Aus Eisen wird ein Kreuz geformt.
In Emsbüren schmieden Väter Kreuze für die Erstkommunion

Glühende Glaubenssymbole

Sieht schon fast aus wie ein richtiges Kreuz!" Christian Kock wirft einen prüfenden Blick auf das rotglühende Stück Eisen, das er mit einer Zange in der Hand hält. Er dreht es hin und her, bevor er es wieder auf den Amboss legt. Einige weitere Schläge mit dem Schmiedehammer bringen das Metall seiner endgültigen Form Stück für Stück näher. "Gut gemacht", lobt Reinfried Diekmännken die Arbeit des 40-Jährigen.

Emsbüren - 07.04.2015

Erstkommunion-Vorbereitung ist meistens Frauensache: Als Tischmütter zum Beispiel sind sie in vielen Gemeinden eng in die Katechese eingebunden. Dass die Väter bei der Vorbereitung dieses Ereignisses ihrer Kinder nicht außen vor bleiben müssen, zeigt sich an diesem Abend in Emsbüren im Bistum Osnabrück: Dort schmieden die Männer die Kreuze, die ihre Kinder zur Kommunion bekommen, selbst. Im Jahr 2013 wurde die Aktion, die der damalige Emsbürener Pastor Thomas Burke vor gut fünf Jahren ins Leben gerufen hatte, bei der Vergabe des Bonifatiuspreises für missionarisches Handeln prämiert.

Insgesamt elf Männer haben sich in der Schmiede auf dem Emsbürener Heimathof getroffen, um mit den eigenen Händen etwas ganz Besonderes für die Erstkommunion ihrer Kinder zu schaffen. An den zwei Schmiedefeuern herrscht Hochbetrieb. Während an einer Seite ein Rohling zwischen den glühenden Kohlen liegt, bekommt im zweiten Feuer ein Kreuz, das fast schon fertig ist, noch einmal die passende Temperatur für die letzten Arbeitsgänge.

Christian Kock muss etwas warten. "Diese handfeste Idee passt einfach einhundertprozentig", freut er sich, während er das Kreuz für seinen siebenjährigen Sohn Moritz noch einmal betrachtet und sich dabei den Schweiß von der Stirn wischt: "So wird man auf eine Weise eingebunden, die weder die Väter noch die Kinder vergessen werden!" Kock bringt schon ein bisschen Erfahrung mit: Vor drei Jahren hat er auch das Kreuz für seinen heute zehnjährigen Sohn Jonas selbst geschmiedet.

Ein selbstgeschmiedetes Kreuz.

Ein selbstgeschmiedetes Kreuz.

Mit Feuereifer bei der Sache

Die leichte Skepsis, die im ein oder anderen Gesicht zu Beginn des Treffens am Heimathof vielleicht noch zu erkennen war, ist jetzt vollkommen verflogen: Alle sind im wahrsten Sinne des Wortes mit Feuereifer bei der Sache. Die Atmosphäre in der fast hundert Jahre alten Werkstatt mit ihren rußgeschwärzten Wänden, die Hitze, der Geruch - all das trägt dazu bei, in jedem den nötigen Ehrgeiz zu wecken. Das glühende Eisen wird bearbeitet, dass die Funken fliegen und der Schweiß zu fließen beginnt.

Natalie Giesen, Pastorale Mitarbeiterin im Kirchspiel Emsbüren, hatte die elf Männer vor einer knappen halben Stunde begrüßt und eine kurze Einführung gegeben. Dann hatte Reinfried Diekmännken die einzelnen Arbeitsschritte erläutert und vorgeführt: Das Erhitzen und Spalten des Rohlings, das eigentliche Schmieden, schließlich das Bearbeiten des noch heißen Kreuzes mit einer Bürste, um einen leichten Messingglanz zu erzeugen. Neben Diekmännken gehören Hermann Stein, Ewald Hülsing, Hermann Beck und Werner Kappenberg zu den Profis, die den Vätern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Alle fünf sind erfahren im Umgang mit Esse, Eisen, Amboss und Schmiedehammer: Als gelernte oder ambitionierte Hobby-Schmiede wissen sie genau, worauf es ankommt.

"Die optimale Schmiedetemperatur liegt bei rund 1.200 Grad", sagt Ewald Hülsing. Der Experte erkenne das an der Farbe: "Gelblich glühend ist optimal!" Die Flachstahl-Rohlinge im Format 20 mal 8 Millimeter, die verarbeitet werden, bestehen aus "Baustahl ST37", so die korrekte Bezeichnung. Hermann Stein: "Der lässt sich ziemlich leicht bearbeiten." "Bisher hat noch jeder ein ordentliches Kreuz zu Wege gebracht", fügt Hermann Beck hinzu. Rund 100 Erstkommunion-Kreuze werden jedes Jahr im Kirchspiel geschmiedet, erklärt Natalie Giesen, die sich über die durchweg positive Resonanz aus den Familien freut.

Ein Handwerker zeigt ein fertig geschmiedetes Kreuz.

Ein Handwerker zeigt ein fertig geschmiedetes Kreuz.

Auch Bischof Bode hat schon geschmiedet

Klaus Lüken nimmt das Kreuz, das er für seine Tochter Ava geschmiedet hat, noch einmal in die Hand und schaut es sich genau an: "Ich kann zwar ein bisschen mit Metall umgehen", sagt der Versicherungskaufmann und Landwirt, "aber die Aktion heute Abend ist schon etwas Außergewöhnliches!" Dann legt er das Kreuz vorsichtig zurück auf den runden Metalltisch: Da, wo vor einer guten Stunde noch die Rohlinge lagen, reihen sich nun die fertigen Kreuze aneinander. Der leichte Messingglanz lässt sie im Schein der langsam verlöschenden Schmiedefeuer sanft schimmern. Aus dem profanen Baustahl sind religiöse Symbole geworden. An jedem ist mit einem Stück Draht ein Namensschild aus hellblauer Pappe befestigt.

Die Männer haben sich die kalten Getränke, die es zum Abschluss des Abends gibt, redlich verdient. "Ruß, Kohlenstaub, Funkenflug und Hitze machen durstig", wissen die erfahrenen Schmiede vom Heimathof. Auch der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode war schon bei ihnen zu Gast. "Er hat bei einer Firmreise ebenfalls hier ein Kreuz geschmiedet, das heute in seinem Arbeitszimmer hängt", erinnern sich die fünf: "Und er hat sich dabei ziemlich geschickt angestellt!"

Natalie Giesen wird die Stahlkreuze später einsammeln und bis zum großen Tag aufbewahren. In der Dankandacht nach dem Erstkommuniongottesdienst werden die Väter die Kreuze ihren Kindern übergeben. Etwas von dem berechtigten Stolz, der heute Abend auf den Gesichtern der Männer liegt, wird wohl auch dann wieder zu sehen sein. Und nicht zuletzt die Kinder werden stolz auf ihre Väter sein.

Von Andreas Wiedenhaus