Heiner Wilmer, der ernannte Bischof von Hildesheim
Ernannter Hildesheimer Bischof spricht über seinen kommenden Dienst

Heiner Wilmer: Brauchen einen neuen Missionsgeist

Noch knapp zwei Monate bis Heiner Wilmer Bischof von Hildesheim wird. Jetzt verrät er neue Details über seine künftige Tätigkeit und gibt auch zu Protokoll, dass er eigentlich kein Single ist.

Rom/Bonn - 11.07.2018

Der ernannte Bischof von Hildesheim, Heiner Wilmer, hat sich für einen neuen Missionsgeist in Europa ausgesprochen. "Es kann nicht sein, dass wir einfach so weitermachen wie bisher nach dem Motto, der Heilige Geist wird's schon richten", sagte Wilmer im Interview mit Vatican News (Dienstag). Er glaube zwar stark an das Wirken des Heiligen Geistes, aber dieser "braucht auch die menschliche Natur, er braucht unseren Willen, unsere Kreativität". Die Kirche müsse darüber nachdenken, wie sie den Glauben "neu vorschlagen" könne. Diesen Missionsgeist, den er sich als Ordensoberer bei Reisen um die ganze Welt angeeignet habe, wolle er auch mit ins Bistum Hildesheim nehmen, so der designierte Oberhirte.

Wilmer lebte in den vergangenen drei Jahren als Ordensoberer der Herz-Jesu-Priester in Rom. Er freue sich nun auf seine Rückkehr nach Deutschland, da er die deutsche Kirche für eine besonders spannende Ortskirche halte, sagte er. Als Ursprungsland der Reformation habe es Deutschland zu einer großen "Nachdenklichkeit in den jeweiligen Konfessionen" gebracht, die in einen fruchtbaren Wettbewerb miteinander träten. "Ich finde, dass dieses Gegenüber, das Miteinander, dieses Zusammen uns guttut. Im Dialog wird die Wahrheit gefunden", so Wilmer.

Wie er Bischof sein solle, das wolle er sich insbesondere von der Jugend sagen lassen, betonte der ernannte Oberhirte. Die Jugendlichen seien unverstellt und kreativ, würden auch unangenehme Fragen stellen. Sie sollen ihm mitteilen, "wie Bischof geht, was sie vom Bischof erwarten, was ich tun soll", sagte er. Wilmer, der lange Jahre als Lehrer wirkte, fügte hinzu, dass man nur dann ein guter Lehrer sei, wenn man Schüler und Lernender bleibe. "So verstehe ich auch meinen Bischofsdienst: dass ich viel öfter und länger hinhören sollte, als ich spreche und lehre." Wilmer hatte bereits im Mai angekündigt, noch vor seiner Bischofsweihe auf Wallfahrt mit Jugendlichen aus seiner neuen Diözese zu gehen.

"Bin überhaupt kein Single"

Zudem nahm er Stellung zu möglichen Veränderungen in seinem Bistum.  "Natürlich kann ich mir vorstellen, dass Dinge verändert werden müssen", so Wilmer. Kirche, Glaube, Religion könnten sehr unterschiedlich gelebt werden, auch abseits der bisher bekannten Strukturen. Jedoch könnten Veränderungen nur gemeinsam angegangen werden, nie als Alleinentscheidung. "Ich bin jemand, der […] mit anderen spricht und zuhört, nachfragt: Wie sehen Sie das, wie könnten wir hier weiterkommen?" Die Arbeit im Team sei ihm besonders wichtig, betonte Wilmer, was ihn nicht zuletzt seine Zeit als Ordensoberer gelehrt habe.

Der ernannte Bischof gab schließlich auch Details darüber bekannt, wie er in Hildesheim wohnen wird. "Ich habe mir das Bischofshaus angeschaut und hatte – offen gesagt – schon ein bisschen Sorge, wie das sein könnte, wenn ich da allein wohnen würde, weil ich überhaupt kein Single bin", so Wilmer. Er sei daher glücklich, sich das Bischofshaus mit einer Gemeinschaft von vier Kanisianerbrüdern, die aus dem Münsterland und dem Rheinland stammen, teilen zu können. Auf das gemeinsame Leben und Beten freue er sich, sagte Wilmer.

Heiner Wilmer war am 6. April von Papst Franziskus zum neuen Bischof von Hildesheim ernannt worden. Der 57-Jährige stammt aus Schapen im Emsland, hat im In- und Ausland als Pädagoge gewirkt und war zuletzt Generaloberer des Ordens der Dehonianer, die auch als Herz-Jesu-Priester bekannt sind. Wilmer wird der Nachfolger von Bischof Norbert Trelle (75), der im vergangenen September in den Ruhestand getreten war. Die Bischofsweihe und Amtseinführung sollen am 1. September stattfinden. (tmg)