Der Bildausschitt zeigt Männer von der Hüfte abwärts. Sie tragen lange, einfarbige Gewänder in Schwarz, Weiß und Dunkelblau.
Über Benediktineroblaten, Tertiare und Familiaren

Kein Ordensleben "light"

Im Orden sein und doch ein säkulares (Familien-)Leben führen? Das geht. Bei vielen Orden können Laien als "Drittordensmitglieder" Teil der Gemeinschaft werden. Katholisch.de stellt die bekanntesten vor.

Von Julia Martin |  Bonn - 07.03.2018

Für ein geweihtes Leben entscheiden sich immer weniger Menschen. Und doch fasziniert viele die besondere Lebensform von Ordensgemeinschaften. Während die einen für die persönliche Auszeit Urlaub im Kloster machen, können sich andere gänzlich mit den Werten und der Spiritualität eines bestimmten Ordens identifizieren. Auch wenn sie nicht ins Kloster eintreten wollen – dem Orden beitreten können sie trotzdem: als Laienmitglied. Das können Männer und Frauen gleichermaßen tun. Unabhängig davon, ob dort nur Männer oder Frauen leben. Diese Übersicht präsentiert bekannte Orden und Möglichkeiten, als Laie beizutreten:

Benediktineroblaten

Geschichte: Menschen, die sich einem Benediktinerkloster als Laien anschlossen, gab es bereits seit Beginn des Ordens. In ihrer Geschichte wurden ihnen immer wieder unterschiedliche Namen wie Familiares, Donaten, Comissen oder eingeschriebene Brüder und Schwestern gegeben. Später etablierte sich der Begriff "Oblate" (lat. "oblatus", der Dargebotene). Nach der Säkularisierung Ende des 19. Jahrhunderts fing die Institutionalisierung des Oblatentums an. Doch erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) trafen sich die deutschsprachigen Oblatenrektoren der Klöster zum ersten Mal zu einem Austausch. Daraus entwickelte sich die heutige Arbeitsgemeinschaft Benediktineroblaten.

Spiritualität: Die Ordensregel "Ora et labora" – "Bete und arbeite" der Benediktiner ist allgemein bekannt. Dabei ist diese sie kein Bestandteil der geschriebenen Regel (RB) des heiligen Benedikt von Nursia. Deren eigentlich wichtigster Grundsatz "in allem wahrhaft Gott zu suchen" macht Mönchsgemeinschaft der Benediktiner aus. Ein Benediktineroblate versucht, die Mönchsregel auf sein individuelles Alltagsleben anzuwenden. Er soll stets Gott suchen "damit in allem Gott verherrlicht werde" ("Ut in omnibus glorificetur deus" 1 Petr 4,11). Diese Spiritualität ist eine eigene Form der Berufung und für jeden Oblaten individuell. Er bindet sich, wie ein Mönch, an ein bestimmtes Kloster (stabilitas loci) und wird so Teil ihrer Gebetsgemeinschaft.

Benediktineroblate werden: In den meisten Klöstern besteht bereits eine Oblatengemeinschaft. Interessierte können sich deshalb an den zuständigen Oblatenrektor wenden, der aus der Mönchsgemeinschaft für die Laienmitglieder zuständig ist. Wie bei den Mönchen wird auch der angehende Oblate zunächst in ein Probejahr aufgenommen. Durch Teilnahme an Oblatentreffen und der Prüfung der eigenen Berufung kann er nach Ablauf dieses Jahres mit Zustimmung der Klostergemeinschaft als Oblate aufgenommen werden. Der Aufnahmeritus ähnelt einer Profess: Mit den Worten "Nimm mich auf, Herr, nach deinem Wort, und ich werde leben; lass mich in meiner Hoffnung nicht scheitern." (RB 58, 21) legt auch ein Mönch seine Profess ab. Das Versprechen, sich "unter die Führung des Evangeliums" (RB: Prolog 21) zu stellen und ein Leben nach der Regel des heiligen Benedikt zu leben ist sowohl beim Mönch als auch beim Oblaten Voraussetzung. Ein Ordensleben "light" ist das Oblatentum also nicht.

