Felix Genn ist der Bischof von Münster.
Bischof fordert härtere Strafen bei sexuellem Missbrauch

Genn: Verjährungsfristen für Missbrauch abschaffen

Bei Missbrauch gehe es immer um Macht, meint Münsters Bischof Felix Genn. Deswegen müsse sich in der Kirche einiges ändern. Doch auch im staatlichen Recht gibt es aus seiner Sicht einiges zu tun.

Düsseldorf/Münster - 20.12.2018

Münsters Bischof Felix Genn fordert härtere Strafen für Missbrauchstäter. "Konkret brauchen wir aus meiner Sicht ein Ende der Verjährungsfristen", sagte er der "Rheinischen Post" (Donnerstag). "Das wäre ein zentrales Signal an die Opfer, und Tätern wäre klar, dass sie mit ihren Verbrechen nicht davon kommen werden."

Genn: Kirche kein Staat im Staat

Aus dem Fall des Anfang Dezember entpflichteten Pfarrers von Bedburg-Hau werde das Bistum eine Lehre ziehen: "Wir brauchen in solchen Fällen nicht nur eine Therapie, sondern auch ein wissenschaftlich fundiertes forensisches Gutachten." Ein solches werde für das Bistum nun immer die Grundlage für die Entscheidung sein, ob ein auffällig gewordener Priester wieder eingesetzt werde.

Der Pfarrer von Bedburg-Hau hatte bereits zuvor an zwei Orten Erwachsene sexuell bedrängt und daraufhin eine Therapie gemacht. Experten zufolge bestand kein erhöhtes Rückfallrisiko, sodass das Bistum ihn in Bedburg-Hau erneut einsetzte. Dort soll er nach einem Bericht der "Rheinischen Post" an zwei 19-Jährige und einen fast volljährigen Messdiener zahlreiche SMS-Nachrichten mit sexuellen Aufforderungen gesendet haben.

Die Kirche sei kein Staat im Staat und agiere nicht losgelöst von externer Aufsicht oder Begleitung, sagte der Bischof. "Im Bistum Münster leiten wir - wie es jetzt auch in Bedburg-Hau geschehen ist - jeden Verdachtsfall sexuellen Missbrauchs an die Staatsanwaltschaft weiter. Dort, und nicht in der Kirche, muss entschieden werden, wie weiter vorzugehen ist."

Präventionsmaßnahmen zum sexuellen Missbrauch müssten schon in der Priesterausbildung ansetzen, so Genn. Da geschehe aktuell schon sehr viel. "Ich würde niemanden zum Priester weihen, von dem ich den Eindruck habe oder über den mir die Verantwortlichen in der Priesterausbildung berichten, dass er sexuell unreif ist." Außerdem würden in allen Pfarreien gerade institutionelle Schutzkonzepte erarbeitet.

Genn: Priester aktuell unter Generalverdacht

Aktuell gebe es großes Misstrauen gegenüber Priestern. "Als Priester müssen wir und muss auch ich damit leben, dass wir derzeit bei vielen unter Generalverdacht stehen", so Genn. Das Bild, das viele Menschen von Priestern hätten, sei: "Die sind doch alle sexuell verklemmt, unreif und missbrauchen kleine Kinder." Der Bischof betonte: "Dem müssen wir uns stellen und durch Haltung und Handlung deutlich machen, dass man der überwältigenden Zahl von Priestern vertrauen kann."

Fälle von sexuellem Missbrauch werden nach Einschätzung von Genn Kirche und Gesellschaft immer weiter begleiten. Es gehe dabei immer auch um den Missbrauch von Macht: "Von daher, aber auch nicht nur deshalb, müssen wir die Macht in der Kirche neu verteilen - angefangen beim Bischof selbst und weiter innerhalb der und zwischen den kirchlichen Berufsgruppen, zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen, zwischen Frauen und Männern." (gho/dpa/KNA)

Linktipp: Was die Missbrauchsstudie aussagen kann – und was nicht

In fünf Tagen will die Deutsche Bischofskonferenz ihre große Missbrauchsstudie veröffentlichen. Der Forschungsansatz soll weltweit einzigartig und vielschichtig sein. Und dennoch wird eine Auswertung der Zahlen schwierig sein.