Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Pater Josef Maria Böge über das Sonntagsevangelium

Jesus kommt wegen unserer inneren Dunkelheit

Unsere Wohnungen mögen hell erleuchtet sein - in der Welt und in den Herzen vieler Menschen gibt es lauter Finsternisse. Wegen unserer Gleichgültigkeit, Gewalt und unserem Hass kommt der Sohn Gottes als Licht in unsere Welt, meint Pater Josef Maria Böge und legt das Evangelium aus.

Von P. Josef Maria Böge OSB |  Bonn - 16.12.2017

Impuls von Pater Josef Maria Böge

Im Advent bereiten wir uns auf das Weihnachtsfest vor – auf die Begegnung mit Gott, der als kleines Kind in unsere Welt und in unser Leben kommt. Im Evangelium des dritten Adventssonntags bietet uns die Heilige Schrift ein treffendes Bild für dieses wunderbare und geheimnisvolle Geschehen an: Jesus ist das Licht der Welt.

Der Anfang des Johannesevangeliums berichtet vom Wirken des Täufers Johannes. Er ist ein Prophet – gerufen und gesandt von Gott. Ein Prophet soll Gottes Stimme in der Welt hörbar machen – und genau das tut Johannes. In seiner einfachen Lebensweise und in seinem Aufruf zur Umkehr weist er über sich selbst hinaus. Er weist auf den Messias hin, den von Gott verheißenen und gesandten Retter. Aber auch er kann ihn nur mit Bildern beschreiben: Er wird ein Licht für die Menschen sein.

Vielleicht ist das Bild des Lichtes für uns nicht ganz einfach verständlich, weil wir in einer Zeit leben, in der Licht immer verfügbar ist. Mit elektrischem Licht können wir unsere Arbeitsräume und Wohnungen hell machen. Doch im Bild, welches Johannes gebraucht, geht es um eine andere Wirklichkeit unseres menschlichen Lebens. In unserer Welt, aber auch in unserer Seele gibt es viele Dunkelheiten – Neid, Missgunst, Einsamkeit, Bosheit, Gleichgültigkeit, Unmäßigkeit, Ausbeutung, Hass, Gewalt und andere Dinge.

Jesu Kommen ist die göttliche Antwort auf den düsteren Zustand unserer Welt und die Finsternis in den Herzen der Menschen. Der Sohn Gottes kommt als Licht in unsere Welt, um die Dunkelheiten unseres Herzens hell zu machen. Jesus lädt uns ein, die dunklen Seiten unseres Lebens wahrzunehmen. Wenn wir unser Leben in seinem Licht sehen, wenn wir auf diesem Wege mit Jesus in Berührung kommen, dann geschieht Veränderung. ER will uns in seinem Licht der Liebe wandeln und uns so ein neues wunderbares Leben in der Gemeinschaft mit IHM schenken.

Johannes der Täufer hat in seinem Leben offensichtlich etwas von dieser göttlichen Botschaft erfahren und er ist der Zeuge der Ankunft Gottes in der Welt. Er ruft uns zu: "Jesus will zu dir kommen, er will dein Leben hell machen und dir seine Liebe schenken. Öffne dein Herz und bereite seinem Licht einen Weg in dein Leben."

Nutzen wir die Chance dieser Adventszeit – steigen wir wenigstens für eine kleine Weile aus den vorweihnachtlichen Aktivitäten aus, gönnen wir uns Zeiten der Stille, lesen wir ein wenig in der Bibel und sprechen im Gebet mit Gott. So öffnen wir unser Herz, damit das göttliche Kind dort wohnen kann.

Von P. Josef Maria Böge OSB

Evangelium nach Johannes (Joh 1, 6-8.19-28)

Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war; sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.

Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Dies ist das Zeugnis des Johannes: Als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du?, bekannte er und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Messias.

Sie fragten ihn: Was bist du dann? Bist du Elija? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein. Da fragten sie ihn: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Auskunft geben. Was sagst du über dich selbst?

Er sagte: Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. Unter den Abgesandten waren auch Pharisäer.

Sie fragten Johannes: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elija und nicht der Prophet? Er antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt und der nach mir kommt; ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Dies geschah in Betanien, auf der anderen Seite des Jordan, wo Johannes taufte.

Der Autor

P. Josef Maria Böge OSB ist Benediktinermönch in der Abtei Plankstetten.