Gegenmittel für Hoffnungslosigkeit
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Franziskus feiert ersten großen Gottesdienst auf asiatischem Boden

Gegenmittel für Hoffnungslosigkeit

Heute feierte Papst Franziskus im WM-Stadion von Daejeon seine erste große Messe in Südkorea und entwarf ein Profil für die Kirche des Landes.

Von Johannes Schidelko (KNA) |  Seoul - 15.08.2014

Vor 50.000 Teilnehmern entwarf er dabei das Profil einer Kirche in einer Hightech-Gesellschaft. Ausdrücklich warnte er vor unmenschlichen Wirtschaftsmodellen, die neue Formen der Armut schüfen, Arbeiter an den Rand drängten und die Menschenwürde verletzten. Der Appell des Papstes: Christen müssen zur geistigen Erneuerung in allen Gesellschaftsschichten beitragen. Das Evangelium müsse ein "Gegenmittel gegen den Geist der Hoffnungslosigkeit" in angeblichen Wohlstandsgesellschaften sein.

Mit dem Zug zur Messe

Wegen schlechter Sicht nahmen Franziskus und seine Begleitung für die 140 Kilometer lange Strecke von Seoul nach Daejeon nicht den Hubschrauber, sondern einen Zug - was nach Auskunft von Vatikansprecher Federico Lombardi von vornherein als Alternative vorgesehen war. Bei seiner Ankunft im Stadion - wo unter anderem Italien 2002 eine Niederlage gegen den angeblichen Fußballzwerg Südkorea einstecken musste - fuhr er im offenen Geländewagen durch eine begeisterte Menschenmenge, die ihn mit Sprechchören feierte.

Die Papstmesse in Daejeon fiel auf den südkoreanischen Nationalfeiertag. Am 15. August 1948 war - exakt drei Jahre nach dem Ende des Pazifischen Kriegs - im südlichen Teil der geteilten Halbinsel die Republik Korea gegründet worden. Der Papst erinnerte an diesen Anlass - zu dem jährlich die Erfolge des eigenen Staates gefeiert werden, zugleich aber auch der schmerzlichen Trennung des koreanischen Volkes gedacht wird. Und diese Trennung sitzt weiterhin tief, ist ein Trauma, zumal die bisherigen Einigungsbemühungen kaum weitergeführt haben - und die Menschen in den beiden Teilen sich immer weiter entfremden. Papst Franziskus will mit seiner ersten Asienreise und mit betont behutsamen Appellen einen neuen Anstoß zu Frieden und Versöhnung in der Region leisten.

Südkoreas neues Trauma "Sewol"

Hinzu kommt seit einigen Monaten in Südkorea auch noch ein anderes Trauma. Am 16. April kenterte vor der Küste im Gelben Meer das Fährschiff "Sewol". Mehr als 300 Menschen starben oder gelten als vermisst. Neben dem Verlust und dem Schmerz über die Opfer riss das Unglück tiefe Verwerfungen in der Gesellschaft auf und förderte einen Sumpf von Korruption, Fehlern, Versäumnissen und Vertuschung zutage. Bis heute zieren gelbe Schleifen als Symbol der Trauer einen zentralen Platz in Seoul, wo Angehörige und Überlebende demonstrieren und von der Regierung endlich Aufklärung über den Vorgang und Veränderungen fordern.

Eine Gruppe von "Sewol"-Überlebenden und von Angehörigen der Opfer war am Freitag auch bei der Messe in Daejeon dabei. Mit zehn von ihnen, alle in gelben T-Shirts, traf Franziskus vor der Messe in einem Nebenraum des Stadions zu einer persönlichen Begegnung zusammen. Zum Abschluss der Zeremonie betete Franziskus dann für alle, die beim Schiffsunglück ihr Leben verloren hatte wie für jene, die weiterhin durch diese "schwere nationale Katastrophe belastet sind". Er bat um Trost für die Trauer und um Schutz für alle, die damals großzügige Hilfe geleistet hätten. "Dieses tragische Ereignis, das alle Koreaner in Trauer zusammengeführt hat, stärke ihr Engagement, solidarisch für das Gemeinwohl zusammenzuarbeiten", so Franziskus.

