Ein koptisches Kreuz vor blauem Himmel.
Kardinal Marx nach dem Anschlag auf koptische Christen

Gewalt gegen Christen mit allen legitimen Mitteln stoppen

Mindestens 28 Menschen sind bei einem Attentat auf einen Bus mit koptischen Christen getötet worden. Kirchenvertreter sind fassungslos. Unter ihnen Kardinal Marx - er hat nun eine Forderung.

Bonn - 26.05.2017

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, zeigt sich tief erschüttert über den Anschlag auf koptische Christen in Ägypten. "Diese nicht enden wollende Gewalt gegen die christliche Minderheit macht fassungslos; sie muss mit allen legitimen Mitteln gestoppt werden", erklärte der Präsident der EU-Bischofskommission COMECE am Freitag in Bonn. Seine Gebete und Gedanken seien bei den Menschen, die ihr Leben verloren haben, bei den Verletzten und den Angehörigen. Marx sprach allen koptischen Christen und Papst Tawadros II., dem Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, sein tief empfundenes Mitgefühl aus. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch äußerte auf Facebook sein Entsetzen und rief zum Gebet mit den koptischen Christen auf.

"Ich bin erschüttert"

Bundespräsident Franz-Walter Steinmeier bekundete sein Beileid nach der Bluttat mit mindestens 28 Toten. "Ich bin erschüttert, dass zum wiederholten Male koptische Christen in Ägypten Opfer eines Anschlags wurden", sagt er. "Erneut möchte ich meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass sich alle Menschen in Ägypten gegen den Terror verbünden und die Religionsgruppen in Solidarität zusammenstehen."

Auch Kardinal Marx erinnerte an eine Vielzahl von Anschlägen, denen koptische Christen in Ägypten in den vergangenen Jahren zum Opfer gefallen seien. Erst im April wurden Bombenattentate auf zwei koptische Kirchen verübt. "Papst Franziskus hat mit seinem erst einen Monat zurückliegenden Besuch in Ägypten die christlich-islamischen Beziehungen gestärkt und den bedrängten Christen Mut zugesprochen", erinnerte Marx.

Die Worte des Papstes seien in vielen Teilen der Welt, auch unter den Muslimen, "als kraftvolles Zeichen für den Frieden verstanden worden". Christen und Muslime müssten nun gemeinsam alles dafür tun, dass unsere christlichen Schwestern und Brüder in Sicherheit und Frieden leben könnten. "Lasst uns gemeinsam einstehen für Zusammenhalt, Menschlichkeit, Frieden und Nächstenliebe und allen widerstehen, die Hass und Gewalt predigen!", appellierte Marx.

"Feiger Anschlag"

Papstbotschafter Erzbischof Bruno Muso sprach von einem "feigen Anschlag". Der Akt richte sich "gegen die Christen, gegen die Kirche und gegen alle Ägypter", sagte der Nuntius dem italienischen Pressedienst SIR (Freitag).

Ein Vertreter des koptisch-katholischen Patriarchats äußerte den Verdacht, das Attentat erfolge mit Absicht vor dem christlichen Pfingstfest und vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan. "Jetzt kehrt die Angst zurück - und mit ihr auch wieder die fest verschlossenen Kirchen", so der Sekretär des Patriarchats, Hani Bakhoum Kiroulos, zu SIR.

Ägyptische Medien berichteten unter Berufung auf das Innenministerium in Kairo am Freitagnachmittag von mindestens 28 Toten und ähnlich vielen Verletzten. Den Angaben zufolge war der Bus mit koptischen Christen unterwegs zum Samuel-Kloster im Gouvernement Al-Minja rund 250 Kilometer südlich von Kairo. Bewaffnete Männer seien in den Bus gestiegen und hätten auf die Passagiere geschossen, während sie die Szene filmten, sagte Kiroulos.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) erfuhr beim Deutschen Evangelischen Kirchentag während eines Gesprächs mit dem Großscheich der Al-Azhar-Universität in Kairo, Ahmad Al-Tayyeb, von dem Anschlag. "Wir sind erschüttert und sind uns absolut einig: Terrorismus im Namen der Religion ist Missbrauch der Religion. Jede terroristrische Tat ist eine abscheuliche Tat, die ich aufs Schärfste verurteile", zitierte das Innenministerium de Maiziere via Twitter. "Kein Ägypter sympathisiert mit solchen Taten, kein Christ, kein Muslim", meinte der Scheich.

Vorherige Attentate auf Kopten

Erst am Palmsonntag waren bei Anschlägen auf zwei koptische Kirchen in Alexandria und Tanta insgesamt 45 Menschen gestorben. Zuvor verübten im Dezember mutmaßliche Islamisten ein Attentat in der Kirche Sankt Peter und Paul in Kairo; dabei starben mehr als 20 Menschen, 35 wurden verletzt. (KNA)

26.05., 17:00 Uhr: Ergänzt um Statements Koch, Steinmeier, de Maiziere, Al-Tayyeb
26.05., 17:25Uhr: Opferzahl auf 28 aktualisiert