Ikonen der Heiligen Cassius, Florentinus und Heribert.
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Kirchenkunstkrimi in Düsseldorf

Geraubte Reliquie vor Versteigerung gerettet und zurückgegeben

Es war eine Rettungsaktion in allerletzter Minute: Kurz bevor die Gebeine des heiligen Mamas von Kappadokien unter den Hammer gekommen wären, zog man das Gebot zurück – denn das Reliquiar war gestohlen worden.

Düsseldorf - 15.05.2019

Ein vor einer Auktion bewahrtes Reliquiar mit den Gebeinen des heiligen Mamas von Kappadokien ist der orthodoxen Kirche auf Zypern zurückgegeben worden. Das Auktionshaus Hargesheimer hatte das Reliquienkästchen im April aus dem Verkauf genommen und selbst erworben, wie die Rheinische Post am Mittwoch berichtete. Gestern konnte es dann dem Gesandten der Metropolie von Morfou übergeben werden. "Wir wollen damit deutlich machen, dass wir nicht mit unrechtmäßig beschafften Objekten handeln", sagte die Geschäftsführerin des Hauses, Susanne Hargesheimer.

Eigentlich hätte das Reliquiar in Form eines Buches im April eine mittlere vierstellige Summe erbringen sollen. Nur fünf Minuten bevor das mit Ikonen verzierte Holzkästchen unter den Hammer gekommen wäre, erreichte Auktionatorin Hargesmeier die Nachricht der zypriotischen Kunsthistorikerin Maria Paphiti. Diese hatte in dem zum Verkauf stehenden Stück das Reliquiar des heiligen Mamas erkannt. Im Zuge der türkischen Besetzung des nördlichen Teils der Insel 1974 war es aus dem Kloster von Morfou entwendet worden.

Ein Ikonenexperte hatte bereits eine Expertise zu dem Stück angefertigt und sie an Interpol gesandt. Interpol, die auf den Diebstahl von Kunstgegenständen spezialisiert sind, leitete die Informationen ans Bundeskanzleramt weiter. Doch dort entschied man sich dagegen, die Auktion zu stoppen, "weil es keinen visuellen Beweis gibt – keine Fotografien des Kästchens, nur Beschreibungen von Augenzeugen", so Paphiti.

Im Rahmen des Kulturgutschutzgesetzes sei man verpflichtet, die Herkunft eines Kunstwerks bis ins Jahr 1996 zurückzuverfolgen, erklärte Susanne Hargesheimer. Das Reliquienkästchen hatte sich vermutlich seit den 70er oder 80er Jahren im Besitz eines deutschen Sammlers befunden, doch eindeutige Kaufbelege fehlten. Deshalb habe das Auktionshaus den Ausführungen Paphitis Glauben geschenkt und sich zu dem unkonventionellen Schritt entschieden.

Der Hirte Mamas (auch Mammas oder Mammet) soll der Legende nach im Jahre 275 das Martyrium in Caeserea in Kappadokien erlitten haben. Sein Grabmal soll sich im Kloster von Morfou befinden. Diese Stadt auf Zypern, die seit der türkischen Besetzung des Nordens der Insel Güzelyurt heißt, ist ein Zentrum der Verehrung des heiligen Mamas. Allein auf Zypern gibt es 60 ihm geweihte Kirchen, in Griechenland sind es weitere 30. Der Heilige wird zumeist als junger Hirte oder auf einem Löwen reitend dargestellt. Das Reliquiar von Morfou beherbergt neben einigen Gebeinen des heiligen Mamas auch noch die Überreste weiterer Heiliger. (cst)