Nach der Messe traf sich der Papst im Priesterseminar von Daejeon mit 20 Jugendlichen zum gemeinsamen Mittagessen. Es war sein erster Kontakt mit dem VI. Asiatischen Jugendtag, der den offiziellen Anlass für seine dritte Auslandsreise bildete. Am Nachmittag wollte Franziskus in das 50 Kilometer entfernte Solmoe weiterreisen. Dort stand ein erstes großes Treffen mit den 6.000 Teilnehmern des Jugendtages auf seinem Programm.

Programm der Papstreise nach Südkorea

Mittwoch, 13. August: 16.00 Uhr: Abflug vom Flughafen Rom-Fiumicino nach Seoul Donnerstag, 14. August: 10.30 (03.30) Uhr: Ankunft auf dem Luftwaffenstützpunkt von Seoul12.00 (05.00) Uhr: Private Heilige Messe in der Apostolischen Nuntiatur15.45 (08.45) Uhr: Begrüßungszeremonie im Garten des "Blue House" in SeoulHöflichkeitsbesuch bei der Präsidentin der Republik im "Blue House" in Seoul16.30 (09.30) Uhr: Begegnung mit den Autoritäten im Salon "Chungmu" des Präsidentensitzes "Blaues Haus" in Seoul. Ansprache des Papstes17.30 (10.00) Uhr: Begegnung mit den Bischöfen Koreas am Sitz der Koreanischen Bischofskonferenz. Ansprache des Papstes Freitag, 15. August: 08.45 (01.45) Uhr: Transfer im Hubschrauber nach Daejeon10.30 (03.30) Uhr: Messe zu Mariä Himmelfahrt im "World Cup"-Stadion von Daejeon. Predigt des Papstes. Angelus-Gebet13.30 (06.30) Uhr: Mittagessen mit Jugendlichen im Priesterseminar von Daejeon16.30 (09.30) Uhr: Transfer im Hubschrauber zum Heiligtum von Solmoe17.30 (10.30) Uhr: Begegnung mit Jugendlichen aus Asien am Heiligtum von Solmoe. Ansprache des Papstes19.15 (12.15) Uhr: Transfer im Hubschrauber nach Seoul Samstag, 16. August: 08.55 (01.55) Uhr: Besuch des Heiligtums der Märtyrer von Seo So mun10.00 (03.00) Uhr: Messe zur Seligsprechung von Paul Yun Ji-Chung und 123 weiteren Märtyrern am Tor von Gwanghwamun in Seoul15.30 (08.30) Uhr: Transfer im Hubschrauber nach Kkottongnae16.30 (09.30) Uhr: Besuch eines Therapie- und Erholungszentrums für Behinderte im "Haus der Hoffnung" in Kkottongnae17.15 (10.15) Uhr: Begegnung mit Vertretern der Religionsgemeinschaften im Trainingszentrum "Schule der Liebe" in Kkottongnae18.30 (11.30) Uhr: Begegnung mit Vertretern des Laien-Apostolats im "Zentrum der Spiritualität" in Kkottongnae. Ansprache des Papstes19.00 (12.00) Uhr: Transfer im Hubschrauber nach Seoul Sonntag, 17. August: 10.00 (03.00) Uhr: Transfer im Hubschrauber nach Haemi11.00 (04.00) Uhr: Begegnung mit den Bischöfen Asiens im Heiligtum von Haemi. Ansprache des Papstes13.00 (06.00) Uhr: Mittagessen mit den Bischöfen Asiens im Refektorium des Heiligtums von Haemi16.30 (09.30) Uhr: Abschlussmesse des VI. Asiatischen Jugendtags in der Burg von Haemi. Predigt des Papstes19.00 (12.00) Uhr: Transfer im Hubschrauber nach Seoul Montag, 18. August: 09.00 (02.00) Uhr: Begegnung mit religiösen Führungspersönlichkeiten im alten Palast des Ordinariats der Erzdiözese Seoul09.45 (02.45) Uhr: Messe für Frieden und Versöhnung in der Kathedrale von Myeong-dong in Seoul. Predigt des Papstes12.45 (05.45) Uhr: Abschiedszeremonie auf dem Luftwaffenstützpunkt Seoul13.00 (06.00) Uhr Abflug vom Luftwaffenstützpunkt Seoul nach Rom17.45 Uhr: Ankunft am Flughafen Rom-Ciampino Hinweis: Alle Angaben in der jeweiligen Ortszeit, in Klammern in Mitteleuropäischer Sommerzeit. (KNA)

Von Johannes Schidelko (KNA)