Hoffnungs(w)ort Familie
Theologe Jochen Sautermeister über die Bedeutung der Familie

Hoffnungs(w)ort Familie

Vom 20. bis 27. September veranstaltet der Katholische Medienverband die Familien-Themenwoche "Liebe leben". Zum Auftakt beschreibt der Theologe Jochen Sautermeister die Bedeutung der Familie aus christlicher Sicht.

Von Jochen Sautermeister |  München - 20.09.2015

Familie ist der Ort, wo die Hoffnung sichtbar wird, dass es wert ist, zu leben und Leben zu schenken, dass es wert ist, Verantwortung und Sorge für die nachkommende Generation zu übernehmen, der man sich nicht so einfach entziehen kann, aber eben auch für die vorhergehende Generation, wenn sie alt, gebrechlich und pflegebedürftig wird. Mit der Familie verbinden Menschen ihre Sehnsucht nach Sinn, nach der Erfahrung von Vertrauen und bedingungslosem Angenommen-Sein - auch und gerade angesichts eigener Begrenztheiten und Defizite - und von Liebe-Schenken und Liebe-Weitergeben nicht nur in den Hoch-Zeiten, sondern auch im Alltag des Lebens.

Familie ist ein Beziehungs-Ort

Angesichts dieser existenziellen Bedeutung der Familie ist verständlich, warum die Familie im christlichen Glauben eine so zentrale Rolle spielt. Sie gilt als der Beziehungs-Ort, wo etwas durchlässig werden kann für die treue schöpferische, Leben-schenkende, förderliche, solidarische und vergebende Liebe Gottes zu uns Menschen. Theologisch gesprochen kann darin Gnade sichtbar werden: Den Sinn unseres Lebens müssen wir uns nicht verdienen, sondern wir erfahren ihn darin, bedingungslos bejaht zu werden und geliebt zu sein. Aus dieser Sinnerfahrung erwachsen Sorge und Verantwortung der Partner füreinander, für die Kinder und für die Eltern.

Themenseite: Themenwoche "Liebe leben"

Dieser Artikel ist Teil der Familien-Themenwoche "Liebe leben", die vom Katholischen Medienverband initiiert wurde. Die Themenwoche, die von katholischen Medien in ganz Deutschland getragen wird und vom 20. bis 27. September 2015 stattfindet, will im Vorfeld der Bischofssynode im Vatikan auf die Synode und den Themenkomplex Ehe und Familie aufmerksam machen. Katholisch.de bildet auf einer Themenseite ausgewählte Inhalte der Themenwoche ab.

Auch für die Weitergabe des Glaubens hat die Familie einen unvergleichbar hohen Stellenwert. Denn sie bildet den lebensgeschichtlichen Erfahrungshintergrund, vor dem sich die persönliche Gottesbeziehung entwickelt. Angesichts dieser Dimensionen spricht das Zweite Vatikanische Konzil von der Familie als "Hauskirche".

Allerdings zeigt die Erfahrung, dass Familien vielfach gefährdet sind. Nachlässigkeiten, Konflikte und Streit, Enttäuschungen und Verletzungen, Trennung und Scheitern, tragische und schuldhafte Konstellationen bis hin zu Gewalt, Misshandlungen und Missbrauch können die Betroffenen belasten, sie für das Leben zeichnen oder sie gar daran zerbrechen lassen. Aber auch soziokulturelle und ökonomische Bedingungen können dem Familienleben sehr zusetzen. Zumeist sind es besonders die Schwachen in den Familien, allen voran die noch abhängigen und bedürftigen Kinder, die unter solchen Missständen zu leiden haben. Je nach gesellschaftlichem und kulturellen Kontext können diese Belastungen auf der Welt ganz unterschiedlich ausfallen.

Wenn auf der Familiensynode und in den Kirchen vor Ort nach Worten, Wegen und Formen einer evangeliumsgemäßen Familienpastoral gesucht wird, dann geht es darum, angesichts der Vielfalt von Familienrealitäten die Familien zu stärken, sie in ihrer besonderen Bedeutung für uns und in ihrer besonderen religiösen Dimension zu fördern vor dem Hintergrund verschiedener biografischer, soziokultureller, ökonomischer und ideologischer Gefährdungen.

Bild: © LMU

Jochen Sautermeister ist Inhaber der Lehrstuhls für Moraltheologie und Direktor des Moraltheologischen Seminars an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Dabei sind unter anderem folgende Aufgaben in den Blick zu nehmen: Bildung und gesellschaftliche Beteiligung fördern, für verschiedene Formen sozialer Ungerechtigkeiten, der Unterdrückung, Diskriminierung und Gewalt von Familien und innerhalb von Familien sensibilisieren und persönliche wie institutionelle Wege der Hilfe etablieren. Gegen starke sozioökonomische und technische Tendenzen Freiräume für Familienleben verteidigen und Lebensgrundlagen sichern, (versteckte) Armut bekämpfen, intergenerationelle Gerechtigkeit und Sorge in unserer alternden Gesellschaft stärken.

Beziehungs- und Erziehungskompetenzen stärken

Beziehungskompetenzen - inklusive Vergebungs-, Versöhnungs- sowie Lernbereitschaft von Eltern nach Trennung und Scheidung - innerhalb von Familie fördern. Erziehungskompetenz für die Weitergabe von Glaube und Werten stärken, oder das Bemühen um werthaftes, verantwortungsbewusstes und liebendes Familienleben in seinen unterschiedlichen Gestalten wahrnehmen und im Licht des Evangeliums würdigen, so dass Familie ein Hoffnungs(w)ort bleibt oder werden kann.

Der Autor

Professor Jochen Sautermeister (*1975) ist seit 2014 Inhaber der Stiftungsprofessur für Moraltheologie unter besonderer Berücksichtigung der Moralpsychologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. Außerdem ist er in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung tätig.

Von Jochen Sautermeister