"Ich bin sprachlos!"
Pater Alexander Jernej über das Attentat in Istanbul

"Ich bin sprachlos!"

Pater Alexander Jernej ist der Schock nach dem Terroranschlag in Istanbul deutlich anzumerken. "Überall auf der Welt ist Gewalt an der Tagesordnung. Und plötzlich ist man ganz nah dran", erzählt der in Istanbul lebende Priester bei katholisch.de.

Von Madeleine Spendier |  Istanbul - 12.01.2016

Während einer Sitzung am Vormittag in der Kirchengemeinde Sankt Georg habe er die Detonation des Selbstmordanschlages gehört und gespürt. "Ich habe dann gleich Sorgenfalten bekommen", erzählt der Priester weiter. Ein türkischer Mitarbeiter aus der kirchlichen Schule sei sogar in unmittelbarer Nähe des Unglücksortes bei der Hagia Sophia gewesen und "geschockt zurückgekehrt", so Jernej. "Alles andere war nun nicht mehr wichtig."

Bei dem Selbstmordanschlag im historischen Zentrum von Istanbul sprengte sich am Mittag nach türkischen Angaben ein Selbstmordattentäter der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in die Luft und riss dabei mindestens neun Deutsche mit sich in den Tod.

Für die Opfer und deren Angehörige beten

"Wir sind alle sehr betroffen", betont der Pater. Doch auch wenn es schwer sei, in diesen Momenten irgendeinen Trost auszusprechen, "ist es unsere Aufgabe, nun für die Opfer da zu sein und für sie und die Angehörigen zu beten", sagt er. Und dass er daran glaube, dass kein Opfer sinnlos sei. "Aus diesem Glauben heraus lebe ich - auch wenn das gerade schwer zu verstehen ist."

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Audio: © katholisch.de

Im Telefoninterview mit katholisch.de zeigt sich Pater Alexander Jernej von der Österreichischen katholischen Gemeinde in Istanbul betroffen über den Terroranschlag.

Gebete könnten eine unsichtbare Kraft und Trost sein, ist sich der Pater sicher. "Es ist für uns tröstlich, an einen gerechten und barmherzigen Gott glauben zu können." Es gebe mehr, "als wir verstehen können. Der Glaube hilft uns dabei." Deshalb versuche er zu beten, auf das Kreuz zu schauen und "das Unverstehbare, das Unbegreifbare auszuhalten", so Pater Jernej.

"Wir sind für die Menschen da"

Im Austausch mit der Pfarrerin der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde und dem Deutschen Konsulat vor Ort werde versucht, auf das Unglück angemessen zu reagieren. Geplant ist laut Jernej ein ökumenischer Gottesdienst für die Opfer des Anschlags und deren Angehörige. Darüber hinaus steht Pater Jernej auch für Gespräche aus Deutschland zur Verfügung. "Wir sind für alle Anfragen offen, wir sind für die Menschen da", sagt er - und gibt direkt seine Telefonnummer durch: 00090-5305-42-0334.

Die Österreichische Katholische Gemeinde St. Georg in Istanbul hat rund 300 deutschsprachige Gemeindemitglieder vor Ort. Alexander Jernej trägt als Priester die pastorale Verantwortung für die Gemeinde und ist Leiter der Hausgemeinschaft der Ordensgemeinschaft der Lazaristen. Zusätzlich ist er geistlicher Begleiter der Barmherzigen Schwestern der Provinz Graz-Mitteleuropa.

Von Madeleine Spendier