Hanke bekennt Mitschuld im Umgang mit Missbrauchsfällen
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Eichstätter Bischof kritisiert Selbstfixierung der Kirche

Hanke bekennt Mitschuld im Umgang mit Missbrauchsfällen

Deutliche Worte von Gregor Maria Hanke: Der Eichstätter Bischof bekennt sich in einem jetzt veröffentlichten Text im Umgang mit den Missbrauchsfällen in der Kirche zu einer Mitschuld. Außerdem äußert sich der Oberhirte zum Finanzskandal in seinem Bistum und dem kirchlichen Boden, auf dem dieser entstehen konnte.

Berlin/Eichstätt - 29.04.2019

Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke hat sich im Umgang mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche zu einer Mitschuld bekannt. Die kirchliche Reaktion auf entsprechende Fälle in der Vergangenheit sei "sicher ein Beleg dafür, dass die Institution Kirche an der eigenen Selbstfixierung leidet", schreibt Hanke in einem Gastbeitrag für die Mai-Ausgabe der "Herder Korrespondenz". Es habe ein Bewusstsein dafür gefehlt, wie verheerend ein falscher Umgang mit Missbrauchstätern sein könne. "Ich spreche hier kein Schuldurteil über andere, ich schließe mich selber ein", so Hanke wörtlich.

Die Vertuschung der Missbrauchsfälle habe ihre Ursache in einem "geschlossenen Kreis", in dem Selbstkritik keinen Platz habe, betonte der Bischof. Und weiter: "Der Missbrauchstäter hat ein Leben zugrunde gerichtet. Haben wir das als Bischöfe gesehen? Nein, hier hat zu oft ein Inner-Circle-Denken geherrscht. Nach dem Motto: Junge, Du hast gesündigt, aber es wird schon wieder. Da kam das Opfer nicht vor."

"Der Finanzskandal hat mich wachgerüttelt..."

Weiter äußert sich Hanke in dem Beitrag auch zu dem Finanzskandal in seinem Bistum. Dieser habe ihn zu einem grundlegenden Nachdenken gebracht. "So ein Desaster fällt ja nicht vom Himmel. Das hängt auch nicht an einem oder zwei bösen Menschen, sondern braucht einen Boden, aus dem es wachsen kann. Der Finanzskandal hat mich wachgerüttelt, dass wir zu sehr in geschlossenen Systemen denken", schreibt der 64-Jährige.

Themenseite: Finanzaffäre im Bistum Eichstätt

Ein Schaden von bis zu 60 Millionen Euro durch ungesicherte Kredite auf dem US-Immobilienmarkt: Das Bistum Eichstätt hat im Februar 2018 eine Finanzaffäre öffentlich gemacht. Die Themenseite fasst die Berichterstattung von katholisch.de zusammen.

Anfang Februar vergangenen Jahres hatte Hankes Bistum öffentlich gemacht, dass es von einem Finanzskandal erschüttert wird, durch den ein Schaden von bis zu 50 Millionen Euro entstanden sein könnte. Als Hauptbeschuldigte gelten bisher ein früherer stellvertretender Bischöflicher Finanzdirektor und ein Geschäftspartner in den USA. Beide sollen von 2014 bis 2016 ungesicherte Darlehen für Immobilienprojekte in den Vereinigten Staaten eingefädelt haben, deren Rückzahlung zum größten Teil aussteht. Die beiden Verdächtigen waren im Juli 2017 vom Eichstätter Bischof angezeigt worden und saßen 2018 mehr als drei Monate in Untersuchungshaft. Die Vorwürfe lauten auf Untreue, Bestechlichkeit und Bestechung. Vor wenigen Wochen hatte eine vom Bistum beauftragte Anwaltskanzlei zudem dem Eichstätter Domkapitel eine maßgebliche Mitverantwortung für den Finanzskandal zugewiesen.

Plädoyer für mehr Heterogenität in den Strukturen der Kirche

Als Konsequenz aus dem Finanzskandal plädiert Hanke nun für mehr Heterogenität in den Strukturen der Kirche. So dürften bei der Besetzung von Stellen in der kirchlichen Verwaltung ausschließlich Kompetenz und Sachverstand ausschlaggebend sein. "Der Blick von außen muss viel mehr Bestandteil der inneren Ordnung der Kirche sein", so der Bischof. Gerade im Finanzbereich brauche es endlich Offenheit und Transparenz. "Wenn ich mir überlege, wie früher das Rücklagevermögen verwaltet wurde. Das wurde gehütet wie das Drachengold, niemand durfte was ahnen, geschweige denn was wissen. Ich halte das aus heutiger Sicht für völlig falsch", schreibt Hanke.

In diesem Zusammenhang spricht sich der Oberhirte auch für mehr Frauen in der kirchlichen Verwaltung aus. Er sei davon überzeugt, dass Frauen zu einer Klimaveränderung beitragen könnten. "Wir können viele Frauen in leitende Funktionen bringen – ohne dass das sakramentale Dienstamt berührt ist", so Hanke. Konkret wünsche er sich eine Frau im Amt einer Ordinariatsdirektorin, die den Generalvikar von Verwaltungsaufgaben entlaste. (stz)