"Ich musste mich erst mal hinsetzen"
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Ein Schweizergardist über die Rücktrittsankündigung von Benedikt XVI.

"Ich musste mich erst mal hinsetzen"

Papst ist man bis zum Tod - das dachte Urs Breitenmoser bis zum Rücktritt von Benedikt XVI. vor fünf Jahren. In Interview erzählt der Schweizergardist, wie er das Ende des Pontifikats erlebt hat.

Von Stefanie Stahlhofen (KNA) |  Vatikanstadt - 11.02.2018

Vor fünf Jahren, am 11. Februar 2013, kündigte Papst Benedikt XVI. überraschend seinen Rücktritt an. Für viele Vatikan-Mitarbeiter war dieser Moment ein Schock. Urs Breitenmoser ist Wachtmeister und Medienverantwortlicher der Päpstlichen Schweizergarde, in deren Dienst er seit fast 20 Jahren steht.

Frage: Herr Breitenmoser, wie erinnern Sie sich an den 11. Februar 2013, als die Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. kam?

Breitenmoser: Ich musste mich erst mal hinsetzen. Ich war in der Kaserne, und dann hat mich die Zentrale avisiert: "Setz dich mal hin, ich muss dir was sagen." Dann hat der Kollege mir gesagt, was passiert ist. Zuerst habe ich gesagt: "Du nimmst mich doch auf den Arm. Das kann überhaupt nicht sein!" Das war für uns alle eigentlich keine Option: Jeder Gardist weiß, dass jemand Papst ist bis zum Tod.

Frage: Und was passierte dann?

Breitenmoser: Als Medienverantwortlicher wurde ich aus dem Dienst genommen, weil ja Anfragen kommen könnten. Ich wurde oft gefragt: Was bedeutet das für euren Dienst? Macht ihr jetzt den Vatikan zu? Wie geht es weiter? Ich habe geschildert, dass der Dienst ganz normal weitergehe. Viele Leute aus der Schweiz und auch von hier aus dem Vatikan haben gefragt. Und wir selbst mussten auch zuerst mal verstehen, wie der weitere Ablauf ist.

Papst Benedikt XVI. kündigt am 11. Februar 2013 vor Kardinälen an, dass er am 28. Februar 2013 zurücktreten will.
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Ein historischer Moment: Papst Benedikt XVI. kündigt am 11. Februar 2013 vor Kardinälen an, dass er am 28. Februar 2013 zurücktreten will.

Frage: Und der Abschied von Benedikt XVI.?

Breitenmoser: Bei der offiziellen Verabschiedung im Damasushof haben wir eine große Formation aufgestellt, mit allen verfügbaren Gardisten in Uniform. Es geht mir jetzt noch kalt den Rücken runter - denn wir haben zu jedem Papst eine besondere Beziehung. Papst Benedikt war immer sehr zuvorkommend, nett; kam auf uns zu, wünschte uns in Castel Gandolfo einen schönen Sonntag. Er war sehr herzlich und gutmütig. Es war ein Abschied einer besonderen Person; es ging einem schon unter die Haut. Er ist für uns ein bisschen wie ein weiser Großvater. So kann man die Beziehung schon nennen. Es ist eine sehr nahe Beziehung gewesen, wie auch zu seinem Vorgänger Johannes Paul II.

Frage: Wie war es in Castel Gandolfo?

Breitenmoser: Auch da stellte sich für uns die Frage: Bleibt er dort? Wir wussten, dass er bis zur Torschließung in der Residenz ist. Er sprach noch vom Balkon, und mit dem Torschluss war dann sein Pontifikat zu Ende. Tja, und dann war er emeritierter Papst. Sich mit diesem Titel anzufreunden, das war auch besonders. Was macht ein emeritierter Papst? Wohin geht er? Er wollte zurückgezogen leben und stand natürlich für den neuen Papst zur Verfügung. Er hat sich dann in das frühere Kloster Mater Ecclesiae in den vatikanischen Gärten zurückgezogen. Da waren früher Klausurschwestern, die ausschließlich für die Absichten des amtierenden Papstes beteten. Das Kloster wurde seine neue Residenz.

Frage: Die Schweizergarde ist ja für die Sicherheit des Papstes zuständig - auch für die des emeritierten?

Breitenmoser: Nicht mehr. Das war dann ausschließlich Aufgabe der vatikanischen Gendarmerie. Wir sind abgezogen von Castel Gandolfo, haben unseren Dienst hier im Vatikan weiter geleistet und gewartet, bis der neue Papst gewählt wurde. Das war schon ungewohnt - auch dass die Papstwohnung nicht mehr besetzt war. Wir waren ja gewohnt hochzuschauen, wenn wir vom Ausgang nach Hause kamen: Ah, Licht an - der Papst arbeitet noch. Und da war auf einmal alles dunkel, die Jalousien zu. Und das ist ja dann auch so geblieben, als der neue Papst gewählt wurde. Papst Franziskus wollte ja in seiner Residenz in Santa Marta bleiben.

Von Stefanie Stahlhofen (KNA)