzutreten, dass der "Mensch als Mitmensch gedacht" sei, sagte Gauck.

Der Gottesdienst zum Buß- und Bettag wird in St. Katharinen traditionell als Amnesty-Gottesdienst gefeiert. Vertreter der Gefangenenhilfsorganisation riefen dazu auf, sich für Verfolgte in der Türkei, China und Kasachstan mit Briefen einzusetzen.

Das überkonfessionelle christliche Hilfswerk "Open Doors" spricht in seinem Weltverfolgungsindex 2017 von rund 200 Millionen verfolgten Christen weltweit. In den vergangenen Jahren war stets die Zahl von 100 Millionen Menschen genannt worden. Andere Hilfswerke wie etwa das katholische "Missio" setzt die Zahl deutlich niedriger an. Sie werfen "Open Doors" vor, zu wenig zu differenzieren und auch dort von Christenverfolgung zu sprechen, wo nicht die Religion Auslöser von Begdrängung und Sanktionen ist. (bod/KNA)