Medaillons verschiedener Päpste in der Kirche Sankt Paul vor den Mauern, eine der Papstbasiliken von Rom. Insgesamt sind 266. Päpste mit Porträts in dieser Kirche verewigt.
Bild: © KNA
"Drei-Päpste-Jahre" kamen in der Geschichte öfter vor

In einem Jahr gab es sogar vier Päpste

Das Drei-Päpste-Jahr 1978 war für viele Zeitgenossen eine Sensation, in der Kirchengeschichte jedoch kein Einzelfall. Einmal saßen sogar vier Päpste binnen eines Jahres auf dem Stuhl Petri.

Von Tobias Glenz |  Bonn - 08.09.2018

Der Begriff "Drei-Päpste-Jahr" wird heute zumeist mit dem Jahr 1978 verbunden: Damals folgte Johannes Paul I. dem verstorbenen Paul VI. auf den Stuhl Petri, starb jedoch nur 33 Tage nach seinem Amtsantritt, sodass nach einer erneuten Wahl Johannes Paul II. Pontifex wurde. Kurios? Ein Einzelfall? Keineswegs: Es gab in der Kirchengeschichte mindestens zwölf Drei-Päpste-Jahre sowie sogar ein Vier-Päpste-Jahr. Weitere solcher Jahre sind umstritten, da in ihnen Gegenpäpste bzw. nicht anerkannte Päpste ins Spiel kommen. Katholisch.de gibt einen Überblick über die nach der offiziellen Papstliste des Heiligen Stuhls verbürgten Jahre mit mehr als zwei amtierenden Päpsten.

827: Eugenius II., Valentinus und Gregor IV.

Als erstes unstrittiges Drei-Päpste-Jahr der Kirchengeschichte gilt 827: Nach einem dreijährigen Pontifikat hatte Papst Eugen II. im August jenes Jahres das Zeitliche gesegnet. Nachfolger wurde  Valentinus – zuvor römischer Erzdiakon und als Pontifex ein Kompromisskandidat rivalisierender Parteien. Von der kurzen Amtszeit und den Todesumständen ist nichts Näheres bekannt. Nach etwa einem Monat auf dem Stuhl Petri starb Valentinus. Ihm folgte im Oktober 827 Papst Gregor IV. nach, der dann immerhin knappe 17 Jahre – bis zu seinem Tod im Januar 844 – als Bischof von Rom wirkte. Er trieb mit der Entsendung des heiligen Ansgar unter anderem die Christianisierung Skandinaviens voran und legte das Allerheiligenfest für die gesamte Westkirche auf den 1. November.

896: Formosus, Bonifaz VI. und Stephanus VI.

Noch im 9. Jahrhundert folgte ein zweites Drei-Päpste-Jahr: Papst Formosus ("der Schöne") saß seit 891 auf dem Stuhl Petri. Während seines Pontifikats hatte er sich durch einige politische Entscheidungen bei Teilen des Adels und des Klerus' massiv unbeliebt gemacht – was nach seinem Tod im Jahr 896 noch ein makabres Nachspiel haben sollte. Im April 896 war mit Bonifaz VI. zunächst ein Nachfolger für Formosus gefunden, der jedoch nach nur 15 Tagen im Amt starb. Nach-Nachfolger Stephanus VI. (896-897) ließ dann den verwesten Leichnam des ungeliebten Formosus aus seinem Grab im Petersdom holen, in päpstliche Gewänder hüllen, auf einen Thron setzen und machte dem Toten auf diese Weise den Prozess. Das Schauspiel ging als "Leichensynode" in die Geschichte ein.

897: Stephanus VI., Romanus und Theodorus II.

Doch auch das Pontifikat von Stephanus VI. war nur von kurzer Dauer. Im Sommer 897 war der Papst von Aufständischen gefangen genommen, für abgesetzt erklärt und letztlich erwürgt worden. Im August des Jahres war mit Romanus ein Nachfolger für Stephanus gefunden. Das Ende seines Pontifikats wird auf November 897 datiert. Unklar bleibt, ob Romanus starb – möglicherweise durch Vergiftung – oder abgesetzt wurde und dann als Mönch weitergelebt hat. Auch der nächste Papst, Theodorus II., saß nur knappe drei Wochen auf dem Stuhl Petri. Diese Zeit nutzte er, um die Beschlüsse der Leichensynode rückgängig zu machen und Papst Formosus zu rehabilitieren. Seine Todesursache ist unbekannt, sein Nachfolger Johannes IX. wurde zu Beginn des Jahres 898 gewählt.

Die Päpste des "3-Päpste-Jahres" 1978: Papst Paul VI., Papst Johannes Paul I. und Papst Johannes Paul II..

Die Päpste des "Drei-Päpste-Jahres" 1978: Papst Paul VI., Papst Johannes Paul I. und Papst Johannes Paul II.

964: Johannes XII., Leo VIII. und Benedikt V.

