Elf gelbe DHL-Container am Paketzentrum spiegeln sich in einer Pfütze.
Zu Besuch beim größten Geschenke-Verteiler

In der Weihnachtspäckerei

In der DHL-Zustellbasis in Köln-Deutz ist die Hölle los, doch Rocco Leone zuckt mit den Schultern: "An Heiligabend, pünktlich zur Bescherung, bin ich ja wieder zu Hause." Der Internethandel brummt: Jahr für Jahr bestellen mehr Menschen im Versandhandel. Und während sie für ihre Geschenke nur wenige Klicks brauchen, gibt es bei der Post immer mehr zu tun.

Köln - 18.12.2012

Die 1969 nach ihren Gründern Dalsey, Hillblom und Lynn benannte Logistik-Firma profitiert von diesem Geschäft, denn das Gros der Lieferungen wird von ihr abgewickelt. Für Besinnlichkeit bleibt den Mitarbeitern wenig Zeit – das gilt auch für Leone: "Dafür freue ich mich abends umso mehr, wenn ich endlich die Füße hochlegen kann und weiß, was ich getan habe." Dann schnappt er sich das nächste Paket aus dem Rollbehälter und lädt es in seinen Laster: "Neun Uhr ist Dienstantritt. Wenn alles glatt geht, bin ich gegen 19 Uhr fertig."

Der Weg jedes Pakets ist durchgeplant

Mit seinem Dienstbeginn um 9 Uhr hat Leone noch Glück. Andere Kollegen fangen weitaus früher an: Der erste LKW mit Päckchen und Paketen trifft gegen 4.45 Uhr ein. Dieter Pietruck nennt es "die erste Welle". Der Pressesprecher der Post erklärt den Verteilerweg, als hätte er das schon eine Million Mal gemacht: "Der Kunde liefert das Paket in der Regel über die Filiale ein. Unsere Fahrer holen das Paket in der Filiale ab und bringen es zu dem Zuständigen Paketzentrum – hier in Köln ist das am Eifeltor." Die Pakete werden ausgeladen und auf Förderbänder gelegt – stets mit der Adresse nach oben, damit die Computer die Adresse auslesen und einem Ziel zuordnen können: "Auf diese Weise kann der Kunde via Internet immer nachvollziehen, wo sich sein Paket befindet", erläutert Pietruck das Prinzip.

Im DHL-Paketzentrum fährt eine Mitarbeiterin einen Paketwagen durch die Halle.

Im DHL-Paketzentrum fährt eine Mitarbeiterin einen Paketwagen durch die Halle.

Dann werden die Pakete vom Zentrum auf die einzelnen Zustellbasen verteilt, wo die gleiche Prozedur noch einmal durchgeführt wird. Diesmal stehen Paketzusteller am Rande des Förderbandes, um ihre Lastwagen zu beladen und das Paket auszuliefern. Gegen 7 Uhr ist das letzte Paket verladen, und die Paketboten sind unterwegs in ihre Bezirke. Gegen 9 Uhr kommen die Kollegen für die zweite Schicht – bis 11 Uhr sind auch sie mit weiteren Paketen unterwegs in ihre Bezirke.

In der Weihnachtszeit habe die Post die Bezirke der Paketboten verkleinert und deutschlandweit etwa 10.000 Aushilfen eingestellt, erklärt Pressesprecher Pietruck. Er bedauere, dass es bei den Mitarbeitern eine hohe Fluktuation gebe: "Das ist körperlich harte Arbeit und somit nicht für jeden geeignet." Viele der Pakete wiegen mehrere Kilo – gerade an Weihnachten. Er zitiert aus der Statistik: Von Januar bis Oktober werden in Deutschland etwa drei Millionen Pakete pro Tag ausgeliefert. In der Woche vor Weihnachten rechnet Pietruck mit etwa sechs Millionen – also mit doppelt so vielen.

Das Weihnachtsgeschäft ist auf mehrere Schultern verteilt

Ein Fahrer verteilt übers Jahr gerechnet etwa 200 bis 240 Pakete pro Tag. Weil sich vor Weihnachten mehrere Paketboten die zusätzlichen Päckchen aufteilen, habe jeder Fahrer rund 50 Prozent mehr Arbeit, schätzt Reiner Neuß, Leiter der Zustellbasis. "Wir arbeiten hart an der Kapazitätsgrenze", kommentiert Pressesprecher Pietruck.

In der Zustellbasis rollt ein Paket nach dem anderen über die Förderbänder. An den Ladeluken warten die Mitarbeiter auf jene Pakete, die zu ihrem Bezirk gehören. Sie schnappen große und kleine Boxen und laden sie ein. Damit die bestellten Geschenke bis Heiligabend unter dem Weihnachtsbaum liegen, arbeiten die Paketboten auch am Sonntag und an Heiligabend. Leone sieht das gelassen: "In der Weihnachtszeit bin ich ja darauf eingestellt, dass es viel zu tun gibt. Am Ende freue ich mich, wenn ich mit der Familie unterm Weihnachtsbaum sitze und die Arbeit endlich vorbei ist."

Doch gleich nach den Feiertagen geht es weiter: "Dann tauschen die Leute ihre Weihnachtsgeschenke um", sagt Neuß, dann lächelt er: "Ich schätze, dass wir rund ein Drittel der Geschenke zweimal transportieren." Auch im neuen Jahr ist Weihnachten bei der Post noch nicht vorbei: "Im Januar ist dann unsere Weihnachtsfeier", klärt Neuß auf.

Von Michael Richmann