Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Pater Philipp König über das Sonntagsevangelium

Jesu Worte sind Tat-Worte!

Worte können unglaubliche Macht entfalten, weiß Pater Philipp König. Das merkte auch der Taubstumme aus dem heutigen Sonntagsevangelium, dessen Leben sich nach der Begegnung mit Jesus für immer veränderte.

Von P. Philipp König OP |  Bonn - 08.09.2018

Impuls von Pater Philipp König

Worte können unglaubliche Macht entfalten. Wenn jemand es versteht, geschickt mit ihnen umzugehen, dann sind sie zu fast allem fähig: Worte können Menschen ermutigen und aufbauen, mitreißen und begeistern. Doch aus Worten können auch gefährliche Waffen werden, welche die Wahrheit verdrehen, andere demütigen und ausschalten, ja sogar ganze Menschenmengen aufhetzen. Wir tun gut daran, besonders sorgsam mit unseren Worten umzugehen, denn manchmal genügt ein einziges von ihnen und nichts ist mehr wie es einmal war.

Erinnern Sie sich noch daran, wie jemand ein Wort zu Ihnen sagte, das Sie wirklich im Innersten berührt hat? Hoffentlich war es ein gutes Wort! Eine Freudennachricht zum Beispiel, eine Liebeserklärung oder einfach eine Ermutigung. Ich erinnere mich an ein Wort, das einmal jemand zu mir sagte, als ich mich in einer persönlichen Krise befand und nicht wusste, welchen Weg ich in meinem Leben einschlagen sollte: "Geh deinen Weg weiter bis zum Ziel", lautete dieses Wort, das mir damals Sicherheit und neue Orientierung gab. Es klingt bis heute in meinem Inneren nach. Es war ein Wort, das mich wirklich berührt hat.

Wenn schon Worte von Menschen so eine Wirkung entfalten, um wie viel mehr muss das bei Jesu Worten der Fall sein? Der Taubstumme, von dem im heutigen Sonntagsevangelium die Rede ist, hat das ganz deutlich gespürt: Ein Wort von Jesus genügte, dazu zwei Zeichenhandlungen, und der Mann konnte reden und hören. "Effata!" lautet dieses Wort, und mir kommt es fast so vor, als könne ich darin die Stimme Jesu noch nachklingen hören. Jesus hat den Taubstummen berührt, nicht nur mit seinen Fingern und mit Speichel, sondern insbesondere mit diesem einen Wort "Effata!", "Öffne dich!". Das hat das Leben des Mannes so verändert, dass er fortan reden und hören konnte. Das berührende Wort Jesu hat gewirkt, es hat den Mann frei gemacht. Jesu Worte sind Tat-Worte!

Ich bin mir sicher, dass Jesus noch heute für jeden und für jede so ein Tat-Wort bereithält und es zu uns spricht. Welches ist das Wort Jesu, das Sie ganz tief berührt und das in Ihnen nachklingt? Karl Rahner, der große Theologe, sah in Jesus selbst das Wort schlechthin, das Gott zur Welt und zu einem jeden Menschen spricht:

"Gott hat sein letztes, sein tiefstes, sein schönstes Wort im fleischgewordenen Wort in die Welt hineingesagt, ein Wort, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, weil es Gottes endgültige Tat, weil es Gott selbst in der Welt ist. Und dieses Wort heißt: Ich liebe dich, du Welt und du Mensch. Ich bin da, ich bin bei dir. Ich bin deine Zeit. Ich weine deine Tränen. Ich bin deine Freude. Ich bin in deiner Angst (…). Ich bin da." (Karl Rahner, aus: Sämtliche Werke, Band 7: Der betende Christ. Geistliche Schriften und Studien zur Praxis des Glaubens, Freiburg 2013)

Von P. Philipp König OP

Aus dem Evangelium nach Markus (Mk 7, 31-37)

In jener Zeit verließ Jesus das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis.

Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich!

Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit, und er konnte richtig reden. Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt. Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

Der Autor

Pater Philipp König ist Dominikaner und arbeitet als Kaplan und Jugendseelsorger in Leipzig.

Ausgelegt!

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