Johannes XII. (955-964) war mit 16 Jahren mutmaßlich der jüngste Pontifex zum Zeitpunkt einer Papstwahl. In seine Amtszeit fiel unter anderem die Krönung Ottos des Großen zum römisch-deutschen Kaiser 962. Im Dezember 963 wurde er dann aufgrund eines vermeintlich unsittlichen Lebenswandels zunächst für abgesetzt erklärt und mit Leo VIII. ein Nachfolger gewählt. Eine von Johannes im Februar 964 eingesetzte Synode exkommunizierte ihrerseits Leo und ließ den Vorgänger für kurze Zeit auf den Papstthron zurückkehren; Johannes XXII. starb jedoch schon im Mai 964 – vermutlich an einem Schlaganfall. Neuer Papst wurde Benedikt V., dessen Pontifikat ebenfalls ein schnelles Ende fand: Eine weitere Synode unter Vorsitz des Kaisers und des abgesetzten Leo erklärte auch Benedikt im Juni 964 für abgesetzt und schickte ihn ins Exil nach Hamburg, wo er im Folgejahr starb. Leo VIII. kehrte auf den Stuhl Petri zurück, segnete aber bereits im März 965 das Zeitliche.

1003: Silvester II., Johannes XVII. und Johannes XVIII.

Unmittelbar nach der Jahrtausendwende folgte ein weiteres Drei-Päpste-Jahr: Silvester II. starb nach einem knapp vierjährigen Pontifikat im März 1003. Im Mai jenes Jahres bestieg Johannes XVII. den Papstthron. Aus dessen Pontifikat ist nur wenig bekannt. Seine bedeutsamste Amtshandlung war wohl die Entsendung des Missionars Benedikt nach Polen, mit der die Christianisierung der Slawen begann. Nach dem Tod des Papstes im November 1003 folgte ihm Johannes XVIII. (†1009) als Bischof von Rom nach. In sein Pontifikat fiel die Gründung des Bistums Bamberg im Jahr 1007.

1045: Silvester III., Benedikt IX. und Gregor VI.

Auf den Ende 1044 abgesetzten und aus Rom vertriebenen Benedikt IX. folgte im Januar 1045 Silvester III. ins Papstamt. Der saß jedoch lediglich zwei Monate auf dem Stuhl Petri: Denn Benedikt gelang es, nach Rom zurückzukehren, woraufhin er seinen Rivalen auf dem Papstthron exkommunizierte und aus der Stadt verjagen ließ. Erneut wirkte er als römischer Bischof. Allerdings war ihm bewusst, dass seine Position in Rom nicht unangefochten war und es jederzeit zu Aufständen kommen könnte. Um sich der Bürde der Amtsführung zu entledigen, entschloss er sich, sein Amt gegen eine Abstandssumme an einen Nachfolger abzutreten – der wurde Gregor VI. (†1046). Benedikt IX. bekleidete übrigens 1047/1048 noch ein drittes und letztes Mal das Papstamt.

1187: Urban III., Gregor VIII. und Clemens III.

Nach einem knapp zweijährigen Pontifikat starb Papst Urban III. Anfang Oktober 1187 – der Legende nach aus Bestürzung über die Eroberung Jerusalems durch Sultan Saladin. Sein Nachfolger wurde Gregor VIII., der mit der Päpstlichen Bulle Audita tremendi vom 29. Oktober 1187 zum Dritten Kreuzzug aufrief. Doch seine Amtszeit währte nicht lange: Mitte Dezember desselben Jahres starb Gregor an einer Fiebererkrankung. Bereits zwei Tage nach seinem Ableben war ein neuer Papst gefunden: Der nannte sich Clemens III. und regierte als Pontifex bis zu seinem Tod im Frühjahr 1191.

1276: Gregor X., Innozenz V., Hadrian V. und Johannes XXI.

Die absolute Ausnahme unter den papstreichen Jahren bildet 1276 – das einzige Vier-Päpste-Jahr der Geschichte. Der in der Kirche als Seliger verehrte Papst Gregor X. starb nach fünfjährigem Pontifikat im Januar 1276. Noch im selben Monat wurde als Nachfolger der französische Dominikaner Pierre de Tarentaise gewählt, der zuvor Mitarbeiter von Thomas von Aquin und Albertus Magnus gewesen war und sich nun Innozenz V. nannte. Der später ebenfalls Seliggesprochene lebte aber nur noch fünf Monate und starb im Juni 1276. Ihm folgte einen Monat später Hadrian V. auf den Papstthron, der jedoch nach nur 38 Tagen im Amt in Viterbo einem Hitzschlag erlag. Im September wurde deshalb der dritte Papst binnen eines Jahres gewählt: Johannes XXI., der im Mai 1277 starb.

Linktipp: Päpstliche Superlative

Wer hat am längsten, wer am kürzesten regiert? Wer war der jüngste, wer der älteste Pontifex? Wer war am produktivsten? Katholisch.de hat die lange Reihe der offiziell 266 Päpste nach einigen "Bestmarken" durchforstet.

1503: Alexander VI., Pius III. und Julius II.

