Ein Schild mit der Aufschrift Weihnachtsmarkt auf Französisch vor dem Hafen von Marseille
Streit in Frankreich um Krippen in der Öffentlichkeit

Gericht von Marseille: "Gesegnete Krippen sind illegal"

Das öffentliche Aufstellen von Weihnachtskrippen ist in Frankreich seit Jahren ein Streitthema: Sind sie säkulare Kulturgüter oder haben sie religiösen Charakter? Das Verwaltungsgericht von Marseille hat nun über die Krippen in Rathäusern der Stadt geurteilt.

Marseille/Paris - 21.12.2018

Die Krippen in einigen Rathäusern von Marseille verstoßen laut dem Verwaltungsgericht der Stadt gegen das Laizitätsgesetz. Die Krippen des 2., 3., 13. und 14. Distrikts seien am Tag ihrer Einweihung durch einen Geistlichen gesegnet worden, berichtete der Radiosender France Bleu am Dienstag. Damit hätten die Bürgermeister beabsichtigt, "die Krippe in eine religiöse Tradition einzuschreiben" und verstießen deshalb gegen das Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat, urteilten die Richter.

2016 hatte der Staatsrat, das oberste Verwaltungsgericht Frankreichs, entschieden, dass Krippen unter Auflagen wieder an öffentlichen Orten aufgestellt werden dürfen. Wenn sie als Kunstwerke einem kulturellen oder festlichen Zweck dienen, sind sie erlaubt. Deshalb gibt es Krippen mit Josef, Maria und dem Jesuskind an öffentlichen Orten, manchmal sind sogar Engel dabei. Sie dürfen aber keine religiöse Präferenz zeigen oder religiös missionarischen Charakter haben: Kreuze fehlen also in diesen Darstellungen.

Deshalb könnten die Krippen in anderen Rathäusern, die im Gegensatz zu denen in den genannten vier Distrikten nicht gesegnet worden seien, stehen bleiben, teilte France Bleu mit. Denn ihre Installation sei in einem festlichen Rahmen erfolgt, der mit den Feierlichkeiten zum Jahresende verbunden und frei von religiösen Konnotationen gewesen sei.

Am 9. Dezember 1905 trat das sogenannte Laizitätsgesetz in Kraft. Es schreibt die Trennung von Kirche und französischem Staat fest. Artikel 28 des Gesetzes verbietet das Aufstellen oder Anbringen jeglicher religiöser Zeichen oder Symbole in öffentlichen Gebäuden oder auf öffentlichen Plätzen. Ausnahmen sind Kultgebäude wie Kirchen, Friedhöfe und Grabmonumente, sowie Ausstellungen und Museen. Das Gesetz gilt für alle Religionen in Frankreich. Die französische Regierung diskutiert aktuell eine Reform des Laizitätsgesetzes. (cst)