Der designierte Bischof von Dresden-Meißen, Heiner Koch, hat sich am Mittwoch, 23.01.13, in Dresden der Presse vorgestellt.

Ja zur Diaspora

Neblig ist es in Dresden. Das Thermometer zeigt an diesem Morgen minus sieben Grad. Doch trotz des grauen Himmels und der Kälte haben sich etwa 20 Fotografen auf dem Theaterplatz am Reiterstandbild des sächsischen Königs Johann versammelt und warten. Auf den Platz zwischen Semperoper und Hofkirche kommen jetzt auch Kinder. Eine Fahne des Dresdner Benno-Gymnasiums ist zu sehen und ein Schild, das die Jungen als Dresdner Kapellknaben ausweist. Dann kommt der Mann, auf den alle gewartet haben: Der Kölner Weihbischof Heiner Koch.

Dresden - 23.01.2013

"Ich bin froh, dass Sie da sind. Da bin ich nicht allein", grüßt der designierte Bischof der Diözese Dresden-Meißen . Dann klicken erst einmal die Fotoapparate.

So kalt die Temperaturen auch sein mögen, die Begegnung ist herzlich. Die Fotografen setzen den neuen Bischof in Szene, rufen "Schauen Sie zu mir". Die Kapellknaben bringen dem neuen Bischof währenddessen ein Ständchen. Ein älteres Ehepaar schlendert vorbei und grüßt freundlich. "Auf ein gutes Miteinander", wünscht der neue Bischof. Ein Satz, der ankommt.

Keine Angst vor der Diaspora

Angekommen ist Bischof Koch bereits am Tag zuvor. Auf der Autobahn von Köln nach Dresden, nahe Gera, sei ihm erstmals bewusst geworden, in "seinem Bistum" zu sein. Von der Fläche her ist Dresden-Meißen ein großes Bistum – etwa dreimal so groß wie das Erzbistum Köln. Bei den Katholikenzahlen ist das Verhältnis genau anders herum. Nur wenige Menschen in Ostthüringen und Sachsen sind katholisch – circa 140.000 oder vier Prozent der Bevölkerung. In Köln sind es über zwei Millionen. Heiner Koch wird Diaspora-Bischof.

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Für die katholisch.de-Serie "Freundebuch" hat uns Heiner Koch einen Einblick in sein Leben gewährt.

Angst davor hat er nicht. Ein deutliches "Ja" hat er den Dresdnern heute gesagt und berichtet vom Heiligen Abend des vergangenen Jahres: "Im Kölner Dom stand ich in der Christnacht vor der Weihnachtskrippe. Da habe ich ein großes 'Ja' auf einen Zettel geschrieben und dem Christuskind in die Krippe gelegt. Danach habe ich den Brief nach Dresden geschrieben", erzählt Heiner Koch von der Berufung zum Diözesanbischof.

Jetzt freut sich Weihbischof Koch über die Offenheit der Menschen in seinem neuen Bistum . Er will "Menschen achtsam begegnen, zuhören, aufnehmen". Dennoch möchte er ein streitbarer Bischof sein: Die Ökumene mit der evangelischen Kirche und den orthodoxen Kirche sei auch den Katholiken im Rheinland ein Anliegen. "Da muss man auch Respekt vor den Traditionen der anderen haben. Aber ich finde es furchtbar, wenn nicht mehr gestritten wird", sagt Koch.

Ich mische mich gerne ein!

Zitat: Heiner Koch

"Ich mische mich gerne ein", ist dann auch die klare Antwort auf die Frage, ob er sich als Bischof auch zu gesellschaftlichen und politischen Fragen in der Öffentlichkeit äußern werde. Wortgewandt ist Heiner Koch und beantwortet auch die unangenehmen Fragen bei diesem Pressegespräch. Dass zwei Kölner Kliniken die Behandlung einer vergewaltigten Frau ablehnten, verurteilt er. Heiner Koch sagt auch, dass die wissenschaftliche Aufarbeitung des Missbrauchs von Minderjährigen durch einen anderen Wissenschaftler als dem Kriminologen Christian Pfeifer erfolgen soll. Die Aufarbeitung von Missbrauch in der katholischen Kirche nennt er weiter eine mittlere Katastrophe. "Wir können danach nicht einfach so weitermachen wie vorher." Klare Worte.

Noch unentschieden

Heiner Koch ist im Rheinland geboren und aufgewachsen, doch in Dresden berichtet er von seinen Wurzeln im Osten: "Mein Vater kommt aus Breslau, meine Mutter aus Cosel in Oberschlesien." Und aus Schlesien kommt auch sein Bischofsring. Das Breslauer Domkapitel hat Koch den Ring 2006 zu seiner Weihe geschenkt. Seine Fröhlichkeit und die Liebe zum Karneval seien jedoch typisch rheinisch: "Ich bin Regimentsbischof der Prinzengarden von Köln und Düsseldorf. Ob ich deshalb auf einer Vorschlagsliste für den Friedensnobelpreis stehe, weiß ich nicht", sagt Heiner Koch und spielt damit auf die Rivalität der beiden Karnevalshochburgen an. Auf den Karneval wird der neue Bischof im Osten nicht verzichten müssen: Die sorbische Gegend um Kamenz und Wittichenau gilt als Hochburg des sächsischen Karnevals. Bis zu seiner Amtseinführung am 16. März hat Bischof Koch nur wenige Termine in seinem neuen Bistum. Den evangelischen Landesbischof und den Ministerpräsidenten will er treffen. Ein erster Höhepunkt kommt dann zwei Tage nach seiner Einführung: Der 1. FC Köln spielt gegen Dynamo Dresden. "Raten Sie mal, wo ich dann bin?", fragt Bischof Heiner Koch. Wem er den Sieg in Dresden gönnt? Lachend zieht er sich aus der Affäre: "Ich hoffe auf ein Unentschieden".

Von Markus Kremser

Bistum Dresden-Meißen

Das Bistum Dresden-Meißen liegt in Sachsen und im Osten Thüringens. In seinen rund 100 Pfarrgemeinden leben etwa 140.000 Katholiken, rund vier Prozent der Bevölkerung. Nur in den Siedlungsgebieten der sorbischsprachigen Minderheit in der Oberlausitz gibt es einen höheren Katholikenanteil. Seine Wurzeln reichen bis ins 10. Jahrhundert. Das alte Bistum Meißen wurde 968 gegründet. Im Zuge der Reformation ging es unter. Im 18. Jahrhundert erhielt die katholische Kirche in Sachsen wieder Auftrieb, nachdem Kurfürst August der Starke 1697 zum Katholizismus konvertiert war, um die polnische Königskrone erlangen zu können. Sein Sohn August III. ließ die 1755 fertiggestellte katholische Dresdner Hofkirche errichten. 1921 erhob Papst Benedikt XV. die damalige Apostolische Präfektur Meißen zum neuen Bistum Meißen mit Bischofssitz in Bautzen. Nach 1945 wuchs die Zahl der Katholiken durch Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten Europas. 1979 wurde der Name des Bistums in Dresden-Meißen geändert, der damalige Bischof Gerhard Schaffran verlegte im folgenden Jahr den Bischofssitz nach Dresden. Dort fand 1987 das einzige DDR-weite Katholikentreffen mit mehr als 100.000 Teilnehmern statt. 1994 waren die sächsische Landeshauptstadt und das Bistum Gastgeber des 92. Deutschen Katholikentags. (KNA)