Eine zerklüftete Insel im Sonnenschein
23 Hektar Land vor der Küste Galways

Irland: Klosterinsel zu versteigern

Die irische Westküste ist karg und zerklüftet, aber wunderschön. Ein Auktionshaus bietet dort nun eine ganze Insel zum Verkauf an - samt historischer Klosterruine. Interessenten müssen jedoch über das passende Kleingeld verfügen.

Von Gabriele Höfling |  Bonn/Galway - 23.02.2019

Die Küste des Landstrichs Connemara bei Galway im Westen Irlands ist grün, karg, zerklüftet, bisweilen wolkenverhangen und wunderschön. Die raue See davor ist durchzogen von einer ganzen Schar vorgelagerter kleiner Inseln. Eine davon steht jetzt zum Verkauf – und bietet etwas, das sie für kauffreudige Katholiken möglicherweise besonders attraktiv machen dürfte.

Klosterkirche am Ufer eines Sees

Denn auf dem rund 1,2 km langen und 0,4 km breiten Eiland, das über und über im Gras bedeckt ist, befinden sich die Ruinen eines Klosters, dessen Anfänge vermutlich aus dem siebten Jahrhundert stammen. Das Bauwerk auf "High Island" (oder auf Gälisch: Ardoileán) steht zwar unter der Fürsorge einer staatlichen Denkmalschutzbehörde und ist deswegen vom Verkauf ausgenommen, aber wie das englischsprachige Portal "Aleteia" berichtet, steht es dem neuen Besitzer natürlich frei, die Ruinen zu besuchen. Fotos zeigen die grauen Mauern der Kirche inklusive den Resten eines kleinen Altars. Die frühere Klosterkirche befindet sich am Ufer eines kleinen Süßwassersees im Tal, das die Mauern noch heute vor den starken Winden schützt.

Ruine einer Klosterkirche

Die Ruine einer Klosterkirche auf der Insel "High Island" vor der irischen Westküste

Gegründet worden ist das Kloster laut der Überlieferung von dem Irischen Heiligen St. Feichin, dessen missionarischen Engagement sowohl auf irischen Inseln und als auch dem Festland noch mehrere Konvente ihre Entstehung verdanken. Zu den Hochzeiten des Klosters auf "High Island" lebten nach Angaben des Auktionshauses Spencer zwischen 50 und 70 Menschen auf dem windumwehten Fleckchen Erde. Wissenschaftler haben auch elf Gräber gefunden, von denen sechs noch über ihre Grabsteine verfügen. Nach Schätzungen stammen die Ruhestätten aus dem elften bis dreizehnten Jahrhundert.

Wer sich für die Insel interessiert, sollte allerdings etwas Kleingeld übrig haben: Für 1,25 Millionen Euro bietet sie Spencer an. Dafür bekommt der Käufer 32 Hektar Land, die sich bis zu 63 Meter über den Meeresspiegel erheben. Laut dem Auktionshaus ist die Insel ein Paradies für viele Vogelarten. Auch Robben sollen sich auf dem Fleckchen Erde wohlfühlen. Neben der Klosterruine und zwei Seen befinden sich dort auch noch Reste einer historischen Wassermühle, verschiedener Bienenkorbhütten, die Überbleibsel einer wegen Erfolglosigkeit im 19. Jahrhundert nur sehr kurz betriebenen Kupfer-Mine mit dazugehörigem Cottage und ein Abwassertank. Ob der noch funktioniert, muss der neue Besitzer allerdings selbst testen. Außerdem weist das Auktionshaus darauf hin, dass es für potentielle Kaufinteressenten von Vorteil sei, einen Helikopter zu besitzen. Die gut 3,5 Kilometer vom Festland per Boot zu wagen, sei dagegen nichts für schwache Nerven.       

Mögliche Kauf-Interessenten reihen sich übrigens in eine Reihe von durchaus prominenten Vorbesitzern ein: Von den 1960er Jahren bis 1998 gehörte "High Island" dem irischen Dichter Richard Murphy. Dieser hat den Ort nicht nur als Inspiration in seinen Gedichten verarbeitet. Er ist auch überliefert, dass er zunächst recht enthusiastisch war und sich vornahm, die dortigen Gebäude wie die Bienenstockhütten und auch die Klosterruinen instand zu setzen. Dann habe er allerdings fünf Tage am Stück auf der Insel verbracht, währenddessen aber nur 20 Minuten die Sonne gesehen – und seine Pläne wieder aufgegeben. Er sei weder ein Einsiedler noch ein Heiliger, soll er damals konstatiert haben. Schließlich verkaufte er die Insel an einen Freund.

Geschichte reicht bis zu 3.000 Jahre zurück

Dabei handelt es sich um einen geschichtsträchtigen Ort — und das nicht nur wegen des Klosters: Schon bis zu 1.000 Jahre vor Christus könnten sich nach Angaben von Archäologen Menschen auf der Insel befunden haben. Und möglicherweise haben ja auch damals schon diese ersten Siedler die rauhe Schönheit der Natur genossen.      

Von Gabriele Höfling