Der Main fließt vor dem Frankfurter Kaiserdom.
Reliquie wieder am alten Platz im Frankfurter Kaiserdom

Heilige Hedwig jetzt hinter Schloss und Riegel

Verehrer der heiligen Hedwig aufgepasst: Eine neue Reliquie der Patronin der Heimatvertriebenen ist an den alten Platz im Frankfurter Kaiserdom zurückgekehrt – zwei Jahre nach einem mysteriösen Diebstahl.

Frankfurt - 17.04.2018

Zwei Jahre, nachdem Unbekannte eine Reliquie der heiligen Hedwig aus dem Frankfurter Kaiserdom St. Bartholomäus gestohlen haben, kann die Patronin der Heimatvertriebenen jetzt wieder an ihrem angestammten Platz verehrt werden. Eine neue Knochenreliquie der Heiligen sei in eine Ikone gefasst und in die Seitenkapelle des Kaiserdoms zurückgebracht worden, teilte das Bistum Limburg am Montag mit. Die Reliquie befinde sich nun "gewissermaßen hinter Schloss und Riegel" und sei "mit ausgeklügelter Sicherheitstechnik" versehen worden.

Im April 2016 war die ursprüngliche Reliquie – ein Teil des Schädels der Heiligen, eingefasst in einer Monstranz – aus dem Dom gestohlen worden. Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz reagierte damals mit Betroffenheit: "Die Reliquie hat für die Gläubigen einen großen immateriellen Wert. Ein solcher Diebstahl ist unfassbar." Der Polizei sei es in der Folge nicht gelungen, die Reliquie wiederzubeschaffen, und auch Appelle an die Täter zur Rückgabe hätten nicht gefruchtet, hieß es in der Mitteilung weiter. Daraufhin habe zu Eltz Kontakt zum Erzbistum Breslau aufgenommen und um einen Knochensplitter der Heiligen gebeten. Dieser Bitte sei der Breslauer Erzbischof Józef Piotr Kupny im Oktober 2016 nachgekommen.

Stadtdekan holte Reliquie aus Polen

Zu Eltz persönlich holte den neuen Knochensplitter anschließend aus dem schlesischen Trebnitz – der letzten Ruhestätte Hedwigs nördlich von Breslau – nach Frankfurt, wo die Reliquie zunächst provisorisch wieder an die alte Stelle kam. Die heilige Hedwig (1174-1243) war Herzogin von Schlesien und wird in Deutschland und Polen gleichermaßen als Patronin der Heimatvertriebenen verehrt.

Die Frankfurter "Eichendorffgilde", das Heimatwerk schlesischer Katholiken, hatte das ursprüngliche Schädelfragment dem Kaiserdom 1975 in Obhut gegeben. 2014 wurde die Reliquie dem Bistum Görlitz geschenkt, kam aber als Dauerleihgabe umgehend wieder nach Frankfurt. Dort erhielt sie einen Platz in der Seitenkapelle am Eingang zur Wahlkapelle der römisch-deutschen Kaiser im südlichen Querschiff des Doms.

Der materielle Wert des gestohlenen Reliquiengefäßes, das 1955 von einem Goldschmied in Fulda gefertigt worden war, galt laut der Diözese als relativ gering. Entscheidend sei bei einer solchen Reliquie vielmehr die Bedeutung für die Gläubigen, die damit die körperliche Anwesenheit der Heiligen wahrnehmen würden, betonte zu Eltz. Vor allem in Zeiten, in denen das deutsch-polnische Verhältnis "nicht ganz einfach" sei, sei eine Heilige, die in beiden Ländern verehrt werde, von unschätzbarem Wert. (tmg)