Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Schwester M. Salome Zeman über das Sonntagsevangelium

In die Welt gerufen

Die letzten Worte des Matthäusevangeliums haben es in sich: Kurz bevor Jesus seine Jünger verlässt, erteilt er ihnen einen radikalen Auftrag. Und dieser gilt bis heute, sagt Schwester Salome Zeman.

Von Sr. M. Salome Zeman OSF |  Bonn - 26.05.2018

Impuls von Schwester M. Salome Zeman

Immer wieder werde ich mit der Frage konfrontiert, warum ich denn bitteschön in der katholischen Kirche nicht nur arbeite, sondern auch noch mein ganzes Leben verschenke. Schließlich gäbe es da so viele Baustellen, so vieles, was im Argen liegt, so viel Mist, den die Kirche angerichtet hat und immer noch anrichtet. Wie kann man für sowas nur sein Leben vergeuden?

Auf alle diese Vorwürfe muss ich sagen: Stimmt. In der Kirche läuft einiges ziemlich schief. Menschen machen Fehler, oft genug gravierende, und solange in der Kirche Menschen sind, werden in der Kirche auch weiterhin Fehler passieren. Ich will diese Fehler nicht klein- oder schönreden. Aber sie sind für mich auch kein Grund, aufzugeben und alles hinzuschmeißen.

Das heutige Evangelium bestärkt mich darin, dass ich Jesus nur innerhalb der Kirche wirklich nachfolgen kann. Der auferstandene Christus trägt heute seinen Jüngern auf, allen Menschen von ihm zu erzählen, sie zu seinen Jüngern zu machen und sie auf den Namen des dreifaltigen Gottes zu taufen. Wenn ich Jesus wirklich nachfolgen will, dann kann ich mir nicht aussuchen, welche seiner Worte mir gefallen und welche ich lieber ignorieren will. Der Auftrag zur Taufe ist insofern radikal, dass er mich an der Wurzel packt: Durch die Taufe wird der Mensch zu einem neuen Menschen, unwiederbringlich, einmalig, endgültig. Und: Durch die Taufe wird der Mensch Teil der Kirche, ebenso unwiederbringlich, einmalig und endgültig. Ob mir diese Kirche in all ihren Details und Gliedern nun passt oder nicht – ich bin ein Teil von ihr. Seit der Taufe gehört mein Leben nicht mehr mir allein. Es gehört Christus.

Der Missionsauftrag des Evangeliums gilt für alle Menschen, sie alle sollen von Christus und von der unendlichen Liebe und Größe des dreifaltigen Gottes hören und ihm folgen. Dieser Auftrag gilt besonders allen Getauften und damit der Kirche: Auch wir und unsere institutionellen Strukturen, die sich über die Jahrhunderte zu dem entwickelt haben, was sie heute sind, müssen immer wieder neu zurückgerufen werden zu unserem eigentlichen Auftrag. Dieser lautet, alles zu befolgen, was Jesus uns aufgetragen hat, und darauf zu vertrauen, dass er bei uns ist alle Tage bis zum Ende der Welt. Nur, wenn wir selbst immer wieder zurückkehren in die Fußspuren Jesu, können wir sein Licht in die Welt tragen und ausstrahlen.

Von Sr. M. Salome Zeman OSF

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 28,16-20)

In jener Zeit gingen die elf Jünger nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.

Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Die Autorin

Schwester M. Salome Zeman ist Franziskanerin von Sießen, Diplomtheologin und studiert in Freiburg Englisch.

Ausgelegt!

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