Drei Benediktiner beim gemeinsamen Gebet im Freien.
Bild: © KNA

Drei Benediktiner beim gemeinsamen Gebet im Freien.

Franziskanertertiare

Geschichte: Die Laienorganisation des Franziskanerordens trägt die Bezeichnung "OFS" – "Ordo Franciscanus Saecularis" oder "Franziskanische Gemeinschaft". Schon seit den Anfängen des Franziskanerordens im 13. Jahrhundert haben sich Laien dieser Bewegung um den heiligen Franziskus und seiner Schwester Klara angeschlossen. Es folgten Jahrhunderte, in denen es mal mehr, mal weniger Laien gab, Auflösung durch Säkularisierung und Neugründungen im Anschluss. Erst 1978 gab Papst Paul VI. dem Drittorden eine erneuerte Regel, die der franziskanischen Ordensgemeinschaft entspricht. Heute gibt es für Deutschland eine institutionalisierte OFS-Gemeinschaft und regionale Ortsgruppen mit eigenen Vorstehern.

Spiritualität: Schon die Abkürzung "OFS" deutet die Spiritualität der Tertiare an: "Ordo" als Ordnung und Struktur für die Lebensform, die sich an "Franciscanus" (Franziskus) orientiert und "Saecularis", also in der Welt und nicht im klösterlichen Umfeld, stattfindet. Bezeichnend für die franziskanische Lebensform ist die Liebe zum Evangelium, die Armut und der einfache Lebensstil im Geist des heiligen Franziskus. Der OFS hat seine eigene Stellung und wurde von Papst Paul VI. als "organische Einheit aller katholischen Gemeinden und Gruppen in der weiten Welt, in denen sich Brüder und Schwestern mit ihrem Versprechen verpflichten, das Evangelium zu leben in der Weise des hl. Franziskus und mit Hilfe dieser von der Kirche bestätigten Regel" bezeichnet.

Teil der OFS werden: Auch bei der Laienorganisation der Franziskaner gibt es eine Zeit der Vorbereitung von einem Jahr. Danach wird der Bewerber durch einen Aufnahmeritus Teil der Gemeinschaft. Dieser soll, ganz franziskanisch, einfach und bescheiden sein. Er impliziert den Willen, ein Leben in der Spiritualität des heiligen Franziskus zu führen. Im Rahmen eines Wortgottesdienstes spricht der Bewerber folgende Worte: "Brüder und Schwestern, wir bitten um die Aufnahme in eure Gemeinschaft, um mit größerem Eifer und mit entschiedener Hingabe aus der Gnade und Bestimmung der Taufe zu leben, um so Jesus Christus zu folgen nach der Weisung und dem Beispiel des heiligen Franziskus von Assisi. So wollen wir in unserem Lebensstand der Ehre Gottes dienen und für seine Liebe zu den Menschen Zeugnis zu geben." Wie bei Benediktineroblaten finden auch bei den Franziskanern regelmäßige Treffen und Einkehrtage statt.

Eine Ordensfrau

Eine Ordensfrau der Waldbreitbacher Franziskanerinnen sitzt in der Mutterhaus-Kirche und betet.

Laiendominikaner

Geschichte: Dem heiligen Dominikus standen seit Beginn seines Wirkens Laien zur Seite. Diese unterstützten ihn in seiner Verkündigung und wurden in den Dominikanerorden aufgenommen. Eine von ihnen war etwa später die heilige Katharina von Siena. In der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden auch die Laiendominikaner in einer Vereinigung institutionalisiert.

