Kardinal Christoph Schönborn.
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Traumata und Schicksale von Flüchtlingen anerkennen

Kardinal Schönborn kritisiert "unmenschliche" Asylpolitik

Eine österreichische Erstaufnahme wurde jüngst in "Ausreisezentrum" umbenannt. So rücke man Schutzsuchende "in ein schiefes Licht", kritisiert Kardinal Christoph Schönborn. Dazu könne die Kirche und könne er nicht schweigen – auch weil es ihn selbst betreffe.

Wien - 14.04.2019

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat Kritik an "unnötigen Signalen" und "unmenschlichen" Entscheidungen in der Asylpolitik geübt. Die jüngste Umbenennung eines österreichischen Erstaufnahmezentrums in ein "Ausreisezentrum" sei nur ein Beispiel dafür, wie Asylsuchende "systematisch in ein schiefes Licht" gerückt würden, sagte er am Sonntag im ORF.

Es sei gewiss nicht Aufgabe der Bischöfe, "Noten zu verteilen" für die Politik, betonte der Erzbischof. Wenn es aber um Menschenwürde und Menschenrechte gehe, könne die Kirche nicht schweigen. Die aktuellen Entwicklungen schmerzten ihn umso mehr, als er selbst als Flüchtlingskind nach Österreich gekommen sei.

Flüchtlinge, so der Kardinal, seien stets eine "besonders vulnerable Gruppe", deren Schicksale und Traumata man würdigen solle - auch unter häufigerer Anwendung des humanitären Bleiberechts. Dies gelte auch im Wissen darum, dass es unter Flüchtlingen immer wieder einzelne gebe, die auch abgeschoben werden müssten.

Kirchenasyl für humanitäre Härtefälle

Anfang des Monats hatte die Freisinger Bischofskonferenz ihr Festhalten an der Tradition des Kirchenasyls betont. Sie verwiesen auf eine entsprechende Vereinbarung mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Diese werde von den Priestern, Ordensleuten und Hauptamtlichen, die in den bayerischen Bistümern Schutzsuchende aufnähmen, konsequent eingehalten.

Das Kirchenasyl sei kein Instrument, um die Asylfrage grundsätzlich zu lösen, erklärten die bayerischen Bischöfe. Aber es handle sich um ein Mittel, um Grenzfälle nochmals genauer zu überprüfen. Kirchenasyl bedeute deshalb Hilfe für Menschen in humanitären Härtefällen. (cst/KNA)