Neu in Rom: der frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller.
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Zehn Jahre "Institut Papst Benedikt XVI." in Regensburg

Kardinal Müller würdigt Benedikt XVI. als "Kirchenvater"

Mit dem Segen von Benedikt XVI. wurde 2008 ein Institut eingerichtet, um sein wissenschaftliches Werk zu erfassen und herauszugeben. Zwei Drittel der Aufgabe sind geschafft. Zum Jubiläum würdigten die Bischöfe Müller und Voderholzer die Arbeit – und den Namensgeber.

Regensburg - 03.12.2018

Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller hat die gesammelten Schriften des früheren Papstes Benedikt XVI. als "Geschenk eines Kirchenvaters von heute" an die Kirche bezeichnet. Beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Instituts Papst Benedikt XVI. am Sonntagabend in Regensburg würdigte Müller die Arbeit der Einrichtung. Die von ihm 2007 als damaliger Regensburger Bischof mit dem Segen des Kirchenoberhaupts errichtete und ein Jahr später gegründete Einrichtung zur Herausgabe von dessen wissenschaftlichem Werk habe sich zu einem "weltweiten Zentrum" der Forschung zu Joseph Ratzinger entwickelt. "Das ist doch eine ganz große Leistung."

Die Kirche habe einen Wissenschaftsauftrag, sagte der Kardinal. Getreu dem Denken von Benedikt XVI. sei der Glaube an Gott nicht bloße Option, sondern entspreche der Vernunft des Menschen. Regensburg als Standort sei richtig gewesen, denn hier habe Ratzinger an der Universität von 1969 bis 1977 seine letzte Stelle als Professor für Dogmatik innegehabt und zugleich ein Privathaus besessen. Zugleich würdigte Müller die Arbeit der Mitarbeiter des Instituts mit Rudolf Voderholzer an der Spitze, der schließlich auch noch sein Nachfolger als Bischof von Regensburg geworden sei.

Voderholzer: "Aushängeschild für Regensburg"

Voderholzer nannte das Institut ein "Aushängeschild für Regensburg". Bisher seien zwei Drittel der Arbeit getan. Von 16 geplanten Bänden seien elf erschienen. Für das Frühjahr 2019 stehe die Herausgabe der Predigten Ratzingers an. Der Bischof versprach einen "geistig-geistlichen Begleiter" für das Kirchenjahr. Der folgende Band werde die Gottesfrage, das Verhältnis von Glaube und Vernunft sowie die Theologie Europas zum Inhalt haben; ein weiterer widme sich der Schöpfungstheologie und Mariologie.

Am meisten Forschungsbedarf sieht Voderholzer bei der Bedeutung, die Ratzinger für das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) hatte. Damals schrieb er die Vorlagen für die Reden des Kölner Kardinals Josef Frings. Der Bischof nannte es ein "Armutszeugnis", dass sich bisher niemand diesem Thema gewidmet habe.

Geplant sei zudem noch ein Band mit der Autobiografie des Papstes sowie dessen Beziehung zu seinem Vorgänger Johannes Paul II. und anderen bekannten Personen. Das Vorhaben, jedes Jahr zwei Bände herausbringen, sei leider nicht ganz aufgegangen, räumte Voderholzer ein. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass Benedikt XVI. als der "Theologenpapst" in die Geschichte eingehen werde.

Die Forschungseinrichtung ist im Regensburger Priesterseminar untergebracht. Eine Spezialbibliothek mit Quellen und Sekundärliteratur sowie ein Archiv dienen der Fachdiskussion über die Theologie Ratzingers. Seit 2012 wird außerdem sein ehemaliges Wohnhaus in Pentling vom Institut verwaltet. (tmg/KNA)