Spiritualität: Für die Dominikaner sind vier Punkte wichtig: das Gebet mit- und füreinander, die Gemeinschaft, das Studium des Evangeliums und der Ordenstradition sowie das Apostolat, die Verkündigung der frohen Botschaft. Diese Punkte sind für Laiendominikaner in der persönlichen Berufung signifikant. Die Hauptaufgabe ist hierbei die Verkündigung. Sie orientiert sich am ersten Petrusbrief, wo es heißt: "Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt." (1 Petr 3, 15)

Laiendominikaner werden: Wer Laiendominikaner werden will, durchläuft ähnliche Aufnahmestufen wie ein Dominikaner im Orden. Einjähriges Noviziat, erste Professen für jeweils ein Jahr und nach drei Jahren das Versprechen, sich ganz an die Gemeinschaft zu binden – natürlich immer mit dem Einverständnis des Ordens. Der Gemeinschaftsaspekt ist bei den Dominikanern fundamental. Eine Mitgliedschaft in der Dominikanischen Gemeinschaft ist in der Regel an eine Gruppe gekoppelt, die sich regelmäßig trifft.

Habit der Dominikaner mit Gürtel und ein Rosenkranz

Zum Habit der Dominikanerinnen und Dominikaner gehören ein Gürtel und ein Rosenkranz. Weiter gehören noch ein weißes Skapulier, weiße Kapuze und ein schwarzer Radmantel (Capa) dazu.

Prämonstratenser-Tertiaren

Geschichte: Die Gemeinschaft geht auf Norbert von Xanten zurück, der im 12. Jahrhundert in Prémontré bei Laon eine Gemeinschaft gründete, die nach der Augustinusregel lebte. Auch hier gab es bereits zu Anfang Laien, die Tertiare, welche die Ordensideale in der Welt leben wollten. Der erste und einer der berühmtesten Tertiare war der Graf Thibaut de Champagne. Er wollte der Gemeinschaft sieben Jahre nach der Gründung beitreten. Norbert von Xanten empfahl ihm jedoch, nicht reguläres Ordensmitglied, sondern "Säkular-Tertiar" zu werden. Jahrhunderte später, im Jahr 2007, wurde im Bistum Trier in der Abtei Sayn eine neue Gemeinschaft gegründet, die Mitglieder aus ganz Deutschland hat.

Spiritualität: Bei den Prämonstratensern handelt es sich nicht um Mönche, sondern um Priester mit Ordensgelübde. Sie versprechen beim Eintritt Armut, Enthaltsamkeit und Gehorsam. Ihre Lebensform ähnelt durch die Gebetszeiten im Stundengebet und die gemeinschaftlichen Mahlzeiten im Refektorium der von monastischen Orden. Die Spiritualität beruht auf drei Säulen: Gemeinschaft (communio), Besinnung (contemplatio) und Handeln (actio). Die Tätigkeit im kirchlichen Dienst und der Seelsorge unterscheidet sie deutlich von Benediktinern.

Prämonstratenser-Tertiar werden: Wer mindestens 22 Jahre alt und römisch-katholisch ist, kann grundsätzlich dem Orden beitreten. Wichtig ist dabei ebenfalls die Prüfung der persönlichen Berufung. Die Suche nach Gott, Gemeinschaft und das Gebet sind zwingende Voraussetzungen. Der Prozess der eigenen Berufung kann individuell verlaufen. Wer sich für ein Leben als Tertiar interessiert, sollte Kontakt zur bereits bestehenden Gemeinschaft aufnehmen.

Die Prämonstratenser-Tertiaren mit ihrem Prälaten, Abt Albert Dölken (re.), dem Chorherrn P. Augustinus aus dem Stift Wilten (2. v. li.), zwei tschechischen Schwestern sowie dem Pfarrer von Ilbenstadt und dem Generalabt des Prämonstratenserordens, P. Thomas Handgrätinger (Obere Reihe Mitte) im Chorraum der ehemaligen Abteikirche am Gottfried-Reliquiar (im Vordergrund).

