"Genau hinsehen und hinhören"
Bild: © KNA
Stephan Burger wird am Sonntag neuer Freiburger Erzbischof

"Genau hinsehen und hinhören"

Noch einmal will Stephan Burger innehalten, sich drei Tage lang im Kloster Beuron in Gebet und Meditation auf den Wendepunkt seines Lebens vorbereiten, "intensiv mit dem Herrn ins Gespräch kommen", wie er sagt. Ab Sonntag dann wird der 52-Jährige als Freiburger Erzbischof die Verantwortung für die katholische Kirche im Südwesten mit rund zwei Millionen Gläubigen übernehmen.

Freiburg - 25.06.2014

Zum Diözesanfest und zur Bischofsweihe im Münster werden Hunderte Gäste aus Politik, Gesellschaft und Kirche erwartet, darunter Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx.

Robert Zollitsch, der seit 2003 das Erzbistum leitete, wird seinem 23 Jahre jüngeren Nachfolger den Hirtenstab übergeben. Wie in der evangelischen Landeskirche in Baden, wo vor wenigen Tagen Jochen Cornelius-Bundschuh neuer Bischof wurde, ist damit auch im Erzbistum der Generationenwechsel da. Ohne Unterstützung der Menschen, sagt Burger, der bislang als Offizial das Freiburger Kirchengericht leitete, könne er das Amt nicht meistern. "Und nicht ohne Grundvertrauen, dass Gott mich trägt."

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Video: © Nicole Stroth

Der neue Freiburger Erzbischof richtet sich in einem ersten Video an die Gläubigen und bittet um ihr Gebet.

Zahlreiche Baustellen für den Neuen

Auf den neuen Erzbischof warten zahlreiche Baustellen. Zollitsch hatte in Baden und bundesweit den "Dialogprozess" zur Zukunft der Kirche angestoßen. Vor wenigen Tagen bündelte die Freiburger Diözesanversammlung noch einmal in mehr als 40 Einzelpunkten wichtige Reformfelder. Nur einige der Anliegen der Basis: mehr Gestaltungsmöglichkeiten für Frauen in der Kirche, neue Formen der Seelsorge und moderne Gottesdienste, mehr soziales Engagement für Menschen am Rand, intensiver auf Wissenschaft und Kultur zugehen. Eine sinkenden Katholiken- und Priesterzahlen geschuldete Strukturreform der Kirchengemeinden und Seelsorgeeinheiten ist in vollem Gange.

Burger hat angekündigt, sich in die Themenbereiche zunächst sorgfältig einarbeiten zu wollen. Er vermeidet, sich vorab zu positionieren. "Als Offizial habe ich gelernt, genau hinzuhören und hinzusehen. Es gilt zu differenzieren. Fertige und einfache Lösungen wird es selten geben können", so der künftige Erzbischof. Dabei sind die Erwartungen im traditionell liberalen Baden hoch. Auch beim Wunsch, dass der Kurs hin zu mehr Transparenz der Kirchenfinanzen fortgesetzt wird. Oder mit Blick auf den seelsorglichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen. Burgers Positionierung zu den neuen Freiburger Seelsorgerichtlinien, die in Einzelfällen Wiederverheirateten den Sakramentenempfang ermöglichen, wird genau beobachtet werden. Zuletzt hat er stets betont, wie wichtig ihm die weltkirchliche Einheit mit Rom ist.

Geboren in Freiburg wuchs Burger in Löffingen/Hochschwarzwald auf und wurde nach dem Studium der Philosophie und Theologie in Freiburg und München 1990 zum Priester geweiht. Auch sein Bruder ist Priester und leitet als Abt das Kloster Beuron. Nach dem Erwerb des Lizenziats in Kirchenrecht in Münster kam Burger 2002 zum Kirchengericht des Erzbistums. Seit September 2007 war er dessen Leiter. Kollegen beschreiben ihn als fachlich kompetenten und kommunikativen Experten.

Burger: Muss auch unangenehme Entscheidungen treffen

Außerhalb des kirchenjuristischen Feldes hat er sich indes bislang kaum öffentlich positioniert. "Ich habe nie verlangt oder gar erwartet, dass alle so denken müssen wie ich. Das sehe ich jetzt in meiner neuen Aufgabe als Erzbischof genauso", sagt er. Und weiß zugleich, dass "ich auch unangenehme Entscheidungen werde treffen müssen".

Dabei dürfe sich Kirche, davon ist der neue Erzbischof überzeugt, nicht auf Strukturdebatten beschränken, sondern sollte stärker die geistlichen und religiösen Kerninhalte in den Blick nehmen. "Glauben muss im Alltag gelebt werden, junge Menschen brauchen religiöse Vorbilder." Am Sonntag ist für Burger die Ruhe der klösterlichen Exerzitien vorbei.

Von Volker Hasenauer (KNA)