Ulrich Neymeyr im Erfurter Dom.
Ulrich Neymyer als Bischof von Erfurt ins Amt einfegührt

"Ich bin bereit, hier bin ich"

Kurz vor dem Beginn des Gottesdienstes ist Ulrich Neymeyr froh, dass es nun endlich losgeht. "Es ist gut, dass die Zeit des Abschiednehmens nun zu Ende ist und etwas Neues beginnt. Jedem Anfang wohnt ja ein Zauber inne", sagt der designierte Erfurter Bischof, als er vom Domkapitel vor seiner zukünftigen Kathedrale empfangen wird. Die Bischofskirche ist zu dem Zeitpunkt bereits bis auf den letzten Platz besetzt.

Erfurt - 22.11.2014

Auch die benachbarte St.-Severi-Kirche ist gut gefüllt. Hierher wird die Messe aus dem Dom live übertragen.Touristen wundern sich über die Leinwand in der Kirche und die vielen Menschen. "Da haben wir ja genau den richtigen Tag erwischt", sagt eine Hamburgerin, die sich eigentlich den Dom anschauen wollte und jetzt darüber staunt, dass es in Erfurt einen Bischof gibt.

In der Diaspora klarkommen

"Das ist ja das wichtige, dass er mit der Diaspora klarkommt", sagt ein Mittfünfziger vor dem Domportal. Das Bistum sei zwar klein, aber nicht unbedeutend. Tatsächlich hat das Bistum Erfurt mit seiner Geschichte eine besondere Bedeutung in der nordostdeutschen Diaspora. Hier befindet sich das gemeinsame Priesterseminar der Diözesen Berlin, Desden-Meißen, Erfurt, Magdeburg und Görlitz und die einzige Hochschule mit katholisch-theologischer Fakultät.

"Der ist volksnah und geht auf die Menschen zu": Reaktionen und Erwartungen der Erfurter an ihren neuen Bischof Ulrich Neymeyr am Tag seiner Amtseinführung.

Mit dem Eichsfeld hat das Bistum zudem eine Region, die echt volkskirchlich geprägt ist – eine Seltenheit im Stammland der lutherischen Reformation . Man könne ruhig selbstbewusst sein, sagt der Mann, der bisher nur aus dem Radio und der Zeitung vom neuen Bischof gehört hat. "Bisher nur Gutes", wie er hinzufügt. In St. Severi kommt die Gemeinde indessen bei "Großer Gott wir loben Dich" aus dem Takt. Das Mitfeiern mit der Übertragung aus dem Dom ist noch etwas gewöhnungsbedürftig.

"Ein Hirte muss vorangehen, um den Weg anzuzeigen, er muss inmitten der Herde bleiben, um die Gemeinschaft zu fördern und hinter dem Volk sein, damit er die ermuntert, die stehengeblieben sind oder sehr langsam den Weg verfolgen", gibt Nuntius Nikola Eterovic dem neuen Erfurter Bischof mit auf den Weg bevor es einen langen Abschiedsapplaus gibt. Altbischof Joachim Wanke dankt der Nuntius für 31 Jahre als Bischof in Erfurt, 13 Jahre als Apostolischer Administrator, 18 Jahre als Bischof von Erfurt. Auch Weihbischof Reinhard Hauke bekommt Applaus, als Eterovic ihm für seinen Dienst als Diözesanadministrator während der Zeit der Sedisvakanz dankt.

Der neue Bischof strahlt

Dass Neymeyr ein guter Bischof wird, davon ist der Nuntius überzeugt: "Diese Aufgabe wird Ihnen leichtfallen, denn Sie haben als Weihbischof in der Diözese Mainz ausreichend Erfahrungen gesammelt", sagt Eterovic, bevor Dompropst Gregor Arndt die Ernennungsurkunde verliest. 11.19 Uhr ist es, als Ulrich Neymeyr auf der Kathedra im Chorraum Platz nimmt und sein Vorgänger Joachim Wanke ihm den Erfurter Hirtenstab überreicht. Die Krümme des Bischofsstabes zeigt die Hl. Elisabeth, die Patronin des Bistums Erfurt, und viele Thüringer Wappen.

Fröhlich strahlend geht Neymeyr durch den Dom, segnet die Erfurter Gläubigen erstmals als Bischof von Erfurt. Rasch geht er hinüber in die St.-Severi-Kirche und wird auch hier von den Gläubigen, die den Gottesdienst bisher nur auf der Video-Leinwand verfolgen konnten, mit Applaus begrüßt. Um 11:31 Uhr stimmt die Gloriosa, die größte bekannte mittelalterliche Glocke, die seit 1497 im Turm des Erfurter Domes zum Lobe Gottes erklingt, in das festliche Gloria ein.

Neymeyr: Als Gläubige Christen zu erkennen geben

Die erste Predigt des neuen Bischofs in seiner Kathedrale nimmt gleich Bezug auf das Evangelium und das gotische Triangelportal, dass Figuren der törichten und der klugen Jungfrauen zeigt. "Die mit Salz gewürzten Worte sind die Sätze, die mit: 'Ich...' anfangen, also die Sätze, in denen wir nicht diskutieren und argumentieren, sondern persönliches Zeugnis von unserem Glauben geben", sagt Neymeyr. Er wisse, dass das nicht immer einfach ist, "aber wir müssen uns als gläubige Christen zu erkennen geben". Neymeyr geht gleich mit gutem Beispiel voran. Als er den Erfurtern von sich selbst und seiner Berufung nach Erfurt mit "Ich bin bereit. Hier bin ich" berichtet, unterbrechen sie ihn mit ihrem Applaus.

Von Markus Kremser

Reaktionen auf und Glückwünsche an den neuen Bischof

Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Norbert Trelle, würdigte Neymeyr am Samstag in Erfurt als "geschätzten Seelsorger und eine Persönlichkeit mit reicher pastoraler Erfahrung". Zudem dankte er Altbischof Wanke für seinen 31-jährigen Einsatz an der Spitze des Bistums Erfurt, zunächst als Apostolischer Administrator, dann als Bischof. Trotz des politischen Drucks während der DDR-Zeit habe Wanke sich nie vom SED-Regime unter Druck setzen lassen, sondern habe vielmehr zum Glauben ermutigt. Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann erinnerte an die historische Verbundenheit der Bistümer Mainz und Erfurt. Mehr als ein Jahrtausend gehörte das Erfurter Kirchengebiet bis 1802 zum damaligen Erzbistum Mainz. Auch während der DDR-Zeit habe es enge Kontakte im Bereich der Seelsorge und Jugendarbeit gegeben. Lehmann verwies zudem auf den thüringischen Familienzweig Neymeyrs. Seine Großeltern mütterlicherseits stammen aus dem Freistaat. Die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, verwies auf die guten ökumenischen Beziehungen in Thüringen: "Wir leben gemeinsam in einer Gesellschaft, in der der Glaube an Gott keine Selbstverständlichkeit ist." Die Christen in der Diaspora könnten sich "nicht in kirchliche Selbstgenügsamkeit zurückziehen". Sie sei neugierig auf Neymeyrs Sicht auf die Reformation; zumal er ihr bereits geschrieben habe, in Worms im Schatten des weltgrößten Lutherdenkmals aufgewachsen zu sein. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) ermutigte Neymeyr "klangvoll und klar" in öffentlichen Debatten Position zu beziehen. "Auch die säkulare, plurale, freie Gesellschaft braucht die Stimme der Kirchen, sie braucht ihr Engagement." Die Kirchen könnten sinnstiftend wirken und Orientierung geben. (KNA)