Genn und Sternberg verteidigen AfD-Teilnahme
Katholikentags-Veranstalter widersprechen Kritik

Genn und Sternberg verteidigen AfD-Teilnahme

Für die Entscheidung, einen AfD-Vertreter zum Katholikentag nach Münster einzuladen, hagelte es massive Kritik. Jetzt ergreift auch der gastgebende Bischof Felix Genn das Wort und verteidigt die Einladung.

Bonn/Münster - 26.04.2018

Die Veranstalter des Katholikentags in Münster haben die Teilnahme eines AfD-Politikers gegen die zum Teil heftige Kritik verteidigt. "Natürlich unterstütze und verstehe ich Forderungen nach einer sehr kritischen Haltung gegenüber der Partei", sagte der gastgebende Bischof Felix Genn im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Münster. "Aber als Demokraten sollten wir doch einem einzigen AfD-Vertreter die Möglichkeit geben, hier mit zu diskutieren."

Das Gespräch über das Verhältnis von Kirche und Staat finde mit kirchenpolitischen Sprechern aller Bundestagsfraktionen und damit "in einem eng gesteckten Rahmen" statt, sagte Genn. "Wäre die AfD nicht im Bundestag, sähe die Frage völlig anders aus." Ähnliche Äußerungen kamen vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das den Katholikentag vom 9. bis 13. Mai veranstaltet. Präsident Thomas Sternberg sagte im KNA-Interview, eine Ausladung "böte der Partei nur die Chance, sich als Märtyrer zu inszenieren".

Langer Frieden kann abstumpfen

Das Christentreffen unter dem Motto "Suche Frieden" kann laut Genn dazu beitragen, dass die Sensibilität für die Friedensthematik wächst. "Wir leben ja in einem Land, in dem es über 70 Jahre keinen Krieg mehr gab", so der Bischof. "Das kann abstumpfen." Nach den Worten von Sternberg geht es auch um gesellschaftlichen Frieden und Gerechtigkeit.

Bischof Felix Genn von Münster und ZdK-Präsident Thomas Sternberg bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Werbelinie des Katholikentags.

Bischof Felix Genn von Münster und ZdK-Präsident Thomas Sternberg bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Werbelinie des Katholikentags.

Trotz der Amokfahrt in Münster erwarten Genn und Sternberg ein unbeschwertes Treffen. "Ich verlasse mich auf das ausgefeilte Sicherheitskonzept", so Sternberg. Eine allerletzte Sicherheit könne es aber nicht geben, betonten der ZdK-Präsident und Bischof Genn.

Mehr als 40.000 Teilnehmer erwartet

Zu dem Christentreffen werden mehr als 40.000 Teilnehmer erwartet. Auf dem Programm stehen rund 1.000 Veranstaltungen, darunter etwa drei Dutzend "Große Podien" zu politischen und kirchlichen Themen. Ihr Kommen zugesagt haben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), Sozialminister Hubertus Heil (SPD) und weitere Kabinettsmitglieder sind dabei. Zu den internationalen Gästen gehört Kolumbiens Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos. Regisseur Wim Wenders zeigt seinen Film "Papst Franziskus - ein Mann seines Wortes", der am 14. Juni in die Kinos kommt.

300 Veranstaltungen widmen sich Kulturthemen. Gleich vier Museen präsentieren die Ausstellung "Frieden. Von der Antike bis heute". Breiten Raum nimmt auch wieder das religiöse Programm ein, darunter eine Wallfahrt mit Bischof Genn ins benachbarte Telgte. (KNA)