Papst Franziskus im Vatikan.
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Papst Franziskus besucht im Mai das Heilige Land

Im Zeichen der Ökumene

Exakt 50 Jahre nach dem ersten kirchlichen Ost-West-Gipfel von Jerusalem hat Papst Franziskus am Sonntag seine Heilig-Land-Reise angekündigt. Vom 24. bis 26. Mai will er nach Amman, Bethlehem und Jerusalem pilgern - in Erinnerung an das historische Treffen von Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras am 5. Januar 1964.

Vatikanstadt - 06.01.2014

Damals kamen erstmals seit dem abendländischem Schisma von 1054 die Kirchenführer des christlichen Ostens und Westens zusammen. Mitten während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) leitete das sensationelle Treffen einen vielversprechenden ökumenischen Dialog ein.

In Erinnerung an diese Begegnung will Franziskus Ende Mai in der Jerusalemer Grabeskirche mit dem orthodoxen Ehrenoberhaupt, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, zusammentreffen. In dem Gotteshaus, das über den Stätten der Kreuzigung, der Grablegung und der Auferstehung Christi errichtet ist, wollen sie eine ökumenische Feier begehen. Daran sollen auch die Vertreter der übrigen christlichen Kirchen Jerusalems teilnehmen, von denen mehrere, wenn auch nicht alle, die Grabeskirche nach einer präzisen, wenn auch heute bizarr anmutenden Vereinbarung gemeinsam nutzen.

Aus Sicherheitsgründen kein Abstecher nach Damaskus

Das Programm der zweiten Auslandsreise von Franziskus steht noch nicht im Detail fest. Es dürfte ähnliche Stationen beinhalten wie die großen Heiligland-Visiten seiner Vorgänger Johannes Paul II. (2000) und Benedikt XVI. (2009). Jedoch ist die Reise diesmal bedeutend kürzer, womit Abstecher an die Stätten des irdischen Jesus in Nazareth und an den See Genezareth entfallen dürften. Sicher ist unterdessen, dass eine vom Papst gewünschte Etappe ins syrische Damaskus aus Sicherheitsgründen nicht zustande kommt.

Die Reise beginnt in Amman. Dort wird Franziskus sicher mit König Abdullah II. zusammentreffen, dessen Vater Hussein 1964 Gastgeber von Paul VI. bei der ersten Auslandsreise eines Papstes der Moderne war. Auf dem Programm dürften Begegnungen mit den Christen des Landes stehen, aber auch mit muslimischen Vertretern. Gerade aus Amman kamen starke Signale, die nach dem Streit um die Regensburger Rede von Benedikt XVI. im Jahr 2006 wieder einen vertrauensvollen Dialog des Vatikan mit moderaten Muslimen ermöglichten.

Der Felsendom in Jerusalem.

Der Felsendom in Jerusalem.

Große Messe am Geburtsort Jesu

Im Mittelpunkt des Besuchs in Jesu Geburtsort Bethlehem steht dem Vernehmen nach eine große Messe mit den Katholiken der Region. Franziskus wird zudem Gespräche mit seinem Gastgeber, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, führen und mit Repräsentanten der christlichen Gemeinde zusammentreffen. Zudem soll ein Besuch der Geburtskirche auf dem Programm stehen, in deren Grotte der Tradition nach Jesus geboren wurde.

Höhepunkt der dreitägigen Reise ist der Besuch in Jerusalem und die ökumenische Feier in der Grabeskirche. Von dieser bedeutendsten Stelle der Christenheit aus wird Franziskus gemeinsam mit Patriarch Bartholomaios I. sicher die Einheit der getrennten Christenheit beschwören. Über das historische Gedenken hinaus dürfte er aber hier wie auch an den übrigen Reisestationen die mitunter schwierige Situation der Christen im Heiligen Land und im Nahen Osten insgesamt thematisieren.

Besuch auf äußerst schwierigem Parkett

In Jerusalem wird Franziskus zudem mit Vertretern des Judentums sowie mit der politischen Führung Israels zusammentreffen. Begegnungen mit Präsident Schimon Peres und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dürften dazu gehören, nach örtlichen Presseberichten aber auch ein Besuch in der Gedenkstätte Yad Vaschem und ein Gang zur Klagemauer. Und sicher wird Franziskus, der bei seinem Besuch vom befreundeten argentinischen Rabbiner Abraham Skorka begleitet wird, die Fortsetzung der katholisch-jüdischen Aussöhnung anmahnen.

Die Jubiläumsreise findet unter politisch veränderten Bedingungen statt - zu den großen Krisenherden der Welt zählt der Nahe Osten jedoch auch nach 50 Jahren noch. Auch in der Ökumene mit der Orthodoxie hat es in den vergangenen 50 Jahren immer wieder Rückschläge gegeben, ebenso im Kontakt mit Judentum und Islam. So betritt Franziskus mit seiner zweiten Auslandsreise ein politisch wie religiös äußerst schwieriges Parkett.

Von Johannes Schidelko (KNA)