Generalvikar als Schlüsselfigur?
Kirchenrechtler: Ohne Franz Kaspar wäre diese Affäre nicht möglich gewesen

Generalvikar als Schlüsselfigur?

Dass Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nicht alleine für die Kostenexplosion des Diözesanen Zentrums in Limburg verantwortlich ist, scheint mittlerweile klar zu sein. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht Generalvikar Franz Josef Kaspar als Schlüsselfigur.

Bonn - 22.10.2013

Der Bischof habe Kaspar nicht nur zum Chef der kirchlichen Verwaltung, sondern auch zum "Beauftragten für den Bischofsbau" gemacht, sagte Schüller, der lange selbst im Bistum Limburg tätig war, der Koblenzer "Rhein-Zeitung". Der Generalvikar habe "direkt die Ausgaben des Bistums gesteuert" und auch die drei Mitglieder des Vermögensverwaltungsrates des Bischöflichen Stuhls persönlich ausgewählt. Ohne Kaspar, so Schüller weiter, wäre "in den letzten fünf Jahren diese Affäre nicht möglich geworden". Kaspar müsse sich seiner Verantwortung stellen, forderte der Kirchenrechtler.

Generalvikar Franz Josef Kaspar hatte schon das Vertrauen von Alt-Bischof Franz Kamphaus, der ihn 2006 zum stellvertretenden Generalvikar berief. Kaspar gilt durch seine jahrzehntelange Tätigkeit als Leiter des Katholischen Büros in Hessen als gut vernetzt. Auch in der "Flugmeilen-Affäre" des Bischofs spielte er eine tragende Rolle.

Nachfolger für Generalvikar Franz Kaspar bereits bekannt

Im Mai 2013 wurde Kaspar 75 Jahre alt und reichte, so wie es das Kirchenrecht vorsieht, seinen Rücktritt ein. Tebartz-van Elst bat ihn jedoch, seine Aufgabe als sein Generalvikar bis auf weiteres auszuüben. Anfang Oktober teilte der Bischof dann die Ernennung des Wiesbadener Stadtdekan Wolfgang Rösch als Kaspars Nachfolger ab dem 1. Januar 2014 mit.

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im Blickpunkt der Medien.

Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im Blickpunkt der Medien.

Neben der inhaltlichen Debatte sieht der Münchner Medienethiker Alexander Filipovic vor allem ein Kommunikationsproblem der katholischen Kirche in Deutschland. Diese brauche eine zentrale und abgestimmte Kommunikationsstrategie. "Die Medien reagieren darauf höchst verstört, dass es keinen Ansprechpartner gibt für die katholische Kirche in Deutschland, sondern dass es 27 gibt", sagte der neue Professor für Medienethik an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München am Dienstag.

Gleichzeitig mahnte Filipovic angesichts der aktuellen Debatten rund um Bischof Tebartz-van Elst zu Offenheit. "Transparenz ist ein sehr hohes Gut in der Mediengesellschaft. Das muss die Kirche erst einmal anerkennen und sich dann entsprechend verhalten." Auch dafür sei eine professionelle Kommunikationsstrategie nötig.

Heiner Geißler rät: von Limburg nach Afrika

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler könnte sich unterdessen einen Neuanfang für den Limburger Bischof in einem Entwicklungsland vorstellen. "Möglicherweise kann man dem Bischof empfehlen, dass er mal ein Bistum in Afrika übernimmt, wo er beweisen kann, dass er seine Glaubwürdigkeit wieder zurück bekommt, denn er ist ja und bleibt ja Bischof", sagte Geißler am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. "Deswegen wird der Papst, glaube ich, ihn nicht verdammen, sondern wird ihm eine neue Aufgabe geben."

Einen Verbleib im Bistum Limburg dagegen könne er sich nicht vorstellen, da der Bischof seine Glaubwürdigkeit verloren habe, sagte der ehemalige Jesuitenschüler Geißler: "Die muss er wiedergewinnen, aber die hat er nicht mehr. Und deswegen wird er im Bistum nicht mehr akzeptiert werden." Wenn Tebartz-van Elst dem Papst seinen Rücktritt anbieten würde, so Geißler, würde er sich wünschen, dass der Bischof zugleich anbieten würde, sich im Sinne des Evangeliums und der Nächstenliebe in den Dienst der Caritas zu stellen - entweder national oder international. (bod/KNA)