Habebamus papam
Heute vor einem Jahr trat Papst Benedikt XVI. zurück

Habebamus papam

"Danke und gute Nacht" - mit diesen Worten beendete Benedikt XVI. am 28. Februar 2013 sein Pontifikat. Unmittelbar zuvor hatte sich der 85-Jährige in Castel Gandolfo ein letztes Mal an die Öffentlichkeit gewandt und Abschied genommen.

Von Steffen Zimmermann |  Bonn - 28.02.2014

"Ihr wisst, dass sich mein heutiger Aufenthalt hier unterscheidet von den bisherigen: Ich bin nicht mehr Papst der katholischen Kirche, ab acht Uhr heute Abend bin ich es nicht mehr. Ich bin nur noch ein einfacher Pilger, der die letzte Etappe seiner Pilgerreise auf dieser Erde beginnt", sagte Benedikt unter dem frenetischen Jubel hunderter Gläubiger (siehe Video).

Hochemotionaler Abschied vom Amt

Der Auftritt in Castel Gandolfo war der Abschluss eines hochemotionalen Tages, der ganz im Zeichen des ersten Rücktritts eines Papstes seit dem Mittelalter gestanden hatte. Nachdem Benedikt XVI. seinen weltweit beachteten Entschluss zum Abschied vom Papstamt am 11. Februar angekündigt hatte, fand der eigentliche Rücktritt erst an diesem 28. Februar statt. Nach sieben Jahren, zehn Monaten und neun Tagen endete das Pontifikat von Benedikt XVI. und der Stuhl Petri wurde vakant.

Stichwort: Sedisvakanz

Als Sedisvakanz wird der Zeitraum bezeichnet, in dem das Amt des Papstes oder eines Bischofs durch den Tod oder den Rücktritt des bisherigen Amtsinhabers unbesetzt ist. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt "leerer Stuhl". Die Sedisvakanz endet mit der Wahl eines neuen Papstes beziehungsweise der Einführung eines neuen Bischofs.

Zuvor hatte das scheidende Kirchenoberhaupt an seinem letzten Tag im Amt noch einmal zahlreiche Termine absolviert. Um 11 Uhr war Benedikt XVI. mit den im Vatikan versammelten Kardinälen zusammengekommen. In der Capella Clementina dankte er den Purpurträgern für ihren Dienst und ihre Unterstützung. "Wie ich gestern vor Tausenden von Gläubigen gesagt habe, die den Petersplatz füllten, waren eure Nähe und euer Rat mir eine große Hilfe in meinem Amt", so Benedikt in seiner Ansprache.

Zugleich blickte das Kirchenoberhaupt auf sein Pontifikat zurück: "In diesen acht Jahren haben wir mit Glauben sehr schöne, strahlende Momente auf dem Weg der Kirche erlebt, verbunden mit Augenblicken, in denen sich einige Wolken am Himmel zusammenzogen." Den Kardinälen wünschte Benedikt für das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes alles Gute. "Möge der Herr euch zeigen, was sein Wille ist", sagte der Pontifex, der seinem Nachfolger bedingungslose Ehrerbietung und Gehorsam zusicherte. Anschließend verabschiedete sich Benedikt in einer persönlichen Zeremonie von den rund 100 anwesenden Kardinälen und kündigte an, ihnen weiterhin im Gebet nahe zu sein.

Versiegelt, zerstört, verschlossen

Der endgültige Abschied vom Kirchenstaat begann schließlich gegen 16.40 Uhr. Nachdem Benedikt XVI. seine Wohnung im Apostolischen Palast verlassen hatte, traf er im Damasus-Hof noch einmal auf seine engsten Mitarbeiter. Anschließend fuhr das Kirchenoberhaupt zum Hubschrauberlandeplatz des Vatikan, wo er einen Helikopter der italienischen Flugbereitschaft bestieg. Unter dem Applaus tausender Menschen auf dem Petersplatz hob die Maschine ab und flog nach Castel Gandolfo. Zeitgleich wurde auch die letzte Twitter-Botschaft von Benedikt publiziert. Darin hieß es: "Danke für eure Liebe und Unterstützung. Ich wünsche, dass ihr immer Freude dabei erfahrt, Christus in die Mitte eures Lebens zu stellen."

Um 20 Uhr ging das Pontifikat des deutschen Papstes schließlich offiziell zu Ende und die Sedisvakanz (siehe Stichwort) begann. Zu diesem Zeitpunkt wurden die päpstlichen Gemächer im Vatikan versiegelt, das Siegel des zurückgetretenen Kirchenoberhaupts zerstört und die große Holztür zur Sommerresidenz verschlossen.

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Video: © katholisch.de

Papst Benedikt XVI. ist am 28. Februar 2013 zurückgetreten. Katholisch.de blickt auf die wichtigsten Stationen seines Pontifikates zurück.

Heute, ein Jahr nach dem historischen Rücktritt, ist es ruhig geworden um Benedikt XVI. Die wenigen Nachrichten, die vom emeritierten Papst aus seinem Altersruhesitz im Kloster "Mater Ecclesiae" an die Öffentlichkeit dringen, zeichnen jedoch ein positives Bild: Nach Auskunft seines Privatsekretärs, Erzbischof Georg Gänswein, geht es dem 86-Jährigen seinem Alter entsprechend gut. "Er lebt mit sich im Frieden und ist Gott sei Dank wohlauf", sagte Gänswein kürzlich in einem Interview. Der Kurienerzbischof ist zudem überzeugt, dass der "mutige Akt" des Rücktritts fundamentale Folgen für das Papstamt haben wird: "Sicherlich wird die Unterscheidung von Amt und Person, von Amt und Amtsinhaber deutlicher zum Vorschein kommen".

Nebeneinander zweier Päpste

Anders als anfänglich befürchtet ist das Nebeneinander zweier Päpste im Vatikan kein Problem. Im Gegenteil: Franziskus und Benedikt scheinen ein herzliches und vertrauensvolles Verhältnis zu pflegen. Gelegentlich telefonieren die beiden, und ab und zu besucht der amtierende Pontifex sogar seinen emeritierten Vorgänger. Zuletzt nahm Benedikt XVI. Mitte Februar als Gast am ersten Konsistorium unter Franziskus teil - Diskussionen um einen möglichen Gegenpapst waren da trotz vereinzelter Debatten längst wiederlegt.

Von Steffen Zimmermann