Kardinal Lehmann tritt zurück
Bild: © Bistum Mainz
Mainzer Bischofsstuhl ab Dienstag nach 33 Jahren erstmals unbesetzt

Kardinal Lehmann tritt zurück

Kardinal Karl Lehmann tritt von seinem Mainzer Bischofsamt zurück. Der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, gab in Mainz die Annahme von Lehmanns Rücktrittsgesuch durch Papst Franziskus bekannt.

Mainz - 16.05.2016

Zu dem Gottesdienst hatten sich rund 1.200 geladene Gäste im Dom versammelt, darunter zahlreiche hochrangige Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft. In seiner Predigt sprach Lehmann von der Liebe Gottes zu allen Menschen als der Grundbotschaft des christlichen Glaubens. Diesen Glauben, den er für kostbarer halte als alles andere, habe er als Priester, Theologe und Bischof lebendig zu verkünden gesucht, sagte der Kardinal. In seinem Schlusswort zitierte er den Apostel Paulus: "Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark! Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe."

Papst dankt Lehmann für "beachtlichen Dienst"

Der Gottesdienst wurde live in der ARD und bei katholisch.de übertragen und konnte vor dem Dom auf einer Großbildleinwand verfolgt werden. Papst-Botschafter Eterovic dankte Lehmann im Namen von Franziskus für den "beachtlichen Dienst", den er für den Heiligen Stuhl geleistet habe. Lehmann wurde am 16. Mai 1936 im schwäbischen Sigmaringen geboren und stand fast 33 Jahre an der Spitze des Bistums Mainz. Von 1987 bis 2008 war er zudem Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Anfang 2001 erhob ihn der damalige Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zum Kardinal.

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Zahlreiche Prominente haben Kardinal Karl Lehmann am Samstag zu dessen 80. Geburtstag am Pfingstmontag gratuliert - darunter Kardinal Reinhard Marx, Kanzlerin Angela Merkel und Fußballtrainer Jürgen Klopp.

Lehmann gilt als Brückenbauer und "Mann des Dialogs". Er steht für ein weltoffenes, lebensbejahendes Christentum und für ökumenische Offenheit. Nach offizieller, aber nicht gesicherter Zählung war er der 102. Bischof von Mainz. Mit seinem Rücktritt beginnt für das Bistum Mainz eine Phase, die im kirchlichen Sprachgebrauch Sedisvakanz genannt wird. Sie endet mit der Wiederbesetzung des Mainzer Bischofsstuhls. Bis dahin dürften erfahrungsgemäß Monate vergehen.

Ein "wunderbarer Bischof"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bezeichnete Lehmann bei einem Grußwort im Rahmen des Gottesdienstes als"großes Geschenk". Marx würdigte ihn als engagierten Bischof und Seelsorger, Theologen und Menschenfreund. Lehmann habe mit seinem Wirken die Herzen der Menschen erreicht und die Kirche Deutschlands nachhaltig geprägt, so der Münchner Kardinal. Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, nannte Lehmann einen "wunderbaren Bischof". Wie kein anderer habe er über ein halbes Jahrhundert hinweg die Ökumene in Deutschland vorangetrieben, sagte Jung und dankte hierfür auch namens des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). (stz/KNA)

Würdigung von Kardinal Reinhard Marx

Bei der Festmesse im Mainzer Dom würdigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, seinen Vorgänger in diesem Amt, Kardinal Karl Lehmann, angesichts dessen 80. Geburtstag als engagierten Bischof und Seelsorger, Theologen und Menschenfreund.

"Auch im hohen Alter zeigst Du uns allen, mit welcher Freude und Frische als Theologe und Seelsorger Du gewirkt hast und weiter wirkst. Dafür sind wir alle dem Herrn sehr dankbar", so Marx. "Du hast epochale Umbrüche unseres Landes und in der Kirche miterlebt und mitgestaltet. Wir empfinden großen Respekt und große Dankbarkeit angesichts Deines Wirkens, mit dem Du die Herzen der Menschen erreicht und die Kirche Deutschlands nachhaltig geprägt hast. Wer Dich kennt und erlebt, der erfährt eine große menschliche Verbindlichkeit - einen Menschen, der zuhört und durch seine Umsicht und geistliche Klugheit Vorbild für viele geworden ist."

Der Wahlspruch Lehmanns aus dem Korintherbrief, "Steht fest im Glauben", sei bis heute für den Kardinal eine Verpflichtung: "In Predigten und Vorträgen, bei Diskussionen und in Veröffentlichungen hast Du von Deinem Glauben erzählt, von Deinen Erfahrungen, von den Höhen und Tiefen, die Du im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben erlebt hast. Es war aber nie ein Klagen oder Lamentieren, sondern grundsätzlich ein Reden aus der Verbundenheit mit Christus heraus und der Hoffnung, die er ermöglicht", betonte Marx.

Die Bischofskonferenz sei Lehmann dankbar für dessen aufopferungsvollen, bis an den Rand der physischen Kräfte gehenden Dienst. Marx: "Dabei denke ich besonders an die prägenden mehr als zwei Jahrzehnte, in denen Du die Konferenz geleitet hast. Ich erinnere aber auch an Deinen Einsatz als Vorsitzender der Glaubenskommission, den Du bis heute wahrnimmst. Wir sind dankbar für Deine theologischen Impulse, gesellschaftlichen Wortmeldungen und theologisch und geistlich tiefen Predigten."

Weit über die Landesgrenzen hinaus habe Kardinal Lehmann ein leuchtendes Beispiel für eine lebendige Kirche Deutschlands gegeben. "Von Deiner intellektuellen Schaffenskraft zeugen Deine zahlreichen Ehrenpromotionen ebenso wie Dein engagierter Einsatz in verschiedenen römischen Dikasterien. Auf vielen Bischofssynoden in Rom warst Du prägend dabei und hast immer, bis auf den heutigen Tag, aus Deinen römischen Erfahrungen als Seminarist und dem direkten Erleben der Konzilszeit in Rom gelebt und geschöpft. Auch in der Begegnung und Auseinandersetzung mit Kritikern warst Du immer dialogbereit, menschlich weit und gelassen", so Marx. Er fügte hinzu: "Ich habe viel von Dir gelernt und bewundere Deine theologische Brillanz, aber auch Deinen Humor und immer wieder Deine Menschenfreundlichkeit. Für das neue Lebensjahrzehnt wünsche ich Dir Gottes reichen Segen und hoffe, dass Du der Kirche in Deutschland noch lange als Vorbild im Glauben und als Wegbegleiter zur Seite stehst."

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Ende einer Ära: Kardinal Lehmann ist am Montag, seinem 80. Geburtstag, in Mainz mit lachenden und weinenden Augen gefeiert worden. Der Ehrentag bedeutete zugleich den Abschied Lehmanns vom Bischofsamt.