Einer der bekanntesten und vor allem berüchtigtsten Päpste der Kirchengeschichte steht am Beginn des Drei-Päpste-Jahres 1503: Alexander VI. – mit bürgerlichem Namen Rodrigo Borgia. Dieser war 1492 durch Bestechung ins Amt gekommen, sein elfjähriges Pontifikat von Gewalt und ausgiebiger Vetternwirtschaft geprägt. Nach dem Tod des Borgia-Papstes im August 1503 einigte man sich daher auf einen "harmlosen" Kompromisskandidaten: Der bereits an Gicht erkrankte Pius III. sollte jedoch nach nur 26 Tagen im Amt sterben. Das Pontifikat seines Nachfolgers, Julius II. (†1513), stand dann in Sachen Rücksichtslosigkeit und Gewalt der Herrschaft Alexanders VI. in nichts nach. Verbunden wird sein Name heute meist mit der Grundsteinlegung des neuen Petersdoms im Jahr 1506.

1555: Julius III., Marcellus II. und Paul IV.

Papst Julius III. war seit fünf Jahren im Amt, als er im März 1555 starb. Anfang April wählte das Konklave nach vier Wahltagen Marcellus II. zum neuen Papst. Er war bislang der letzte Pontifex, der seinen Geburtsnamen – er hieß Marcello Cervinials Papstnamen verwendete. Nach einem Pontifikat von nur 22 Tagen starb Marcellus an den Folgen eines Schlaganfalls. Ende Mai 1555 folgte ihm Paul IV. auf den Papstthron nach, der sich in seinem vierjährigen Pontifikat wenig Freunde machte: Er erweiterte die Befugnisse der "Heiligen Inquisition", verweigerte die Weiterführung des Konzils von Trient zur Kirchenreform, verpflichtete die Juden zu einem Leben in Ghettos und setzte 1559 eine Buchzensur durch Verbot missliebiger Schriften im "Index librorum prohibitorum" in Kraft.

1590: Sixtus V., Urban VII. und Gregor XIV.

Noch ein drittes Drei-Päpste-Jahr folgte im 16. Jahrhundert: Sixtus V. starb nach über fünfjähriger Amtszeit im August 1590. Ihm folgte mit Urban VII. der Papst mit dem wohl kürzesten Pontifikat der Kirchengeschichte. Das Konklave wählte Giovanni Battista Castagna – so sein bürgerlicher Name – am 15. September 1590 zum Pontifex. Zuvor hatte er bereits als Kardinal und Großinquisitor in der Kirche großen Einfluss gewonnen. Schon in der Nacht nach seiner Wahl erkrankte Urban jedoch schwer – wohl an Malaria – und starb nach nur zwölf Tagen im Amt am 27. September 1590. Nachfolger wurde im Dezember des Jahres Gregor XIV., der nach einem knapp einjährigen Pontifikat einem Nierenleiden erlag.

1605: Clemens VIII., Leo XI. und Paul V.

Nach einem für jene Zeit langem Pontifikat von 13 Jahren starb Papst Clemens VIII. – ein Schüler des heiligen Philipp Neri – im März 1605. Sein Nachfolger wurde am 1. April des Jahres Leo XI., der einer Seitenlinie der bekannten florentinischen Familie Medici entstammte. Kurz nach seiner Wahl erkrankte der bereits 69-jährige Leo – vermutlich an einer Lungenentzündung. Nach einer Amtszeit von nur 27 Tagen starb er. Am 16. Mai 1605 wählte das Konklave einen neuen Papst, Paul V., der zu dem Zeitpunkt das jüngste Mitglied des Kardinalskollegiums war und knapp 16 Jahre regieren sollte.

1978: Paul VI., Johannes Paul I. und Johannes Paul II.

Über 370 Jahre sollten bis zum nächsten und bislang letzten Drei-Päpste-Jahr der Kirchengeschichte vergehen. Papst Paul VI., der während seines 15-jährigen Pontifikats unter anderem das Zweite Vatikanische Konzil zu Ende geführt hatte, starb am 6. August 1978. 20 Tage später war ein Nachfolger gefunden: Der Gewählte war der Patriarch von Venedig, Albino Luciani, der sich den Namen Johannes Paul I. gab. Nach einem Pontifikat von nur 33 Tagen starb der neue Pontifex in der Nacht vom 28. zum 29. September 1978 an einem Herzinfarkt. Schnell kamen jedoch Verschwörungstheorien auf: Der Papst sei ermordet worden – unter anderem sei er dabei gewesen, einen Korruptionsskandal rund um die Vatikanbank IOR aufzudecken. Einem Faktencheck halten die Mordtheorien jedoch nicht stand. Am 16. Oktober 1978 bestieg der Pole Karol Wojtyla den Stuhl Petri: Johannes Paul II. führte in seinem über 26 Jahre währenden Pontifikat die Kirche ins dritte Jahrtausend und wird seit 2014 als Heiliger verehrt.

Von Tobias Glenz

Linktipp: Von Kompromisskandidaten und Pflichterfüllern

In der Geschichte der Päpste gab es viel "Sex and Crime" – aber noch mehr Durchschnittlichkeit. Der Historiker Volker Reinhardt sagt: Gerade die Päpste ohne nennenswerte Eigenschaften waren gut für das Amt.