(Unbeschuhte) Karmeliten

Geschichte: Die Geschichte der Teresianischen Karmel-Gemeinschaft ist eng mit der Geschichte des Ordens seit dem 13. Jahrhundert verknüpft. Teresa von Avila gründete mit Unterstützung des Karmeliten Johannes vom Kreuz im 16. Jahrhundert den Ordenszweig der "Unbeschuhten Karmel". Auch diesen Laiengläubigen, die "in der Welt" nach der Spiritualität des Ordens leben wollen, wurde nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil besondere Bedeutung zugemessen. Fast zwei Drittel der heutigen Gemeinschaften entstanden um diese Zeit. Die Mitglieder werden Familiaren genannt. Die lateinische Bezeichnung lautet Ordo Carmelitarum Discalceatorum Saecularis (OCDS).

Spiritualität: Kennzeichnend für die Spiritualität aller karmelitischen Gemeinschaften sind der Prophet Elija und eine Stelle im Buch der Könige: "Der Herr der Heerscharen lebt, Israels Gott, und ich stehe vor seinem Angesicht." (1 Kön 17,1) Die Gegenwärtigkeit Gottes ist bei ihnen das entscheidende Merkmal, nicht so sehr festgesetzten Gebetszeiten oder Kontemplation. Die Orientierung an Maria ist ebenso in den Grundzügen dieser Spiritualität verankert. Heute wirken die Karmeliten als Seelsorger und in der Verkündigung.

Familiare werden: Wer Mitglied der Gemeinschaft werden will, hat zunächst einen mehrjährigen Weg der Einführung vor sich. Dann steht eine zeitliche Profess an, später ein endgültiger Eintritt in die Teresianische Karmel-Gemeinschaft, um im Geist des Karmel nach dem Evangelium zu leben. Bei Eheleuten muss zusätzlich der Ehepartner dem geistlichen Weg zustimmen. Auch Christen anderer Konfessionen können Teil der Gemeinschaft werden, allerdings nur als "assoziierte Mitglieder".

Vier Mönche der Unbeschuhten Karmeliten sitzen in Siegburg (Nordrhein-Westfalen) in der Kapelle des heutigen Karmels Michaelsberg.

Vereinigung der Salesianischen Mitarbeiter Don Boscos (SMDB)

Geschichte: Diese Laiengemeinschaft wurde vom Ordensgründer Johannes Bosco im Jahr 1841 selbst gegründet. In den Anfängen seiner Ordensarbeit band Don Bosco Männer und Frauen in sein Werk sein, die dem salesianischen Grundgedanken zustimmten, nicht aber Teil der Ordensgemeinschaft sein wollten. Die aktuellen Regeln für die Mitglieder gehen auf das Jahr 1998 zurück.

Spiritualität: Dem Ordensgründer ging es hauptsächlich um die Jugend. Auch bei den Laien steht der Einsatz für das Wohl von Jugendlichen sowie Kirche und Gesellschaft im Vordergrund. Entsprechend seiner persönlichen Möglichkeiten bringt sich der Salesianische Mitarbeiter dort ein, wo er kann: in Kinder und Jugendarbeit, im Gebet für junge Menschen, in Jugendprojekten. In Deutschland gibt es mehrere Ortszentren und eine überregionale Gemeinschaft.

Salesianischer Mitarbeiter werden: Wer Salesianischer Mitarbeiter werden will, kann das individuell tun. Am Anfang muss, wie bei allen Laien, immer die persönliche Berufung stehen. Dann nimmt er Kontakt zum Verantwortlichen in seinem Ortzentrum auf und bespricht ein Programm, das auf ihn persönlich in Entscheidungen und Entwicklungen abgestimmt ist. Dabei wird er von der Gemeinschaft begleitet. Am Ende der Prüfungszeit steht ein Antrag auf Aufnahme, der vom zuständigen Provinzrat genehmigt werden muss. Vor der Gemeinschaft gibt der Kandidat im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes das sogenannte Apostolische Versprechen ab und bindet sich an die Vereinigung.

Don Johannes Bosco.
Bild: © KNA

Der Ordensgründer der "Salesianer Don Boscos": Don Johannes Bosco.

Von Julia Martin