Kardinal Walter Kasper im Profil
Kasper und Schick sprechen bei Empfang über Ökumene

Kardinal hält Kircheneinheit für realistisch

Der frühere "Ökumeneminister" Kardinal Kasper hält eine Wiedervereinigung der Christen für möglich. Auch zur Frage, ob konfessionsverbindende Familien zur Kommunion zugelassen werden können, äußerte er sich.

Coburg - 28.01.2017

Eine Wiedervereinigung der Christen ist nach Einschätzung des früheren vatikanischen Ökumenechefs Walter Kasper in absehbarer Zeit möglich. Es werde aber keine Einheitskirche entstehen, "in der alles gleichgestaltet wird, sondern eine Einheit in versöhnter Verschiedenheit, in der auch die geschichtlich gewachsenen Formen respektiert werden müssen", sagte der emeritierte Kurienkardinal am Samstag beim Neujahrsempfang der Erzdiözese Bamberg in Coburg. Auch Erzbischof Ludwig Schick rief zu energischen Anstrengungen für Ökumene und Kircheneinheit auf.

Die theologischen Differenzen, etwa in der Ämterfrage oder bei der Kommunionzulassung, sind nach den Worten Kaspers lösbar. Er verwies auf das von Papst Franziskus skizzierte Bild eines Polyeders. Dies ist ein vielflächiges Gebilde, ähnlich einem Bergkristall, das "in wunderbarer Weise reflektiert", wenn Licht darauf falle. "Das ist ein Bild, noch keine Lösung", fügte Kasper mit Blick auf eine mögliche Einheitskirche hinzu. "Aber das Bild deutet in eine Richtung, in die wir weitergehen können und müssen. Schritt für Schritt."

Kommunion bei konfessionsverbindenden Familien sei flexibel formuliert

Die ökumenischen Gespräche dürften nicht als Anpassung oder als Einigung auf dem kleinsten Nenner verstanden werden, ergänzte der langjährige Präsident des Päpstlichen Einheitsrates. Es gehe um den Austausch von Ideen und Gaben, "welche die verschiedenen Kirchen besitzen". Der Dialog solle nicht zu einer Verarmung der katholischen oder evangelischen Identität führen.

Das war mein ökumenisches Opfer.

Zitat: Der ehemalige Präsident des Päpstlichen Einheitsrates Kasper über seine Gespräche mit der russisch-orthodoxen Kirche im Moskau, bei denen stets reichlich Wodka gereicht wurde

Zur Frage der Kommunionzulassung konfessionsverbindender Familien sagte Kasper, die Lösung dieses pastoralen Problems sei gar nicht so schwierig. Die Einheit der Kirche verbiete die Teilnahme von Nichtkatholiken in den meisten Fällen; doch die Sorge um die Gnade empfehle sie in manchen Fällen. "Das ist sehr flexibel formuliert", unterstrich der Kurienkardinal. Es gebe Raum für pastorale Lösungen, die meisten Priester kämen damit gut zurecht.

Erzbischof: Mehrere Reformationen im 16. Jahrhundert

Nach den Worten des Bamberger Erzbischofs Schick gab es im 16. Jahrhundert mehrere Reformationen. "Vielleicht sollten wir besser den Plural nehmen", betonte er. Auch katholische Reformer wie Ignatius von Loyola, Teresa von Avila, Karl Borromäus und Franz von Sales hätten das Ziel gehabt, die Christenheit zu erneuern. "An diese Erneuerung wollen wir denken und sie verheutigen", so der Erzbischof. Dadurch könnten die Christen auch der Einheit der Kirche wieder näher kommen. "Das ist unser Wunsch. Das muss unser Anliegen sein. Das ist der Auftrag, den uns Jesus Christus selber gibt."

Bild: © KNA

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick: "An diese Erneuerung wollen wir denken und sie verheutigen."

Die Fragen der Christen seien heute anders als vor 500 Jahren, unterstrich Schick. Nach seinen Worten sind die Suche nach einem gnädigen Gott oder persönliche Gewissensbisse weniger zentral als damals. Die Menschen beschäftigten sich heute mit ganz anderen Fragen, etwa mit der Suche nach einer friedlichen und gerechten Welt, der Bewahrung der Schöpfung oder mit dem Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen, Ethnien und Religionen. Auch auf diese Fragen könnten und wollten Jesus Christus und das Evangelium Antworten geben.

Weltweit wird in diesem Jahr an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren erinnert. Als Auftakt der bedeutenden Umwälzungen, die zur Kirchenspaltung führten, gilt die Veröffentlichung der Ablassthesen durch Martin Luther am 31. Oktober 1517 in Wittenberg. Das Reformationsgedenkjahr 2017 soll im ökumenischen Geist begangen werden. Schick sprach in Coburg von einem "Christusjubiläum".

An dem Empfang im Coburger Kongresshaus Rosengarten nahmen mehr als 800 Persönlichkeiten aus Politik, Kirchen und Gesellschaft teil, unter ihnen Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Gesundheitsministerin Melanie Huml (beide CSU) sowie die evangelische Regionalbischöfin Dorothea Greiner. Ein Grußwort hielt auch Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD). Schick und Kasper trugen sich ins Goldene Buch der Stadt ein. (luk/KNA)