Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Schwester Christine Klimann über das Sonntagsevangelium

In Christus sind wir alle Könige – doch was bedeutet das?

"Und das soll der König der Juden sein?", muss sich Pilatus im heutigen Evangelium gefragt haben. Denn Jesus hat weder Krone noch Soldaten. Schwester Christine Klimann erinnert daran, dass wir alle durch die Taufe Könige vor dem Herrn sind – doch wie sehen unsere Königreiche aus?

Von Schwester Christine Klimann |  Bonn - 24.11.2018

Impuls von Schwester Christine Klimann

Für meine kleine Nichte sind Prinzessinnen das Größte. Sie müssen meistens weiße Kleider haben und - natürlich - eine Krone. Und nicht nur im Fasching kann es passieren, dass es nicht Agnes ist, die da zur Tür hereinkommt, sondern eine Prinzessin im wunderschönen Kleid. Agnes ist jetzt fünf. Vermutlich wird es nicht allzu lange dauern, bis sie die Welt ohne Krönchen auf dem Kopf wahrnimmt.

Eigentlich schade, oder? In der Taufe werden wir mit dem heiligen Öl gesalbt, das heißt, dass wir in Christus Priester, Könige und Propheten sind. Könige. Nur, was für Könige? Und wo wären dann unsere Königreiche? Mit dieser Frage hatte schon Pilatus seine Probleme. Jesus steht vor ihm, geschunden, geschlagen. Und das soll der König der Juden sein?

Es ist verständlich, dass Pilatus diese Behauptung absurd findet, aber neugierig geworden ist er doch. Ein Dialog entspinnt sich zwischen Jesus und Pilatus, in dem die beiden allerdings haarscharf aneinander vorbeireden. Pilatus und Agnes wären sich wahrscheinlich darin einig, dass ein König eine Krone auf dem Kopf haben muss, und darüber hinaus - wie mein Neffe David hinzufügen würde - Soldaten, die für ihn kämpfen.

Jesus hat nicht nur nichts von alledem, sondern er treibt den Kontrast beinahe unerträglich auf die Spitze. Verurteilt steht er da, verspottet, bar jeglicher Andeutung von Macht. Und doch sagt er - und ich stelle mir vor, wie in diesem Moment plötzlich Stille eintritt: "Du sagst es, ich bin ein König." Sein Königtum ist allerdings, so wie auch das unsere, nicht von dieser Welt. Das ist ärgerlich, denn es bedeutet, dass wir eine gerechtere Welt nicht erzwingen können. Aber es bedeutet auch, dass unsere Würde unantastbar ist und dass sie, wenn wir dem Weg und der Logik Jesu folgen wollen, in den unwahrscheinlichsten Momenten aufstrahlen kann.

Esther Maria Magnis schreibt von einer Situation der totalen Ohnmacht, an der Seite ihres krebskranken Bruders: "Wir waren Könige in diesen Zeiten des Glücks, die sich in jenen Tagen vom Frühstück bis zum Abendbrot und in die Nacht hinein zogen. Nackte Könige, die ihre Reiche verloren hatten, und kein plauderndes Wort drang mehr an unser Ohr, niemand der uns die neue Ordnung erklärte, aber wir glaubten ihr. Weil sie zu den Wahrheiten dieser Welt gehört."

Weißes Kleid und Krone – das wäre entschieden leichter. Aber ich glaube, ich will glauben, dass unser Königreich, auch wenn es einer so anderen Logik folgt, nicht weniger wirklich ist als diese Welt. Und dass das, was uns verheißen ist, noch viel schöner ist, als Agnes es sich je ausmalen könnte.

Von Schwester Christine Klimann

Evangelium nach Johannes (Joh 18, 33b-37)

In jener Zeit fragte Pilatus Jesus: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben es dir andere über mich gesagt?

Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein eigenes Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Königtum ist nicht von hier.

Pilatus sagte zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

Die Autorin

Schwester Christine Klimann gehört zur Kongregation der Helferinnen, ist Pastoralreferentin und studiert in Rom Psychologie.

Ausgelegt!

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