Gott meldet sich nun mal nicht über WhatsApp!
Ausgelegt: Schwester Veronica Krienen über das Sonntagsevangelium

Gott meldet sich nun mal nicht über WhatsApp!

Die Stimme Gottes hören? In der heutigen Zeit ist das gar nicht so einfach, meint Schwester Veronica Krienen. Dennoch verbinde uns etwas mit Johannes, den das Wort Gottes im heutigen Evangelium erreichte. Und so könnte das auch bei uns heute klappen.

Von Sr. Veronica Krienen OSB |  Bonn - 08.12.2018

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Impuls von Schwester Veronica Krienen

Hatten Sie schon einmal das Gefühl, dass Gott mit Ihnen spricht? Nein? Kein Wunder! Wie sollten wir uns das denn auch vorstellen: ein Anruf vielleicht, eine WhatsApp-Nachricht vom Account Gott, ein Tagtraum, in dem mir so ist, als hätte ich eine Stimme gehört, oder eher die schillernde Variante mit Licht und Donner und allem drum und dran… Ja klar, Gott hat gesprochen – damals; in der Heiligen Schrift können wir es nachlesen – aber heute, gar mit mir?

Wir aufgeklärten Menschen unserer Zeit haben es nicht so leicht, die Möglichkeit anzunehmen, dass Gott sich uns persönlich mitteilt. Die biblischen Gestalten gehen damit selbstverständlicher um. Das heutige Evangelium berichtet darüber, dass das Wort des Herrn Johannes erreicht. Ob der sich gewundert hat oder das selbstverständlich fand, wird nicht berichtet. Allerdings kam er aus einer Familie, die mit Gott auf Du und Du stand. Möglicherweise hat er von der Möglichkeit, dass Gott sich meldet, dass er Gebete erhört und ins Leben eingreift, von seinem Vater gehört, der hatte das auch schon mal erlebt.

Was uns heute mit Johannes verbindet, ist, dass er sicher in seine Heilige Schrift geschaut hat. Damit fängt ein lebendiges Gespräch mit Gott oft an. Da liest jemand mit geöffnetem und betendem Herzen in der Heiligen Schrift und findet sich auf einmal darin wieder, hat das sichere Gefühl, dass dieser oder jener Vers ihn meint.

Johannes hat möglicherweise bei Jesaja gelesen: Der Herr will ankommen, und es braucht Leute, die ihn ankündigen und für einen freien Weg sorgen, damit Gott bei den Menschen eine Landefläche hat. Johannes hat gemerkt – vielleicht beim Lesen –, dass ihm dieser Anruf gilt und er unmittelbar gemeint ist vom Wort Gottes.

Wenn Gottes Wort einen Menschen erreicht, dann setzt das etwas in Bewegung: Johannes zum Beispiel verändert seinen Standort und beginnt davon zu sprechen, wie das Wort vom geebneten Weg als Rede von der inneren Landschaft des Menschen zu verstehen ist. Wie wir die Widerstände und Stolperfallen frei räumen können, damit Gott bei uns ankommen kann.

Wie Johannes können wir das Wort Gottes wahrnehmen und ernst nehmen, wir können mit Gott in Kontakt kommen, ihn in unser Leben einlassen und in ein Gespräch mit ihm eintreten. Damit diese Heilszusage leicht und gleichsam barrierefrei von allen Menschen verstanden werden kann, ist Gottes Wort in Jesus Fleisch und Kind geworden. Halten wir es für möglich! Es ist Advent, Gott ist im Kommen und er will mit uns sprechen – vielleicht heute, vielleicht durch dieses Evangelium.

Von Sr. Veronica Krienen OSB

Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 3, 1-6)

Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und der Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias.

Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündete dort überall die Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden, wie im Buch der Reden des Propheten Jesaja geschrieben steht: Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!

Jede Schlucht soll aufgefüllt und jeder Berg und Hügel abgetragen werden. Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen.

Die Autorin

Sr. Veronica Krienen OSB lebt als Benediktinerin in Köln. Die Psychologin arbeitet im Edith-Stein-Exerzitienhaus und in der Ausbildung des Ordensnachwuchses.

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