Die Hände junger Menschen greifen nacheinander.
Bischöfe würdigen bayerisches Toleranzbündnis

"Große Vision unserer Gesellschaft"

Vertreter der beiden großen Kirchen haben das Bayerische Bündnis für Toleranz zu seinem zehnjährigen Bestehen gewürdigt. Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa ging besonders auf die Bedeutung von Toleranz ein - und warf einen Blick in die Geschichte.

Augsburg - 13.07.2015

"Was unsere jüdisch-christliche Tradition prägt, bekommt hier ein Gesicht", sagte Bedford-Strohm mit Blick auf das Wirken des Zusammenschlusses. Dass die Würde des Menschen im Zentrum stehe, sei die "große Vision unserer Gesellschaft". Zdarsa erläuterte, der Begriff der Toleranz sei in letzter Zeit in die Kritik geraten, "wenn man ihn auf die Bedeutung 'Duldung' engführt". Das Wort stehe aber auch für Großzügigkeit und Weitherzigkeit, fügte Zdarsa hinzu. Er erinnerte an Augsburg als Sinnbild einer frühen Aussöhnung der Christen. In der Stadt war 1555 der Augsburger Religionsfrieden geschlossen worden.

Zdarsa predigt im Augsburger Dom.
Bild: © KNA

Bischof Konrad Zdarsa erinnerte beim Festakt an Augsburg als Sinnbild einer frühen Aussöhnung der Christen. In der Stadt war 1555 der Augsburger Religionsfrieden geschlossen worden.

Das "Bündnis für Toleranz - Demokratie und Menschenwürde schützen" wurde am 14. Juli 2005 von Kirchen, der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, dem DGB und dem bayerischen Innenministerium gegründet. Ziel ist der Kampf gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Mitglieder sind heute 56 Organisationen und zahllose Einzelpersonen. Gefördert werden zahlreiche Projekte, etwa der "unfreiwilligste Spendenlauf Deutschlands", bei dem im November 2014 im fränkischen Wunsiedel ein rechtsradikaler Aufmarsch in eine Sammelaktion für ein Neonazi-Aussteigerprogramm umfunktioniert wurde.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, warb bei dem Festakt dafür, Muslime in die Arbeit des Bündnisses einzubeziehen. Es sei aber schwer herauszufinden, wer für sie spreche. Bisher gehört dem Zusammenschluss keine islamische Organisation an. "Wir stehen immer vor der Frage, wer unser Ansprechpartner ist", sagte die stellvertretende Leiterin des Katholischen Büros in Bayern, Bettina Nickel. Der Augsburger evangelische Regionalbischof Michael Grabow unterstrich, sehr viele Muslime seien "längst in unserer Gesellschaft angekommen". Es werde zu sehr auf jene geschaut, "die Probleme machen". (KNA)