Christen demonstrieren einen Tag nach einem verheerenden Attentat auf eine Kirche in der paskistanische Stadt Peshawar am 22. September 2013 gegen Gewalt gegen ihre Religionsgruppe.
Pakistan trauert nach dem Anschlag auf eine Kirche um ermordete Christen

"Kein Frieden mit den Monstern"

Nach dem bislang schwersten Anschlag auf Christen in Pakistan hat am Montag eine dreitägige Staatstrauer in dem südasiatischen Land begonnen. Auf Regierungsgebäuden in der Hauptstadt Islamabad wurde die Nationalflagge auf halbmast gesetzt. Abgeordnete trugen schwarze Armbinden im Parlament.

Islamabad - 24.09.2013

Die Zahl der Toten des Anschlags stieg nach Angaben der Behörden auf 83. Weitere 147 Menschen wurden verletzt, als sich zwei Selbstmordattentäter der Taliban nach der Sonntagsmesse vor einer anglikanischen Kirche in der Stadt Peshawar in die Luft sprengten.

In Peshawar, Islamabad, Lahore und anderen Städten des überwiegend muslimischen Landes protestierten Tausende Menschen gegen die extremistische Gewalt und für besseren Schutz von Christen. Teilweise kam es zu Ausschreitungen, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Demonstranten blockierten Straßen und setzten Reifen in Brand. Tote wurden zunächst nicht gemeldet. Rund 96 Prozent der 185 Millionen Einwohner Pakistans sind Muslime. Zum Christentum bekennen sich etwa drei Millionen Bürger.

Pakistanische Taliban bekennen sich zu Anschlag

Eine Splittergruppe der pakistanischen Taliban (TTP) bekannte sich zu dem Anschlag. "Wir haben die Selbstmordanschläge in Peshawar durchgeführt und werden weiterhin Ausländer und Nicht-Muslime angreifen, bis die amerikanischen Drohnen-Angriffe aufhören", hieß es in einer Mitteilung. Dieselbe Gruppe hatte die Verantwortung für einen Angriff auf das Basislager am Nanga Parbat in Nordpakistan übernommen. Dabei waren im Juni zehn ausländische Bergsteiger und ein einheimischer Helfer getötet worden.

Der frühere Öl-Manager und Finanzexperte von Elf Aquitaine, Justin Welby, ist Erzbischof von Canterbury und damit Primas der anglikanischen Staatskirche von England.
Bild: © KNA

Der frühere Öl-Manager und Finanzexperte von Elf Aquitaine, Justin Welby, ist Erzbischof von Canterbury und damit Primas der anglikanischen Staatskirche von England.

Der Anschlag auf die Christen lässt Premierminister Nawaz Sharif offenbar von Plänen für Friedensgespräche mit der TTP abrücken. "Es sieht so aus, als wäre Frieden mit den Monstern keine Option mehr", hieß es am Montag aus dem Innenministerium. "Wir haben andere Mittel, um mit ihnen umzugehen, und werden sie nutzen."

"Nur der Frieden baut eine bessere Welt auf"

Weltweit verurteilten Vertreter aus Politik und Religion die Anschläge. "In Pakistan wurde aufgrund einer falschen Entscheidung des Hasses und des Krieges ein Anschlag verübt", sagte Papst Franziskus. Dieser Weg sei der falsche, er führt zu nichts. "Nur der Weg des Friedens baut eine bessere Welt auf", betonte das Kirchenoberhaupt.

Das Ehrenoberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft, Canterburys Erzbischof Justin Welby, sagte den Christen in Pakistan sein Gebet zu und forderte eine Bestrafung der Schuldigen. Der Anschlag offenbare die "Tiefen der menschlichen Bosheit". Die katholische Bischofskonferenz in Pakistan kündigte an, kirchliche Bildungseinrichtungen aus Protest landesweit drei Tage geschlossen zu halten. Zudem riefen die Bischöfe die Christen im Land zu Gewaltverzicht auf. (stz/dpa/KNA)

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