Heiße Eisen
Auf seiner Nahost-Reise Ende Mai warten auf Franziskus einige Herausforderungen

Heiße Eisen

Seit die Päpste der Neuzeit reisen, gelten Besuche im Heiligen Land als Höhepunkt und Pflichttermin zugleich. Vom 24. bis 26. Mai folgt Papst Franziskus fast der gleichen Route wie seine Vorgänger.

Vatikanstadt - 14.05.2014

In drei Tagen besucht das Kirchenoberhaupt drei Länder in einer der politisch brisantesten und religiös schwierigsten Regionen der Welt. Für Franziskus steht freilich nicht der Nahost-Konflikt im Vordergrund, sondern die Zukunft der Kirchen und die Ökumene.

Der Mann aus Argentinien will mit seiner zweiten Auslandsreise an den ersten Papstbesuch der Moderne anknüpfen: Vor 50 Jahren traf Paul VI. in Jerusalem mit dem orthodoxen Patriarchen Athenagoras zu einem sensationellen Kirchengipfel zusammen und leitete den Dialog zwischen den seit 1054 getrennten Kirchen ein. Zum 50. Jahrestag wollen Franziskus (77) und Patriarch Bartholomaios I. (74) den inzwischen erlahmten ökumenischen Schwung neu beleben.

Auch Politisches steht auf dem Programm

Dreimal treffen die beiden Kirchenführer in diesen Tagen zusammen, so sieht es das Protokoll vor: Bei einer privaten Begegnung unterzeichnen sie eine gemeinsame Erklärung - an gleicher Stelle wie vor 50 Jahren ihre Vorgänger. Die anschließende ökumenische Begegnung in der Grabeskirche bildet den geistlichen Höhepunkt der Papstreise. Kurz vor der Abreise kommt Franziskus zu einem Gegenbesuch in eine orthodoxe Kirche auf dem Ölberg.

Natürlich wird sich ein Papstbesuch in Nahost nicht auf geistliche Anliegen beschränken. In Amman will Franziskus mit König Abdullah II. über die Konflikte der Region sprechen. Vor politischen und religiösen Autoritäten des Landes dürfte der christlich-islamische Dialog zur Sprache kommen, in dem das Königshaus seit den Irritationen über die Regensburger Rede Benedikts XVI. 2006 eine vermittelnde Rolle spielt. Den Pilgerbesuch an der Taufstelle Jesu am Jordanufer nutzt Franziskus dann auch zu einem Treffen mit Kriegsflüchtlingen - und lenkt so den Blick über die Grenzen nach Syrien, den Irak und den Libanon.

Diplomatische Reiserouten

Ein Novum für die vatikanische Diplomatie stellt anschließend die Programmgestaltung in Bethlehem dar. Das offizielle Programm spricht vom "Staat Palästina". Um Komplikationen zu vermeiden, fliegt Franziskus im Hubschrauber von Amman nach Bethlehem. Das erspart ihm ein Überqueren der umstrittenen Waffenstillstandslinie an der Jordanbrücke. In Bethlehem feiert Franziskus eine Messe auf dem Krippenplatz und besucht die Geburtsgrotte Jesu. Er isst mit palästinensischen Familien zu Mittag; danach trifft er sich in einem Flüchtlingslager mit Kindern. Per Hubschrauber geht es dann zur israelischen Begrüßungszeremonie auf den Flughafen Tel Aviv - womit er eine Fahrt durch den Checkpoint und die Mauer am Rahel-Grab zwischen Bethlehem und Jerusalem vermeidet.

Papst Franziskus segnet die Gläubigen bei der Generalaudienz.

Der dritte Besuchstag gilt muslimischen und jüdischen Stätten und Persönlichkeiten in Jerusalem: Treffen mit dem Großmufti vor dem Felsendom auf dem Tempelberg, Gang zur Klagemauer , Treffen mit den beiden Oberrabbinern, und natürlich ein Besuch der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem. Wie in Amman und Bethlehem trifft Franziskus in Israel auch die politisch Verantwortlichen: Staatspräsident Schimon Peres und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu . Vermutlich wird der Papst mit Nachdruck für eine Fortsetzung des Friedensprozesses werben.

Knapper Zeitrahmen

Die Katholiken Jerusalems trifft Franziskus erst vor seiner Abreise, und auch nur die Bischöfe und Priester. Einen frei zugänglichen Gottesdienst wie 2009 mit Benedikt XVI. gibt es nicht. Stattdessen feiert der Papst eine Messe im kleinsten Kreis im Abendmahlsaal. Dem knappen Zeitrahmen - seine beiden Vorgänger hatten im Heiligen Land doppelt soviel Zeit - fällt auch eine Reise zu den Christen Galiläas zum Opfer, nach Nazareth oder an den See Genezareth.

Franziskus hat seinen Heilig-Land-Besuch auf die unbedingt notwendigen Programmpunkte beschränkt. Man muss abwarten, ob der charismatische Papst auch im verminten diplomatischen Geflecht des Nahen Ostens mit seinen Gesten überzeugt und die richtigen Worte wählt: an die Adresse der Staatsmänner und Politiker für einen dauerhaften und gerechten Frieden, an Muslime und Juden zum interreligiösen Dialog und an die Christen zur Ökumene und zu ihrer mitunter schwierigen Situation als Minderheit.

Von Johannes Schidelko (KNA)