Held oder Biedermann?
Ausstellung setzt Reformator Luther neu in Szene

Held oder Biedermann?

Ein Kleinbürger war er wohl nicht. Das Leben des Reformators Martin Luther bietet einer neuen Ausstellung in Wittenberg reichlich Stoff - für wahre Geschichten, Legenden und Mythen.

Von Petra Buch (dpa) |  Wittenberg - 27.08.2016

Ob als großes Kino, Gemälde oder Comic-Serie: Unter dem Motto "Martin Luther. Sein Leben in Bildern" setzt eine Ausstellung in Wittenberg die Biografie des Reformators anhand von 260 Bildern und Objekten aus dem 16. bis 21. Jahrhundert in Szene.

Dazu gehören Arbeiten bedeutender Künstler wie Ernst Barlach, Lovis Corinth und Adolf von Menzel. Neueste Handzeichnungen der Abrafaxe-Comic-Serie mit Luther als Held sowie 3-D-Bilder und Ausschnitte aus 30 Filmen - vom Stummfilmklassiker bis zum preisgekrönten Kinofilm - sind ebenfalls zu sehen.   

Zentrale Themen der Schau auf rund 500 Quadratmetern sind Luthers überlieferter Thesenanschlag an die Schlosskirche am 31. Oktober 1517, der Auftritt vor dem Reichstag in Worms am 17. April 1521 und sein Leben als Vater von sechs Kindern in der Ehe mit der Ex-Nonne Katharina von Bora.

"Stoff für eigene Bilder, Legenden und Mythen"

Bei Luthers ging es lebhaft zu: Bis zu 40 Personen sollen täglich am Tisch der Familie in Wittenberg gesessen, diskutiert und getafelt haben. Schicksalsschläge gab es im Leben der Luthers aber auch, etwa der frühe Tod der Tochter Magdalena. 

Martin-Luther-Denkmal in Erfurt. Um solche Porträts geht es in der Ausstellung "Martin Luther. Sein Leben in Bildern" nicht. Gezeigt werden Szenen wie der Thesenanschlag oder Luther beim Musizieren mit seinen Kindern.

"Die Schau vermittelt eindrucksvoll, dass Luthers Leben zu jeder Zeit Stoff für eigene Bilder, Legenden und Mythen bot", sagte der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten Stefan Rhein am Donnerstag. "Wir zeigen hier erstmals unbekannte Schätze aus unserer Sammlung", verrät er mit Blick auf die umfangreichen Bestände der Lutherstätten in Sachsen-Anhalt. "Das Besondere an der Schau ist, dass wir nicht das einzelne Porträt von Luther in den Mittelpunkt stellen, sondern Situationen und Begebenheiten aus seinem Leben", sagte Rhein.

Lebendige Legenden führen zu vielfältigen Bildern

Dazu gehört, dass er seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel der Kirche - sich von Sünden freikaufen zu können - mit einem Hammer und einem ganzen Korb an Nägeln an die Schlosskirche geschlagen haben soll. Das Ereignis gilt als Beginn der weltweiten Reformation der Kirche, in deren Folge die evangelische Kirche entstand. Kritiker sehen in der Reformationsbewegung bis heute eine Spaltung der Kirche. Die Wittenberger Ausstellung ist zugleich Teil der Vorbereitungen zum Reformationsgedenken 2017 - wenn sich zum 500. Mal der Thesenanschlag jährt.

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Das Reformationsgedenken 2017 ist ein Thema für Katholiken, sagt die Deutsche Bischofskonferenz. Jetzt hat sie dazu eine Arbeitshilfe vorgelegt. Der Paderborner Theologe Wolfgang Thönissen erklärt, worum es geht.

Der Luther nachgesagte Satz "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" zähle bis heute zu den lebendigen Legenden, sagte Kuratorin Jutta Strehle beim Rundgang durch die Schau. Die Reflexionen auf Luthers Leben in Bildern reichten vom unerschütterlichen Helden, braven Zeitgenossen in der Biedermeierzeit bis zum verzweifelten Mann, erklärte Strehle. Sie hat zusammen mit der Kuratorin Nadine Willing-Stritzke die Schau zusammengestellt.

Auch ein Luther-Bild des Historienmalers Arthur Kampf wurde als Teil einer Bilderwand aufgehängt. Er galt als gefeierter Maler des NS-Regimes. Die Ausstellung wurde am Samstag eröffnet und ist bis zum 29. Januar zu sehen.

Von Petra Buch (dpa)