Hört auf die Jugend!
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Der Papst will mehr Mitsprache für die junge Generation

Hört auf die Jugend!

Die Vorbereitung einer Synode ist meist eher dröge. Papst Franziskus beginnt sie aber mit einer Umfrage unter Jugendlichen weltweit. Das kommt einer kleinen Revolution gleich – auch wenn noch viel offen ist.

Von Burkhard Jürgens (KNA) |  Vatikanstadt - 14.01.2017

Eine Verjüngungskur nach Art des Papstes: Erstmals wendet sich der Vatikan mit einer weltweiten Umfrage direkt an junge Menschen jeglichen Glaubens, um zu erfahren, was sie hoffen und fürchten, was sie von Kirche und Gesellschaft erwarten. Das Meinungsbild in Vorbereitung einer Bischofssynode zum Thema Jugend ist eine Neuheit in der 50-jährigen Synodengeschichte und in der Kirchengeschichte überhaupt. Franziskus will nicht weniger als dies: mehr Mitsprache von jungen Menschen.

Das klingt revolutionär in einer Einrichtung, in der das Durchschnittsalter der obersten Berater, der Kardinäle, bei 78 liegt. "Wenn wir wollen, dass in der Gesellschaft oder in der Gemeinschaft der Christen etwas Neues geschieht, müssen wir Raum schaffen, damit neue Menschen handeln können", heißt es in dem Vorbereitungsdokument zum Bischofstreffen, das der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, am Freitag vorstellte.

Der Ruf der Jungen

Fast leidenschaftlich wurde Franziskus in einem Brief, den er zu dem gleichen Anlass an Jugendliche richtete: Ihr Drang nach Veränderung wolle sich nicht der Wegwerfkultur beugen noch "der Globalisierung der Gleichgültigkeit das Feld überlassen", schrieb er. "Auch die Kirche möchte auf eure Stimme hören, auf eure Sensibilität, auf euren Glauben, ja auch auf eure Zweifel und eure Kritik." Der Ruf der Jungen müsse "bis zu den Hirten gelangen". 

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Mit Blick auf die für 2018 geplante Bischofssynode zum Thema Jugend hat Papst Franziskus am Freitag einen Brief an die Jugendlichen geschrieben. Katholisch.de dokumentiert das Schreiben im Wortlaut.

Nach dem Willen des Papstes soll die Generation der 16- bis 29-Jährigen von Objekten der Politik und Seelsorge zu Protagonisten werden. "Sie sind nicht die Zukunft unserer Völker, sie sind ihre Gegenwart", erklärte er in seiner Karlspreisrede im Mai und fuhr fort: "Wir können nicht an ein Morgen denken, ohne dass wir ihnen eine wirkliche Teilhabe als Träger der Veränderung und des Wandels anbieten." Ähnlich kritisierte er in seiner Silvesterpredigt eine Gesellschaft, die die Jugend vergöttere, aber Jugendlichen keine Zukunft in Form von Arbeitsplätzen biete.

Bei der Bischofssynode im Oktober 2018 wird es unter dem Motto "Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung" indessen weniger um handfeste sozialpolitische Forderungen gehen. Das Vorbereitungsdokument gebraucht häufig den Begriff "Unterscheidung", ein Vorzugswort des Papstes. Gemeint ist die Fähigkeit, den je eigenen Weg zu einem erfüllenden Leben zu erkennen. Dementsprechend ist mit "Berufung" auch nicht nur an Priesteramt und Ordensleben gedacht, sondern ebenso an Familie, berufliches, soziales oder politisches Engagement.

Mehr Beteiligung auch in der Kirche

Die Kirche will Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Angesicht von Multikulturalität und gesellschaftlichem Wandel allenthalben einen eigenen Kopf zugestehen, einschließlich dem Recht, Neues auszuprobieren. Realistisch merkt das Dokument jedoch an, dies sei vor allem in Ländern und Institutionen schwierig, in denen Verantwortungsträger alt und der Generationenwechsel verlangsamt seien.

Mehr Beteiligung soll auch positiv auf die Kirche rückwirken. Junge Leute würden "die christliche Gemeinschaft umso anziehender finden, je mehr sie erleben, dass der konkrete und originelle Beitrag, den sie leisten können, angenommen wird".

Dafür muss sich die Kirche der Perspektive der Jugend öffnen: "Die Kirche selbst ist aufgerufen, von den Jugendlichen zu lernen", heißt es schlicht. Selbstkritisch verzeichnet der Text "Improvisation und Inkompetenz" bei der kirchlichen Begleitung Jugendlicher. Dies könne negative Abhängigkeiten schaffen und "bis hin zum Missbrauch führen".

"In die Welt der Jugendlichen hinauszugehen, erfordert die Bereitschaft, Zeit mit ihnen zu verbringen, ihre Geschichten, ihre Freuden und Hoffnungen, ihre Trauer und Angst anzuhören", heißt es in dem Dokument. Für die Kirche ist das vielfach Neuland, etwa auch in Form der digitalen Welt, die für Jugendliche "ein echter Lebensort geworden", Geistlichen aber teils noch recht fremd sei.

Wie die Adresse der Website für die Umfrage unter Jugendlichen lautet – www.sinodogiovani2018.va –, wusste Kardinal Baldisseri bei der Pressekonferenz nicht auf die Schnelle, ebensowenig deren Starttermin. Das Projekt steckt eben noch in den Kinderschuhen.

Von Burkhard Jürgens (KNA)

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Der Vatikan will sich für eine stärkere Mitgestaltung von Jugendlichen in Kirche und Gesellschaft einsetzen. Das geht aus dem Vorbereitungsdokument für die geplante Bischofssynode zum Thema Jugend hervor.