Gegen die AfD ist "Laudato si" chancenlos
So begann die Vollversammlung der Bischöfe in Fulda

Gegen die AfD ist "Laudato si" chancenlos

Am Tag nach der Bundestagswahl wurde bei der Vollversammlung der deutschen Bischöfe besonders ein Thema diskutiert: der unerwartete Erfolg der AfD. Doch auch Kölns Kardinal Woelki sorgte für Gesprächsstoff.

Von Thomas Jansen |  Fulda - 25.09.2017

Kardinal Reinhard Marx versucht es erst gar nicht. Der Münchener Erzbischof ist Medienprofi genug, um zu wissen, dass er Journalisten einen Tag nach der Bundestagswahl mit einem zweistelligen AfD-Ergebnis nicht zuerst mit der Enzyklika "Laudato si" kommen kann. Die im Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät versammelte Presse interessiert sich an diesem Montag erwartungsgemäß nicht für die offizielle Tagesordnung der Herbstvollversammlung. Sie will von Marx vor allem eins wissen: Was sagen die deutschen Bischöfe zum Abschneiden der AfD?

Das Wort "AfD" kommt nicht über seine Lippen

Marx redet frei, hat sich seine Worte aber offenkundig vorher genau überlegt. Das Wort "AfD" kommt ihm in seinem zehnminütigen Eingangsstatement und auch später nicht über die Lippen, er spricht nur von "einer Partei". Und der will er nicht noch mehr Aufmerksamkeit verschaffen, als sie ohnehin schon hat. „Deutschland dreht sich nicht nur um eine Partei! Sechs Parteien sind im Bundestag vertreten; es geht nicht nur um den Blick auf eine Partei, sondern um den Blick auf Lösungen für Probleme", so der Münchner Kardinal. Marx bleibt damit seiner bisherigen Linie treu, die auch den gemeinsamen Wahlaufruf mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm prägte: Er vermeidet eine direkte und pauschale Verurteilung der rechtspopulistischen Partei. Stattdessen kritisiert er bestimmte Positionen und Haltungen ihrer Mitglieder. So ruft Marx allgemein zu einem "verbalen Abrüsten" in der Politik auf. Im Parlament dürfe und müsse gestritten werden, "allerdings immer im Dialog und mit Respekt vor dem Anderen" ohne eine "Sprache des Hasses und der Ausgrenzung". Auf die AfD angesprochen, warnte der Kardinal davor, die Welt mit Hilfe einer "Schwarz-weiß-Schablone" zu beurteilen.

Am traditionellen Versammlungsort der Bischöfe hat die rechtspopulistische Partei besonders gut abgeschnitten: Mehr als 16 Prozent erhielt die AfD im Landkreis Fulda, so viel wie sonst nirgendwo in Hessen.

Player wird geladen ...
Video: © katholisch.de

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat die Herbstvollversammlung der Bischöfe eröffnet. In seinem Statement spricht er über die Bundestagswahl, die Aufgabe der Kirche und das nun endende Reformationsjahr.

Marx sagt, die Bischöfe wollten sich nicht in die Tagespolitik einmischen, müssten aber ihre Stimme erheben, wenn es um Grundsätzliches gehe, wie den Umgang mit Fremden, Armen und den Schutz des Lebens.

Eindeutig in die Kategorie Tagespolitik fiel aus Marx Sicht offenbar die anschließende Frage eines Journalisten, wie er denn die Ankündigung der SPD sehe, auf jeden Fall in die Opposition gehen zu wollen. Er wäre in einem anderen Leben zwar selbst gerne Politiker geworden, aber: "Das ist eine Frage, die ein Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz nicht beantworten muss", so der Kardinal.

Wie steht es um die Interkommunion?

Eine Frage, auf die viele Gläubige eine Antwort von Marx erhoffen, ist die des wechselseitigen Empfangs von Eucharistie und Abendmahl für gemischtkonfessionelle Paare. Der Bischofskonferenzvorsitzende hatte das Thema im März zum Abschluss der diesjährigen Frühjahrsvollversammlung zur "dringenden pastoralen Aufgabe" für die Bischöfe erklärt. Es gebe noch kein Ergebnis, aber man sei auf einem guten Weg, so Marx damals. Vor diesem Hintergrund erregte ein Aufsatz des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki für die am Dienstag erscheinende Zeitschrift "Herder Korrespondenz" Aufsehen. Darin sagt Woelki klar, es sei derzeit noch zu früh für die Interkommunion. Beobachter in Fulda spekulierten daraufhin, ob diese Stellungnahme vom Chefredakteur der Zeitschrift gezielt lanciert wurde oder aber möglicherweise vom Kardinal selbst.

Linktipp: Woelki sieht keine Grundlage für Interkommunion

Kardinal Rainer Maria Woelki sieht in der Ökumene zahlreiche Baustellen. Auch der wechselseitige Empfang von Eucharistie und Abendmahl bei konfessionsverschiedenen Ehen kommt für ihn zu früh.

Marx sagte dazu, das Thema werde derzeit noch in den beiden zuständigen Kommissionen für Ökumene und Glaubensfragen der Bischofskonferenz behandelt. Es gebe unterschiedliche Positionen dazu. Ein Ergebnis stellte er für das kommende Frühjahr in Aussicht.

Nicht mehr ganz so euphorisch wie zu Beginn

Auf die gemischtkonfessionellen Paare folgte das gemeinsame Reformationsgedenken. Ob man da nicht sagen müsse, außer Spesen nichts gewesen, will ein Journalist von Marx wissen. Der Kardinal widerspricht dieser Einschätzung, auch wenn er nach Auffassung mancher Beobachter nicht mehr ganz so euphorisch klang, wie zu Beginn des Reformationsjahres. Man sei "ein Stück vorangekommen". Er sei sehr, sehr froh, dass jede polemische Spitze unterblieben ist", sagt Marx.

Nachdem der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz zwanzig Minuten über die Bundestagswahl, gemischtkonfessionelle Paare und das Reformationsgedenken gesprochen hat, wendet er sich schließlich an die beiden Herren zu seiner Linken und Rechten, den Sekretär der Bischofskonferenz Pater Hans Langendörfer und deren Pressesprecher Matthias Kopp. Ob sie noch etwas ergänzen wollten? "Laudato si" sagt Langendörfer beinahe im Flüsterton. "Ach ja", entfährt es Marx, auch der Umweltschutz gehöre zu den Anliegen, die Christen in die politische Debatte hineintrügen. Und dann spricht er doch noch kurz über den Studientag der deutschen Bischöfe zur Enzyklika des Papstes.

Von Thomas Jansen