Zwei Clowns spielen mit einer Handpuppe.
Bild: © KNA
Expertin über die Rolle des Lachens in der Hospizarbeit

"Humor trägt Euch"

Der Humor trägt Euch über alle Abgründe der Seele hinweg", versprach schon der berühmte Maler Anselm Feuerbach. Wie Humor auch Menschen in schwersten Lebenskrisen helfen kann, war kürzlich Thema der diesjährigen Herbsttagung des ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes der Erfurter Malteser. Mit dabei war Hospiz-Koordinatorin Beate Fack. Im Interview erklärt sie, warum Humor in der Hospizarbeit für alle Beteiligten eine Stütze sein kann.

Erfurt - 22.11.2014

Frage: Frau Fack, Humor und Hospiz - passt das zusammen?

Fack: In unseren Begleitungssituationen, ob bei schwerstkranken Erwachsenen oder Kindern und Jugendlichen, haben wir festgestellt, dass manche Menschen ihren Humor trotz der Schwere ihres Schicksals nicht verlieren. Im Gegenteil, Humor kann der Ernsthaftigkeit der Situation etwas entgegensetzen und es vielleicht ein wenig leichter machen, damit fertig zu werden. Es beeindruckt mich, wenn Menschen sich ihren Witz und ihre Lebensfreude bewahren. Ebenso wichtig ist Humor für haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter, um die Aufgabe der Sterbe- und Trauerbegleitung bewältigen zu können.

Frage: Wie hilft der Humor einem schwerstkranken Menschen?

Fack: Als Hospizbegleiter muss man sich klarmachen, dass man niemandem sein Leiden oder seine Krankheit abnehmen kann. Aber man kann versuchen, für einen Moment Leichtigkeit oder auch Ablenkung zu schenken. Meine Kollegin Dorothea Kromphardt alias " Clown Knuddel" berichtete sehr eindrücklich von Ihrem besonderen Aufgabengebiet, der Begleitung kranker und sterbender Kinder und Jugendlicher, und davon, was sie für das kleine Glück tun kann. Es ist der Versuch, mit einem wertschätzenden, respektvollen Humor alle Beteiligten für einen kurzen Moment von ihrem Schicksal abzulenken. Dabei muss sie natürlich spüren, was das Kind oder der Jugendliche braucht, aber auch spüren, wie die Stimmung der Angehörigen ist. Es ist wichtig, sensibel vorzugehen und sich selbst zurückzunehmen, denn einen humorvollen Umgang mit einer schweren Lebenssituation kann man niemandem aufzwingen. In vielen Fällen kommt der Humor von den Betroffenen selbst.

Frage: Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Fack: "Clown Knuddel" mit seiner vollbepackten, kunterbunten Schubkarre hilft den Kindern mit Spaß und Witz, mit Seifenblasen und dem Spiel "Puste die Sorgen weg" oder quiekenden Luftballons. Es geht darum, dem Krankenhaustrott zu entfliehen, den Kinder Mut zuzusprechen und ihnen etwas Lebensfreude zu vermitteln. Er hat ganz unterschiedliche Rollen: die eines Freundes, Spielpartners, Zuhörers oder Gesprächspartners. Knuddel ist nicht immer fröhlich, sondern hat auch manchmal Tränen in den Augen, die er nicht versucht zu unterdrücken, da die Kinder und Jugendlichen das merken. Klinikclowns sind eine Hilfe in ihrer Therapie.

Zwei Clown und ein lachendes junges Mädchen.
Bild: © KNA

Die Klinikclowns Tinta (Renate Dohm) und Bella (Maysa de Paulo Funke) spielen mit Handpuppen und bringen eine junge Patientin zum Lachen.

Frage: Inwiefern ist der Humor auch für die Begleiter eine Stütze?

Fack: Humor ist im Kontext von Sterben, Tod und Trauer kein Widerspruch, sondern kann eine Erleichterung darstellen. Es ist eine innere Haltung und kann entlastend sein. Humor hat mehrere Funktionen, etwa Stress abzubauen, einen Perspektivwechsel herzustellen oder Abstand zu bekommen. Humor kann Sprachlosigkeit durchbrechen oder den Blick auf das Wesentliche lenken. In einem Team kann er zudem der Psychohygiene dienen. In skurrilen Situationen kann es zum Beispiel entlasten, einfach einmal laut loszulachen, um Druck abzubauen. Das geht natürlich nicht in jeder Situation und eher unter Kollegen. Aber der Humor hilft bei dieser Arbeit. Wenn wir nur trübsinnig wären, könnten wir niemand anderen unterstützen, aber genau das ist unsere Aufgabe: einen klaren Kopf zu bewahren und für die Menschen da zu sein.

Frage: Ist es nicht eine Herausforderung, Menschen im Angesicht des Todes Freude zu schenken, ohne ihnen dabei falsche Hoffnungen zu machen?

Fack: Wir wollen Menschen helfen, ihre letzte Lebensphase so gut wie möglich zu gestalten. Wie Menschen mit ihrer Krankheit umgehen, ist sehr unterschiedlich: Viele hoffen bis zuletzt auf eine Änderung, manche geben schnell auf. Wir versuchen uns individuell auf jeden Einzelnen einzulassen und die Situation und den Alltag etwas leichter zu machen. Das kann durch praktische Hilfe geschehen, aber auch durch Gespräche, die den Menschen bei Entscheidungen am Lebensende helfen sollen. Viele Menschen wissen nicht, wie sie dies gestalten können, und da versuchen wir, Wege aufzuzeigen.

Frage: Was ist das Schöne an dieser Aufgabe?

Fack: Das Schöne an dieser Aufgabe ist der Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen. In dem Moment, in dem wir zu einem Erstgespräch oder Hausbesuch kommen, sind wir ganz nah dran und erfahren viel von den Menschen und Familien. Es ist interessant, die Lebenswege mitzubekommen und zu sehen, wie Familien ihre Situation meistern. Mir wird dadurch oft bewusst, wie schnell ein Leben vorbei sein kann, was im Leben wichtig ist und wofür ich dankbar sein darf. Wenn jemand weiß, dass sein Leben bald ein Ende haben wird, zählen oftmals die kleinen Dinge, etwa, dass man alleine aufstehen kann oder vielleicht einen geliebten Ort noch einmal besuchen kann.

Frage: Können gesunde Menschen in diesem Sinne etwas von Sterbenden lernen?

Fack: Für vieles, was wir als selbstverständlich hinnehmen, kann man sehr dankbar sein: dafür, gesund zu sein, ein gesundes Kind zu haben - einfach dafür, da zu sein. Und das Bewahren des eigenen Humors kann auch im Alltag helfen, Situationen gut zu durchzustehen.

Das Interview führte Paula Konersmann (KNA)