Der Kölner Dom bei Nacht.
Katholisch.de beantwortet wichtige Fragen zur Wahl des neuen Kölner Erzbischofs

"Guter Seelenhirt" gesucht

Mit dem Abtritt von Kardinal Joachim Meisner ist im Erzbistum Köln eine Ära zu Ende gegangen. Stattdessen führt Generalvikar Stefan Heße als Diözesanadministrator nun kommissarisch Deutschlands größtes Bistum. Doch wie geht es danach weiter? Welche Regeln sieht das Kirchenrecht für die bischofslose Zeit vor? Und wie wird der Nachfolger für Kardinal Meisner gewählt? Katholisch.de beantwortet diese und weitere Fragen.

Bonn/Köln - 01.03.2014

Welche Rechte und Pflichten hat der Diözesanadministrator?

Der Diözesanadministrator muss dem Nuntius - dem ständigen Vertreter des Papstes in einem Land - einen "ausführlichen und sorgfältigen Bericht über den Stand und die Erfordernisse der Diözese" liefern. Der Administrator darf keine grundlegenden Entscheidungen treffen. Im Kirchenrecht gilt der Grundsatz: "Während der Bischofsstuhl leer ist, darf nichts verändert werden". Ansonsten hat der Diözesanadministratur die gleichen Rechte und Pflichten eines Diözesanbischofs.

Was passiert mit dem Generalvikar und sonstigen Gremien und Ämtern?

Der Generalvikar leitet die Verwaltung eines Bistums. Mit dem Eintritt der Sedisvakanz, also der Emeritierung des Bischofs, erlischt sein Amt. Er kann aber vom Diözesanadministrator zum Vertreter ernannt werden und sein Amt kommissarisch weiter wahrnehmen. Die Beratungsgremien des Bischofs wie der Priesterrat und der Diözesanpastoralrat hören dagegen auf zu bestehen. Ein neuer Bischof muss sie innerhalb eines Jahres neu bilden. Der Diözesanverwaltungsrat, der Kirchensteuerrat und viele andere Beratungsgremien bestehen während der Sedisvakanz weiter.

Meisner sitzt während eines Interviews an einem Tisch.
Bild: © KNA

Kardina Joachim Meisner

Bleiben die Weihbischöfe im Amt?

Die Weihbischöfe behalten alle ihre Vollmachten und Befugnisse bei.

Wer kann zum Bischof gewählt werden?

Gemäß den römischen Richtlinien für die Bischofsernennung gibt es viele Anforderungen an einen Bischof. Formal muss er mindestens 35 Jahre alt und seit mindestens fünf Jahren Priester sein. Außerdem sollte er Doktor der Theologie sein oder zumindest gleichwertig gebildet. Der Kandidat soll ein "guter Seelenhirt und Lehrer des Glaubens" sein, einen "untadeligen Lebenswandel führen", "urteilsfähig und klug" sein, "einen ausgeglichenen und festen Charakter besitzen" und "am rechten Glauben beharrlich festhalten". Außerdem muss er dem Papst und dem kirchlichen Lehramt "treu ergeben" sein und sich sehr gut in Dogmatik, Moraltheologie und Kirchenrecht auskennen. Er soll sich durch "Frömmigkeit, Opfergeist und pastoralen Eifer" auszeichnen und zum Führungsamt geeignet sein. Ferner soll er sozial eingestellt, gebildet, dialog- und kooperationsfähig sein.

Wie läuft die Wahl eines neuen Bischofs ab?

1. Das Domkapitel wählt einen Diözesanadministrator.

2. Der Nuntius fordert einen Bericht über die Lage im Bistum an, den der Diözesanadministrator erstellt.

3. Die Domherren (residierende und nicht-residierende Domkapitulare) bitten diverse Personen aus unterschiedlichen Bezügen um Vorschläge für das Bischofsamt.

4. Das Domkapitel stellt eine Kandidatenliste auf.

5. Über die Apostolische Nuntiatur wird die Kandidatenliste nach Rom gesendet. Der Nuntius holt im Auftrag des Papstes ausführliche und zuverlässige Informationen über die Kandidaten ein. Dazu werden anhand eines Fragebogens Personen befragt, die den Betreffenden gut kennen.

6. Nach dieser Untersuchung reicht der Nuntius die Vorschlagsliste im Päpstlichen Staatssekretariat ein. Er gibt dabei seine eigene Beurteilung weiter sowie die Empfehlungen anderer Bischöfe aus der jeweiligen Kirchenprovinz (im Fall des Erzbistums Köln sind dies die Bischöfe aus Aachen, Limburg, Münster, Trier und Essen). Laut einer Bestimmung des geltenden Konkordats haben außer dem Kölner Domkapitel auch die "Bischöfe Preußens" das Recht, dem Papst eine Kandidatenliste einzureichen.

7. Unter Berücksichtigung der Kandidatenliste schickt der Heilige Stuhl eine Wahlvorschlagsliste mit den Namen der Kandidaten nach Köln zurück. Der Papst ist bei diesen Vorschlägen nicht an die Kandidatenliste des Domkapitels gebunden. Er kann auch ganz andere Kandidaten vorschlagen, die er für geeigneter hält. Dann beruft der Dompropst das Domkapitel zur Bischofswahl ein. Dies muss innerhalb von drei Monaten nach dem Eintreffen der Wahlvorschläge geschehen. Ansonsten kann der Papst frei entscheiden.

8. Weil es in den Bestimmungen des Konkordates zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Preußen von 1929 heißt "Der Heilige Stuhl wird zum Erzbischof (...) niemand bestellen, von dem nicht das Kapitel nach der Wahl durch Anfrage bei der Preußischen Staatsregierung festgestellt hat, dass Bedenken politischer Art gegen ihn nicht bestehen" (Art. 6), gibt es eine Anfrage bei den Landesregierungen. Da zum Erzbistum Köln Gebiete in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz gehören, werden diese beiden Landesregierungen nach Bedenken befragt.

9. Sobald die Stellungnahmen der Landesregierungen vorliegen, kann das Domkapitel den Ernennungsvorschlag nach Rom weitergeben. Die Ernennung des vom Kapitel gewählten und damit benannten Erzbischofs ist dem Papst vorbehalten; sie erfolgt von Rom aus.

10. Der neue Erzbischof leistet vor der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin einen Treueeid ab. Dann "ergreift er Besitz von der Diözese", indem er dem Metropolitankapitel das Schreiben seiner Ernennung präsentiert. Üblicherweise wird der Amtsantritt des Bischofs in der Kathedralkirche, also im Kölner Dom, "mit Volk und Klerus" gefeiert.

Von Steffen Zimmermann