EU-Flagge und Nobelmedaille
Reaktionen auf den Friedensnobelpreis für die EU

Ist es uns eine Ehre?

Deutsche und europäische Vertreter aus Politik und Gesellschaft haben zur Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU Lob und Kritik geäußert. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso bezeichnete die Auszeichnung in Brüssel als "große Ehre" für die 500 Millionen Bürger der 27 Mitgliedstaaten.

- 13.10.2012

Für die EU sei der Preis gerade angesichts der globalen Herausforderungen ein "wichtiges Zeichen". Sie sei ein Friedensprojekt, das es geschafft habe, nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg zerstrittene Länder zu vereinen.

Bundespräsident Joachim Gauck nannte den Nobelpreis für die EU eine große Ermutigung in schwieriger Zeit. "Die Europäische Union steht für ein in der Geschichte einzigartiges Projekt des Friedens und der Freiheit", erklärte Gauck in Berlin. Die Gemeinschaft der Europäer bringe damit ihre Werte von Frieden und Freiheit, von Recht und Sicherheit, von Vielfalt und Toleranz zum Ausdruck. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte der Zeitung "Die Welt" (Samstag) die Auszeichnung zeige, dass die EU weit mehr sei als ein großer Markt, eine Verwaltung und eine gemeinsame Währung; sie sei eines der "erfolgreichsten Friedensprojekte der Menschheit".

Der Vorsitzende der EU-Bischofskommission COMECE, Kardinal Reinhard Marx, sagte, die Verleihung sei ein deutliches Zeichen dafür, dass Europa "ein Beitrag sein kann für eine bessere Welt"; daran hätten auch politisch engagierte Christen großen Anteil. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) betonte, angesichts von Schulden- und Finanzkrise werde häufig vergessen, dass Europa seit Jahrzehnten Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalität baue. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, erklärte, durch den Preis werde das unablässige Engagement zivilgesellschaftlicher Akteure, darunter auch der Kirchen, geehrt.

Der Friedensnobelpreis

Der aktuell mit umgerechnet 925.000 Euro dotierte Friedensnobelpreis geht auf den schwedischen Industriellen Alfred Nobel zurück und wird seit 1901 in Oslo vergeben. Zu den früheren Preisträgern gehören unter anderem Barack Obama, Mutter Teresa und der polnische Gewerkschafter Lech Walesa. Traditionell wird der Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Oslo übergeben.

Schick: Mahnung, mehr als nur Währungsunion zu sein

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick bewertete Friedensnobelpreis als eine Mahnung an die EU, nicht nur eine Währungs- und Wirtschaftsunion zu sein. Europa müsse als Wertegemeinschaft, die auf der christlichen Tradition beruhe, verstanden werden, sagte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Dies dürfe auch bei den Beitrittsverhandlungen mit anderen, islamisch geprägten Staaten nicht vergessen werden. Gerade in Zeiten der finanziellen Krisen sei es notwendig, sich auf den besonderen Auftrag zu besinnen, das Wohl und Heil der Menschen zu fördern.

Unterdessen kritisierte die "Ökumenische Aktion Ohne Rüstung Leben" die Entscheidung als unangemessen, da sich EU-Staaten an "Kriegseinsätzen" in Afghanistan, Libyen und dem Irak beteiligten und durch Rüstungsexporte ein "weltweites Wettrüsten" anheizten. Die Bürgerinitiative Aachener Friedenspreis nahm die Nachricht "mit Entsetzen" zur Kenntnis. Sie habe erst vergangene Woche die Organisation Borderline Europe ausgezeichnet, die gegen die "menschenverachtende Flüchtlingspolitik" der EU arbeite. Die Hilfsorganisation "Human Rights Watch" forderte in Brüssel, die Stimme der EU müsse auch dann zu hören sein, wenn derjenige, der Menschenrechte verletze, politische und finanzielle Macht besitze.

Das Nobelkomitee begründete seine Entscheidung am Freitag damit, die Mitgliedstaaten der EU hätten demonstriert, wie man durch klar definierte Ziele und den Aufbau von Vertrauen Feindschaften überwinden könne. Mit Blick auf die aktuellen wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten der EU wolle man an die stabilisierende Rolle der Union für die Schaffung eines weithin friedlichen Kontinents erinnern.